Fröhliche Schwestern unterwegs

Katholische Ordensschwestern und Prälat Dybowski auf dem Wallfahrtsweg von Prenzlauer Berg nach Mariendorf. Foto: Andrea von Fournier

So bunt wie Berlin insgesamt ist das Bild, wenn katholische Schwestern verschiedener Orden sich auf eine Wallfahrt durch den Kiez begeben. Es ging um geistliche Stärkung und darum, wahrgenommen zu werden.

„Guten Morgen, Schwestern!“, sagt ein junges Mädchen fröhlich lächelnd. Die Bedienung einer Berliner Eckkneipe nahe dem Attilaplatz macht erst verwundert große Augen und lacht dann auch beim Grüßen. Eine Gruppe von mehr als einem Dutzend Ordensschwestern zieht an diesem frühsommerlichen Vormittag mitten in der Woche von der Herz Jesu- Kirche in Prenzlauer Berg zur Kirche Maria Frieden im Ortsteil Mariendorf.

Zwei Kilometer Fußmarsch sichtbar durch den Kiez

Es ist eine Ordenswallfahrt, die das Erzbistum Berlin regelmäßig anbietet und auch, wenn diesmal weniger Teilnehmer als in der Vergangenheit gemeldet sind, herrscht eine zufriedene, offene Stimmung unter den Teilnehmerinnen. Während der Pandemie gab es diese Veranstaltungen nicht und wohl alle – ausschließlich Frauen – freuen sich, dass sie sich wieder treffen und austauschen können.

Doppelt so viele Schwestern, die nicht gut zu Fuß sind, warten in der Wallfahrtskirche Maria Frieden auf die wandernde Gruppe. Prälat Stefan Dybowski ist heute Wallfahrtsleiter. Gemeinsam mit Monika Langer vom Erzbischöflichen Ordinariat Berlin hat er die Veranstaltung vorbereitet. Der Weg ist nicht allzu lang, etwa zwei Kilometer. Doch das ist für viele der Schwestern ausreichend, da die meisten nicht mehr die Allerjüngsten sind.

„Ich habe extra eine Route gewählt, die nicht nur durch Nebenstraßen verläuft“, erklärt Monika Langer. Die Friedrich-Karl- und die Rathausstraße sind stark frequentiert. Sie möchte, dass die Gruppe von den Mitmenschen bewusst wahrgenommen wird. Und das wird sie, positiv, wie die Reaktionen zeigen. Bei der kurzen Station in der Herz-Jesu-Kirche begrüßt der Leitende Pfarrer Arduino Marra die Schwestern verschiedener Orden. Er spricht kurz darüber, dass der innerkirchliche Vereinigungsprozess zur Entstehung der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. Tempelhof-Buckow gerade abgeschlossen und diese Kirche die Pfarrkirche sei. Die Schwestern hören von der Entstehung, Entwicklung und den Kunstschätzen. Dann begrüßt sie ihr Wallfahrtsleiter. Prälat Dybowski gibt der Gruppe seine Gedanken, die er bei Johannes 10 gefunden hat, mit auf den Weg: „Meine Schafe hören meine Stimme…“

Er erklärt den Ablauf, der durch zwei weitere Gedanken-Impulse auf der Wallfahrt ergänzt werden wird. Fürsorglich verteilt der Wallfahrtsleiter Getränke, dann geht es los. Schwarze, weiße, blaue und blau-weiße Kopfbedeckungen flattern im Wind, ehe Prälat Dybowski in einem Park am Spielplatz Halt einlegt. Dort spricht er über den Sündenfall im Garten Eden und verteilt nach der geistigen eine süße Stärkung. Die Chemie innerhalb der Gruppe, auch zwischen Wallfahrtsleiter und Pilgerinnen, stimmt.

Nachwuchs in Berliner Klöstern wird immer knapper

Angeregt unterhalten sich die Schwestern über Gott und die Welt. Die Nachwuchssituation ihrer Orden ist ein einendes Problem. Schwester Patientia, die zu „Mägde Mariens“ gehört, schüttelt den Kopf. 700 Frauen gehören zum Orden, sagt sie. In Breslau gäbe es noch Nachwuchs, auch in Afrika, hier in Weißensee leider nicht. Schwester Giulia von der Gemeinschaft „Sorelle della misericordia di Verona“ (Veroneser Schwestern der Barmherzigkeit) ist noch jung. Doch die Italienerin teilt die Erfahrung der anderen.

Angekommen an der Wallfahrtskirche, wird die Gruppe von Erzbischof Koch in Empfang genommen, der mit ihnen und den bereits im Innenraum wartenden Schwestern die heilige Messe als Höhepunkt feiert.