„Gott hat ein Herz für die Menschen“

Foto: Stefan Förner

Die Berliner Herz Jesu Schule feierte ihr 80-jähriges Bestehen. Am 27. Juni gibt es mit dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, nach dem die Schule benannt ist, einen weiteren Grund, zu feiern. Ein Besuch.

„Dieses Herz, das nach oben geöffnet ist, symbolisiert Offenheit. Das Glasfenster ermutigt, dass man andere einlädt, es zeigt, dass Gott alle Menschen liebt.“ Ein Sechstklässler erklärt in der Kapelle ganz selbstverständlich, was auch Theologen ins Schleudern kommen lässt. Selbst die Sacré-Coeur- Schwester Karin Lüttgen, die frühere Leiterin der Herz Jesu Schule im Berliner Westend, hat mit der Herz-Jesu-Frömmigkeit schon mal gehadert. „Herz Jesu heißt für mich und für unseren Orden: Gott hat ein Herz für die Menschen! Mir geht es nicht um die teilweise doch recht kitschigen Andachtsbilder.“ Für die letzte Schwester, die an der Herz Jesu Schule gewirkt hat, ist das Ehemaligentreffen zum 80-jährigen Bestehen ein einziges Bad in der Menge mit vielen Erinnerungen und Umarmungen.

Auch die aktuelle Schulleiterin Petra Buttenberg geht sehr selbstverständlich mit dem Namen der Schule um und verweist auf „selbst gebackene Sacré Coeurchen“, Butterplätzchen in Herzform.

Etwa 300 ehemalige Schüler waren gekommen, ließen sich durch die Schule führen und erinnerten sich: „In der Turnhalle wird doch auch Gottesdienst gefeiert, oder? Da gab’s so einen zerlegbaren Altar.“ – „Wann warst du hier, 65 bis 67, bei Mutter Chromik? Dann waren wir in einer Klasse!“ – „20 Kinder in einer Klasse? Wir waren damals 41!“ – „Fühlt sich an wie die ‚Feuerzangenbowle‘“ - „Schulgarten? Baut ihr auch Gemüse an?“

Gerade in den ersten Jahren der Schule, gegründet unmittelbar nach der Kapitulation am 8. Mai 1945, war die Frage der Versorgung von allergrößter Bedeutung. Im heutigen Westend kaum vorstellbar, war die Schule für viele Kinder der einzige Ort, an dem es verlässlich etwas zu essen gab. Die Internationalität des Ordens erschloss manche zusätzliche Quellen für Lebensmittel.

Konrad Westrick, von 1947-49 Herz Jesu-Schüler, erinnert sich in den Schulräumen gern an seine Schulzeit, aber durchaus auch an Hunger und Mangel. Seine Mutter, Dr. Hilde Westrick, hatte in den letzten Kriegsjahren im eigenen Hause eine Klinik eingerichtet für Verletzte, Kranke, Arme, Flüchtlinge, vertriebene Kinder und Verfolgte. Sie nahm dort nach dem Krieg auch die auf, die kein Geld für Behandlungen hatten.

Sie war es, die den Herz Jesu Schwestern nur wenige Tage nach der Kapitulation von Nazi- Deutschland zu Baracken verhalf, in denen noch im Mai 1945 zunächst mit dem Unterreicht begonnen werden konnte. Ende der 40er Jahre war es erneut Konrad Westricks Mutter, die die Schwestern auf jene Villa aufmerksam machte, die noch heute mit ihren stattlichen Säulen das Schulgebäude prägt. Die Villa war viel besser geeignet als die Baracken und stand im Übrigen zur Verfügung, da zuvor ein „großer Nazi“ dort gewohnt hatte.

„Tagsüber wurde in den Räumen unterrichtet, am Abend hatten die Schwestern dann ihre Matratzen zum Schlafen ausgerollt“, weiß Schwester Lüttgen. Wo – nach einer ersten Erweiterung – die Räume der Schwestern waren, befindet sich jetzt der Schulhort: „Ich hätte in Hausschuhen zum Unterrichten gehen können, nur einmal über den Flur.“

Auch wenn 2004 die letzte der Schwestern die Schule verlassen hat, der Geist der Sacré-Coeur- Schwestern und ihrer Gründerin Sophie Barat ist nach wie vor lebendig. „Miteinander leben, miteinander lernen, miteinander glauben – mit dem Herzen sehen“, so lautet das Motto der Schule.

Die schweren Anfänge nach dem Krieg sind indes nicht vergessen. Die Schule unterstützt ein Partnerschaftsprojekt in Peru, die Kinder besuchen als Sternsinger das nahegelegene Malteser- Krankenhaus. Konrad Westrick und viele andere Ehemalige sind mit Schwester Lüttgen überzeugt: „Gott hat ein Herz für die Menschen“.