„Wenn Papa wieder in den Einsatz geht – für starke Bundeswehrfamilien“: Unter diesem Motto bietet die Katholische Familienstiftung für Soldaten Seminare an. Seelsorgerische Impulse sollen helfen, dass Fernbeziehungen gelingen.
„Kann ich dir helfen?“, fragen die Wenigsten, wenn der Ehepartner vier oder sechs Monate als Soldat im Auslandseinsatz ist. So berichteten Sabrina Baumbach und Jasmina Graßmann (beide 36) als betroffene Ehefrauen und Mütter. Auf Einladung der Katholischen Familienstiftung für Soldaten gaben sie einen sehr persönlichen Einblick über ihre Erfahrungen. Vor allem die Hilfen für Paare und Familien in Auslandseinsatz und Wochenendbeziehung standen im Mittelpunkt eines Abendprogramms im Katholischen Militärbischofsamt von Berlin.
„Wir kriegen Besuch: Papa kommt!“
„Wir kriegen heute Besuch; Papa kommt“, so empfand ein Vierjähriger die Rückkehr seines Vaters aus einem Auslandseinsatz. Eine Folge, wenn Ehefrauen über Monate hinweg mit den Problemen der Erziehung allein sind. „Das Geld wiegt die Abwesenheit des Vaters nicht auf.“ So lautete die übereinstimmende Erfahrung der beiden Ehefrauen von Soldaten. Sie berichteten über viel Unverständnis im Umfeld. „Wir Frauen bleiben auf der Strecke.“
Damit solche Erfahrungen bei den zur Zeit 3600 auswärts tätigen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr weniger werden, stellte Rainer Krotz Seminare und Arbeitshilfen vor. Das Motto lautet: „Wenn Papa wieder in den Einsatz geht – für starke Bundeswehrfamilien“. Als geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung stellte er Hilfsangebote für Angehörige der Bundeswehr und ihre Familien vor. Vor allem Familienferien und Familienseminare mit guten Gesprächen und seelsorgerlichen Impulsen trügen dazu bei, dass Fernbeziehungen gelingen.
„Paare erhalten in Seminaren einen Einblick in das, was auf sie zukommt, und bekommen Methoden an die Hand, um mögliche Krisen zu vermeiden oder mit ihnen umzugehen“, so Krotz. Dabei stehe der präventive Ansatz im Vordergrund, um wiederkehrende Belastungen einer Einsatztrennung gut bewältigen zu können. Auch die Vernetzung von Paaren untereinander zählt zu den Zielen der Stiftung. Zur finanziellen Förderung von gelingenden Partnerschaften in der Bundeswehr warb er für das gerade gestartete Crowdfunding-Projekt „Paare stark für den Einsatz“. Auf der Crowdfunding-Plattform www.wo2oder3.de der Pax-Bank findet sich unter „Projekte unterstützen“ die Möglichkeit, sich bis zum 6. Mai als Fan anzumelden und für dieses Projekt zu stimmen. Wenn mindestens 50 Fans registriert sind, kann die Finanzierungsphase beginnen.
Wie gelingt es, einen Auslandseinsatz oder eine Wochenendbeziehung als Paar und Familie besser zu verstehen, zu bestehen und dabei gemeinsam stärker zu werden? Dazu gab Peter Wendl als wissenschaftlicher Projektleiter am Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft aus seiner langjährigen Erfahrung viele praktische Tipps. Der Autor zahlreicher Publikationen zu den Themen Partnerschaft und Familie von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt skizzierte viele Fälle, die unter die Haut gingen. Typische Klippen, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten für Paare standen im Mittelpunkt seines Beitrags. Auch für Kinder in Fernbeziehungen hatte er viele praktische Tipps parat.
Hoffnungen und Ängste rechtzeitig formulieren
Wesentlich dafür, dass Partnerschaft auf Distanz gelingt und zu einer Chance wird, ist nach Peter Wendl das rechtzeitige Formulieren von Hoffnungen und Erwartungen, Befürchtungen und Ängsten. „Sie sollten möglichst sogar aufgeschrieben („fixiert“) und gemeinsam diskutiert werden.“ Vorlagen und Anregungen sowie Beispiele finden sich in vielen seiner Bücher zum Thema.
Für zwei Anliegen warb Rainer Krotz: Die Situation von Soldatenfamilien vor Augen zu haben: „Ein Thema, das uns am Herzen liegt.“ Und „Paare stark für den Einsatz“ ins Gespräch zu bringen. Absolute Transparenz und weitere Unterstützung – zum Beispiel durch die Pax-Bank – seien gewährleistet.
„Mit Militärseelsorge kann man Werbung für die Kirche machen“, stellte Rainer Krotz schließlich fest. Ein Urteil, dem sich die Gäste des Abends einhellig anschlossen.