„Katholisch und trotzdem cool“

„Ich bin gerade auf einer langen Lobpreiswelle“: Pastoralreferentin Theresia Härtel.

Theologie studierte sie, weil es sich so richtig anfühlte: Theresia Härtel ist seit August Pastoralreferentin im Erzbistum. Durch ihre Gesprächsangebote will sie Erfahrungen mit Gott ermöglichen.

Um es einfach mal vorwegzunehmen: Theresia Härtel ist ein Glücksfall für die Kirche. Und das in vielerlei Hinsicht. Berlins neue Pastoralreferentin ist jung und gebildet. Im gesamten Gespräch mit dem Reporter dieser Zeitung ist sie hellwach, fröhlich und aufmerksam. Für ihren Gast hält sie Tee bereit, hat ein paar Teilchen vom Bäcker besorgt. Die 27-Jährige hat einen tiefen Glauben und ist doch – wenn es drauf ankommt – kritisch, hat Mut zur Meinung.

 

Die Einzige, die Sankt Martin kannte

Und noch eines wird im Interview schnell offenbar. Theresia Härtel ist ein Familienmensch. Ihren Vater nennt sie gleich mehrfach liebevoll „mein Papi“. Aufgewachsen ist Härtel im Ostteil Berlins. Beide Eltern katholisch, „waren in der Gemeinde sehr aktiv“. Die Kirche sei für die Eltern so etwas „wie eine Insel“ in der DDR gewesen. „Eine Insel, auf der man frei denken konnte“, erzählt Härtel, die selbst aber nach der Wende geboren wurde. Zur Schule ging die in Erfurt ausgebildete Theologin in Berlin-Hellersdorf und war in ihrer Grundschulklasse „die Einzige, die einen Glauben hatte. Die Einzige, die Sankt Martin kannte.“ Auch wenn sie sich später gegenüber Freunden und Mitschülern immer mal wieder für die Verfehlungen oder Unstimmigkeiten ihrer Kirche rechtfertigen musste, hieß es am Ende stets. „Du bist cool! Obwohl du katholisch bist“.

Nach der Schule wollte Härtel zunächst Soziologin werden. Doch dann gab es diesen „einen Moment, wo ich die Idee hatte, Theologie zu studieren“. Das habe sich „so richtig angefühlt“. Seit der Zeit in Erfurt ist ihr Glauben gewachsen. Als junges Mädchen sei es vor allem die Gemeinschaft gewesen, die sie begeisterte. Auf die Frage nach ihrer spirituellen Beheimatung sagt die Pastoralreferentin, „ich bin gerade auf einer langen Lobpreiswelle“. Doch auch im Stundengebet oder beim Rosenkranz fühlt sie sich wohl. Die vorformulierten Gebete helfen ihr, „wenn ich gestresst bin“, zur Ruhe zu kommen.

Als Pastoralreferentin ist sie am Campus der Humboldt-Universität in Adlershof und an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in Schöneweide für die Studentenseelsorge zuständig. Um dort mit den Studenten, die meist mit der Kirche kaum etwas zu tun haben, ins Gespräch zu kommen, hängte sie ein paar Zettel mit Bild und Telefonnummer von sich auf. Fast überall scheint sie gut anzukommen. Auch wenn sie im Pflegeheim aushilft und dort Gottesdienste feiert. Dabei helfe ihr der „Halo-Effekt“ – so nennt man das Phänomen, wenn ein positives Persönlichkeitsmerkmal alles überstrahlt. „Junge Frau, gut angezogen“, sagt sie dann. Doch es ist nicht nur ihre äußere Erscheinung. Gerade ist ein Kollege im pastoralen Raum krank. Wie selbstverständlich übernahm sie dessen religiöse Kinderwoche. „Wir sind ein Team“, sagt sie.

Auch wenn Härtel immer mal wieder Überstunden macht – „in der Seelsorge ist es schwierig, auf Stunden zu gucken“ – hat sie in der Pastoral offenbar ihren Traumjob, ihre Berufung gefunden. „Weil man sich immer wieder neue Aufgaben und Baustellen suchen kann“. Ihre Gesprächsangebote versteht sie nicht als Mission, aber schon als Rahmen, um „Erfahrungen mit Gott zu ermöglichen“. Meist wenden sich junge Menschen mit Problemen an sie. Der Druck an der Uni sei heute enorm. Zudem ringen viele Studierende mit sich, „weil sie irgendwas erreichen sollen, was sie innerlich gar nicht erreichen wollen.“ So werde heute Erfolg in vielen Elternhäusern großgeschrieben. „Das ist eine Stelle, wo ich ansetzen kann“. Inzwischen ist Härtel auch als geistliche Begleiterin gefragt.

 

Ein Kreuzzeichen, um sich spirituell zu verankern

Seit einiger Zeit ist die Theologin mit einem evangelischen Christen liiert. Ein Informatiker. 2021 soll geheiratet werden. Anders als sie selbst habe ihr Partner einen eher rationalen Zugang zum Glauben. Ihr dagegen helfen die Rituale, die verschiedenen Gebetshaltungen, oder einfach nur ein kurzes Kreuzzeichen, um sich spirituell zu verankern.

Zudem ist sie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. „Das zeigt doch schon an, dass ich in der Kirche eher zum liberalen Flügel gehöre“, sagt sie. Auf die Frage nach ihren Stärken antwortet die junge Frau. „Ich kann ganz gut und offen auf Menschen zugehen, sie motivieren“. Als ob es daran je einen Zweifel gegeben hätte …