Gastfreundschaft mit Ausdauer

Bei einer Israelreise im vergangenen Oktober ist den Pilgern der Eichwalder Antonius-Gemeinschaft dieses Ukraine-Mosaik an der Verkündigungsbasilika in Nazareth besonders ins Auge gefallen. Foto: Thomas Wolter

„Begegnung ermöglichen“ ist ein Vereinsziel der Eichwalder Antonius-Gemeinschaft. Auf ihre Initiative hin haben ukrainische Frauen und Kinder seit einem Jahr einen wöchentlichen Treffpunkt im Gemeindehaus.

„Wir sind hier in Eichwalde wie eine Familie und wissen, dass wir in St. Antonius immer Hilfe und Verständnis finden“, haben ukrainische Frauen in einem Dankesbrief an die Katholiken von Eichwalde geschrieben. Es sei nicht einfach für sie, in Deutschland mit ihren Kindern ein neues Leben zu beginnen, nachdem sie ihre Männer und viele Verwandte in der zerstörten und bedrohten Heimat zurücklassen mussten, doch die „Fürsorge, Wärme und Aufmerksamkeit“ aller, die mit ihnen in der Kirche sind, helfe ihnen dabei.

Seit einem Jahr unterstützen Christen der Eichwalder St. Antonius- Gemeinde ukrainische Flüchtlinge aus der Region auf vielfältige Weise, von der Beschaffung von Fahrrädern bis zur Hilfe bei Wohnungssuche und Umzug. Zu einem festen Anlaufpunkt hat sich dabei mittwochs von 15 bis 18 Uhr der Ukraine-Treff entwickelt, je nach Wetter im Pfarrhaus oder auf dem Gelände davor. Bei Kuchen und Getränken reden die Erwachsenen über vieles, was sie auf dem Herzen haben. Die Gastgeber stehen für Fragen und Anliegen bereit und spielen mit den Kindern, die sich sichtlich über die Zuwendung freuen und über das Spielzeug, das sie nutzen dürfen. Am 1. März fand das Treffen, für das die Initiatoren im Ort anfangs mit dreisprachigen Plakaten geworben hatten, bereits zum 50. Mal statt. Kamen zuerst etwa acht bis zehn Gäste, nehmen mittlerweile bis zu 25 teil. Sie schätzen die vertrauensvolle Atmosphäre und bringen ihren Dank immer wieder mit Worten und kleinen Geschenken zum Ausdruck – ein Schnittlauchsträußchen im Frühlung zum Beispiel oder Selbstgebackenes.

Vernetzt mit vielen Kräften der Stadt

Federführend in der Flüchtlingshilfe der Gemeinde ist die Antonius- Gemeinschaft, ein Verein der Gemeinde, zu dessen Satzungszielen „Begegnung ermöglichen“ gehört. Die Vereinsmitglieder erleben, wie die Ukrainer das Gemeindeleben bereichern. Unter anderem haben sie den Anstoß dafür gegeben, dass jetzt parallel zum Mittwochs-Treff die benachbarte Kirche geöffnet ist. Die Frauen wollten in der Kirche beten und vor der Mutter-Gottes- Statue Kerzen anzünden, standen aber anfangs vor verschlossenen Türen.

Seit die Kirche mittwochnachmittags offen ist, nutzen auch Passanten die Gelegenheit. Nicht selten kommt es in der Kirche spontan zu froh machenden Begegnungen. Die ukrainischen Gäste nehmen an Pfarrfesten und Gottesdiensten teil, kürzlich auch am Trödelmarkt. Einheimische sehen sie inzwischen als Mitglieder ihrer Gemeinde.

In der gemeinsamen Unterstützung für die Ukrainer wächst die Zusammenarbeit mit anderen Kräften der Stadt und der Region, zum Beispiel mit dem Eichwalder Gewerbeverein, der ein Weihnachtsessen mit Gänsebraten und Klößen für die Flüchtlinge ausrichtete. Ein Clown sorgte dafür, dass Kinder und Erwachsene für eine Stunde in eine unbeschwerte Welt eintauchen konnten. Zum Abschluss bekam jedes Schulkind ein Tablet geschenkt, für die Erwachsenen gab es Einkaufsgutscheine.

Am ukrainischen Unabhängigkeitstag im August fand in der evangelischen Kirche der Stadt eine ökumenische Friedensandacht statt, mitgestaltet von den Gästen des Ukraine-Treffs. Sie sangen ihre Hymne, trugen die Lesung und selbst formulierte Fürbitten in ihrer Sprache vor. „Wir konnten sie nicht verstehen, aber die Tränen in ihren Augen ließen ihr Erleben erahnen“, sagt Sylvia Kroll aus dem katholischen Ukraine-Team. Sie berichtet auch von neuen Herausforderungen für die Gruppe: Einige müssen aus Eichwalde wegziehen, weil ihre Wohnung auf Eigenbedarf gekündigt wird. Wahrscheinlich können sie vom neuen Wohnort aus nicht jeden Mittwoch kommen. Kinder haben ihre eigenen Sorgen. Ein Elfjähriger war vor zwei Wochen sehr bedrückt, weil er am neuen Ort die vierte Klasse wiederholen sollte. In der fünften Klasse sei kein Platz für ihn. Mittlerweile ist er dort angekommen. Seine SMS beruhigt alle, die Anteil an seinem Schicksal nehmen: Er ist trotzdem froh, mag die neue schöne Wohnung und darf jetzt einen Hund haben.