Lorenz Kießig und Laurens Amrhein verbringen gerade mit dem Bonifatiuswerk ein „Praktikum im Norden“. In Island und Dänemark helfen sie katholischen Gemeinden und Einrichtungen.
Die Zeit nach dem Abitur ist für viele junge Leute eine Gelegenheit, die Welt zu entdecken, bevor es „ernst“ wird mit Ausbildung und Beruf. Das Bonifatiuswerk ermöglicht Schulabgängern, für mehrere Monate ins Ausland zu gehen. Das Hilfswerk, das Katholiken in der Diaspora unterstützt, bietet ein „Praktikum im Norden“. Bis zu 18 Monate können junge Leute in kirchlichen Einrichtungen Nordeuropas mitarbeiten. Lorenz Kießig (19) aus Berlin und Laurens Amrhein (18) aus Potsdam haben sich beim Bonifatiuswerk beworben und sich im vergangenen Sommer mit 17 weiteren Jugendlichen auf ein Praktikum eingelassen – und das mitten in der Corona-Krise.
Manches läuft etwas anders als geplant
Die bekommt Laurens Amrhein auch zu spüren. Eigentlich sollte er bei der Jugendorganisation „Danmarks Unge Katolikker“ eingesetzt werden. Doch Jugendarbeit fällt auch bei unseren nördlichen Nachbarn derzeit dem Lockdown zum Opfer. Stattdessen arbeitet der 18-Jährige an der Grundschule St. Knud in der Nähe von Kopenhagen. Dort hilft er im Deutschunterricht, betreut die Vorschulklassen. Auch seine handwerklichen Fähigkeiten kann er einsetzen, hat schon mitgeholfen, die Wände zu streichen und das Dach zu verkleiden. Dass es mit der ursprünglich geplanten Arbeit im Jugendzentrum nicht geklappt hat, ist für ihn kein Problem. „Ich habe jetzt viel Zeit, um mir die Stadt anzuschauen“, erzählt der Jugendliche. Zum Beispiel macht er eine große Wanderung, um Land und Leute kennenzulernen. Die Corona-Einschränkungen sind geringer als in Deutschland, berichtet er. Geschäfte seien weiterhin geöffnet. Kinder bis zur fünften Klasse gehen noch zur Schule, Ausgangssperren gibt es auch keine.
Ähnlich entspannt ist die Lage auch für Lorenz Kießig, der in Islands Hauptstadt Reykjavík gelandet ist. In der Essenaugabe der Mutter-Theresa-Schwestern, wo er morgens mithilft, dürfen nur noch sieben Personen gleichzeitig eingelassen werden. Der Berliner gibt hier Frühstück an schwache, bedürftige oder obdachlose Menschen aus, die sonst nichts zu essen bekämen. Am Nachmittag hilft er im Pfarrbüro mit.
Warum es den Abiturienten ausgerechnet nach Island gezogen hat? „Ich wollte nicht nach Amerika, Australien oder Indien, wo alle hingehen“, erzählt er. „Ich wollte was anderes ausprobieren.“ Eine Bekannte sei 2017 nach Schweden gegangen, über sie wurde er auf Nordeuropa aufmerksam. Da er Island spannend findet, hat er sich beim Bonifatiuswerk für das Land beworben – und es hat geklappt.
Die isländische Sprache ist seiner Meinung nach die schwerste unter den nordischen, aber „eigentlich funktioniert hier alles mit Englisch“. Gewöhnungsbedürftig findet er das nordische Klima. Obwohl derzeit kein Schnee liegt, wird es schon um einiges kälter als in Deutschland: Minus neun Grad seien im Januar keine Seltenheit, erzählt Lorenz. Ganz so kalt wird es bei Laurens Amrhein in Kopenhagen nicht. Er kannte sein Praktikumsland vorher nicht, ihn reizte einfach die Gelegenheit, zwischen Abitur und Ausbildung noch etwas anderes kennenzulernen. „Das wird dann erstmal für eine ganze Weile nicht mehr gehen“, meint der 18-Jährige.
Heimweh haben die beiden jungen Männer jedenfalls bisher nicht wirklich verspürt, obwohl sie auch Weihnachen nicht in der Heimat feiern konnten. Lorenz Kießig war mit anderen Praktikanten des Bonifatiuswerks in Schweden. „Das war eine sehr schöne Zeit“, erzählt er rückblickend. Laurens Amrhein ist über die Feiertage in Kopenhagen geblieben. Im Sommer werden er und Lorenz wieder nach Deutschland zurückkehren, dann wird für beide die Ausbildung oder das Studium beginnen. Sie hoffen, bis dahin noch mehr Gelegenheit zu bekommen, die anderen nordischen Praktikanten ein wenig besser kennenzulernen. Bisher haben sie sich nur beim Bewerbertag und beim Vorbereitungsseminar gesehen.