Geruch von Schmieröl und Weihrauch

Die heilige Messe am Fest Josef des Arbeiters in einer Werkhalle zu feiern, zwischen Heizkesseln oder S-Bahn-Waggons, ist eine Idee der Katholischen Arbeitnehmer- Bewegung (KAB): „Wir wollen die Priester mit der heutigen Arbeitswelt in Verbindung bringen, sie mit den Problemen am Arbeitsplatz konfrontieren“, begründet es der KAB-Vorsitzende der Gemeinde St. Dominicus in der Gropiusstadt, Lothar Paedelt.

Früher, erzählt er, hielten die Priester den traditionellen Gottesdienst am Vorabend des 1. Mai, und „danach, wenn wir zusammensaßen und über die Situation der Arbeiter diskutierten, da waren sie weg“. Also wurde überlegt, wie man die Pfarrer ins Boot holen könne. „Wir haben sogar angeboten, dass der eine oder andere von ihnen mal ein Praktikum in einem Betrieb machen könnte.“

Daraus wurde zwar nichts, aber der Wunsch, Kirche und Arbeiterschaft mehr zusammen zu bringen, blieb. Und so kam man auf die Idee, die Priester als Liturgen in die Werkhallen zu locken: Seit den 1990er Jahren wird der traditionelle Gottesdienst dort gefeiert, wo sich der Geruch von Schmieröl mit dem des Weihrauchs mischt; in den Betriebswerkstätten der SBahn in Schöneweide, auf dem BSR-Betriebshof in Tempelhof oder im Heizkraftwerk des Königin- Elisabeth-Krankenhauses in Lichtenberg. „Dadurch wurden auch die Predigten politischer“, erinnert sich der pensionierte Tischlermeister und schmunzelt.

Gottesdienst zum Thema „Arbeit. Macht. Sinn.“

Die KAB stehe ja für Solidarität und Gerechtigkeit, wolle auf der Basis der Katholischen Soziallehre sowie der Sozialverkündigungen der Päpste Politik und Gesellschaft mitgestalten, „von der Anerkennung der Erziehungszeiten bei Müttern bis zum Kampf gegen verkaufsoffene Sonntage, weil Familien kaputtgehen, wenn Mutter auch sonntags an der Kasse sitzen muss“.

In diesem Jahr wurde der Altar im Konferenzzentrum des „alten“ Flughafens Schönefeld aufgestellt. Das Thema des Gottesdienstes: „Arbeit.Macht.Sinn.“ Prälat Stefan Dybowski zeigte in seiner Predigt die Bedingungen auf, unter denen Arbeit als sinnvoll erlebt würde. Zum Beispiel dann, wenn der Arbeiter seine individuellen Begabungen und Fähigkeiten einbringen kann, Wertschätzung erfährt sowie erlebt, wie wichtig seine Arbeit für den anderen und die Gesellschaft ist.

Vor dem Gottesdienst konnten die Mitglieder der KAB und deren Gäste das BER-Gelände besichtigen. Es war Sonntagnachmittag, weit und breit kaum eine Menschenseele zu sehen. Die gigantische Anlage wirkte wie entrückt, ein Ausflugsziel für alle, die Stille mögen. Die Gebäude im Stil von Schinkel und Bauhaus strahlen Klarheit und Transparenz aus; Holzverkleidungen im Innenbereich harmonieren mit der Betonoptik. „So schön hab ich mir das gar nicht vorgestellt“, staunte eine KABlerin. Wohltuend auch, dass die Häme, mit der sonst der „Pannenflughafen“ überzogen wird, ausfiel.