Konzerte als Herberge

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Die christliche Band Patchwork bietet spezielle Trostkonzerte für Trauernde an. Die Musiker greifen die Tradition der Klage- und Trostpsalmen auf, um den Zuhörern neue Hoffnung zu schenken.

„Lieder und Texte zu Trauer und Trost, Angst und Hoffnung, Tod und Auferstehen“ – das steht auf Postkarten, mit denen die Berliner Band Patchwork auf ihre „Trostkonzerte“ aufmerksam macht. Im November steigt die Nachfrage nach diesen Konzerten, was aber nicht zwingend ist, betont der Texter der Band, Christoph Kießig: „Trost und Hoffnung werden immer gebraucht, wie es auch immer Abschiede, Ängste oder Einsamkeit gibt.“ Im März fand zum Beispiel in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum ein Trostkonzert statt. Für Christoph Kießig ist es ein „wunderbares Format, weil Lieder der Klage und des Trostes eine große Tradition haben, denken sie nur an die Psalmen. Uralte Texte, die dem Unaussprechlichen eine Stimme geben.“

Im Programm wechseln sich Lieder, Instrumentalstücke und literarische Texte ab. Gelesen wird dabei auch, aber nicht nur, aus der Bibel. In einem der Lieder heißt es: „Manchmal ist es wenig, was mich über Wasser hält, und manchmal ist es viel.“ Es handelt von der dünnen Schicht zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Von der Erfahrung, dass es manchmal nur Augenblicke sind, „die uns zueinander treiben“, nichts ewig halte und doch dieses Wenige – die kleine Geste, miteinander Schweigen, ein gutes Wort – so viel sein könne. Christoph Kießigs meist sehr persönliche Texte treffen die Stimmung von vielen – nicht nur von Christen, die einen Verlust erlitten und vielleicht keine Worte haben, um auszudrücken, was sie fühlen. Die Trost suchen, um nicht in der Trostlosigkeit zu versteinern. Dichterin Nelly Sachs, die in den Lesungen zu Wort kommt, nennt Texte, die Hoffnung aufscheinen lassen, „Nachtherbergen für Wegwunde“. Ein Trostkonzert könne so eine Herberge sein, in der sich Menschen bergen, denen das Leben Wunden geschlagen hat.

Auf einer Bundestagung für Neues Geistliches Lied stellte Njeri Weth, eine Soulsängerin, ihr Format Trostkonzert vor, das sie mit ihrem Mann für Trauernde konzipiert hat. Dieses Format haben die „Patchworker“ aufgegriffen, gerade weil es anschlussfähig für Nichtchristen ist, betont Christoph Kießig: „Beim innerkirchlichen Begriff Andacht denken ja viele im Osten, dass sie da beten müssen, und das schreckt manche eher ab.“ Die Trostkonzerte würden sehr gut angenommen: „Wir bekommen starke Reaktionen von Besuchern, die einen Angehörigen beerdigen mussten oder eine Scheidung hinter sich haben. Sie sagen zum Beispiel, dass ihre Seele mal durchatmen konnte, sie sowas wie inneren Frieden gespürt haben.“ Hoffnung in hoffnungsarmer Zeit zu vermitteln, ist Anliegen von Band und Veranstaltern, die diese Konzerte organisieren.

„Wir können also nicht nur laut und lustig. Wir spielen auch auf Beerdigungen“ oder in Friedhofskapellen, Krankenhausund Pfarrkirchen. „Patchwork ist handgemachte Musik mit deutschen Texten zu Themen aus dem Leben und aus christlicher Überzeugung. Wir spielen überall, wohin man uns einlädt“, sagt Christoph Kießig und lacht. „Das war jetzt der Werbeblock.“ Auf den Postkarten, die zu den Trostkonzerten einladen, steht ein Ausspruch des US-amerikanischen Psychotherapeuten und Schriftstellers Irvin David Yalom: „Trauer ist der Preis, den wir zahlen, wenn wir den Mut haben, andere zu lieben.“

Auf dem YouTube-Kanal des Erzbistums Berlin finden Sie die Aufzeichnung eines Trostkonzertes der Band Patchwork.
Weitere Informationen zur Band (darunter der Buchungskontakt): www.patchwork-band.com