Katholiken und Protestanten diskutierten darüber, wie man Frieden stiften könne. Beim Ökumenetreffen in Berlin gingen die Meinungen teils deutlich auseinander.
„Christliche Friedensethik rechnet mit der Wirklichkeit einer unerlösten Welt.“ Mit diesem Satz setzte Friederike Krippner den Ton bei ihrer Einführung in die neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die im November 2025 beschlossen worden ist. Dass die „Welt in Unruhe“ ist, zeigten nicht zuletzt der Anspruch des US-Präsidenten auf Grönland, die Entführung des venezolanischen Präsidenten, den Konflikt im Sudan und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Stefan Silber, Friedensforscher und Mitglied von „Pax Christi“ (internationale katholische Organisation der Friedensbewegung), vertrat in seinem Impuls während des Ökumenetreffens einen deutlichen christlichen Pazifismus. Weltweit, so Silber, belege die Studienlage: Nur Gewaltverzicht führe zur Minderung der Gewalt. Und Jesus als der in jeder Hinsicht gewaltfreie Friedensstifter vertrete mit dem Aufruf zur Gewaltfreiheit eine alternative Vision des Zusammenlebens, so die Hauptthese Silbers.
Damit waren die zwei Pole der aktuellen Debatte gesetzt: Der christliche Pazifismus, der jede Form militärischer Gewalt und damit auch eine Erhöhung des Verteidigungsetats, Waffenlieferungen für die Ukraine oder eine allgemeine Wehrpflicht ablehnt, und die Position, die die Anwendung von Gewalt als letztes Mittel und unter Einhaltung strenger Kriterien dann für legitim hält, wenn sie dem Schutz der Menschenwürde und der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit dient.
In der Diskussion erinnerte Silber an Momente der Widerstandslosigkeit der Ukraine zu Beginn des Krieges und an die Positionierung aller (sonst so zerstrittenen) christlichen Konfessionen im Heiligen Land gegen den Krieg. Beides seien Beispiele für den Wunsch nach Gewaltfreiheit, die in der Öffentlichkeit viel zu wenig Beachtung gefunden hätten. Demgegenüber stellte Friederike Krippner, Co-Leiterin des Redaktionsteams der EKD-Denkschrift, in Frage, dass mit einer Kapitulation der Ukraine tatsächlich Frieden einkehren würde.
Und die ökumenische Dimension? Während das Friedenswort der Deutschen Bischöfe eine große Nähe zur EKD-Friedensdenkschrift aufweist, bezeichnete Stefan Silber die Päpste Franziskus und Leo XIV. als prophetische Stimmen für einen Frieden, der nur gewaltfrei errichtet werden könne. Für nichts, für keine Idee, für keinen Glauben und für keine Politik darf getötet werden, so ein Wort von Franziskus. Friederike Krippner ergänzte: Als Global Player hat die katholische Kirche Möglichkeiten, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft seien.
So spiegelte das diesjährige Ökumenetreffen das ehrliche Ringen um die christliche Positionierung angesichts verbrecherischer Kriege und dem Wunsch nach echtem Frieden. „Ich gehe mit mehr Fragen als Antworten“, so eine Teilnehmerin. „Aber das ist nicht das Schlechteste.“