Im Norden von Berlin bewirtschaften die Marienschwestern das Schönstatt-Zentrum Frohnau: ein Tagungs-, Begegnungs- und Rückzugsort für Gläubige und Pilger.
„Wir sind eine Oase der Ruhe am Rande dieser großen Weltstadt“, sagt Schwester Maria Blanka. Sie ist Oberin und Hausleiterin des Berliner Schönstatt- Zentrums und lebt seit 17 Jahren in Frohnau. Sie führt das große Haus mit Zimmern für Übernachtungsgäste. Auf dem großzügigen Gelände befindet sich auch ein Kapellchen, das sogenannte Heiligtum. Es ist der Gottesmutter geweiht. Die 72-jährige Schwester hält insgesamt die Fäden in der Hand und kümmert sich um alles Organisatorische, zum Beispiel um die Anmeldungen der Gäste, die im Haus übernachten oder Seminare besuchen.
Tatkräftig unterstützt wird sie von Schwester Maria Simona. Die 83-Jährige ist seit drei Jahren vor Ort. Sie kümmert sich um die Hauswirtschaft, den Blumenschmuck im Kapellchen, hält die Sakristei in Ordnung und besucht einmal in der Woche die Bewohner des Pflegeheims St. Franz-Jordan- Stift. Außerdem lebt seit einem dreiviertel Jahr Schwester Jacky-Ann in Frohnau. Die 57-Jährige kocht, organisiert Mädchenwochenenden und hält Kontakt zu den ausländischen Missionen in Berlin. Unterstützt werden die drei Schwestern von Mitarbeiterin Anja Wittstock und vielen Ehrenamtlichen.
Sehr lebendig und abwechslungsreich empfindet Schwester Maria Simona die Arbeit in Frohnau. „Das Heiligtum lebt, weil immer wieder Leute vorbeikommen, auch abends um 21 Uhr, wenn wir das Kapellchen eigentlich schon abschließen wollten“, erzählt sie. Ein junger Mann, der regelmäßig zum Beten vorbeikommt, meinte einmal zu ihr: „Das ist hier meine Kraftquelle.“ Im Kapellchen liegen Zettel aus, auf denen die Gäste Anliegen, Wünsche, Gedanken, Bitten und Sorgen formulieren können. Die Zettel werden anonym in einem Tonkrug gesammelt und regelmäßig verbrannt. „Wir beten für und mit den Menschen, wenn sie Sorgen haben“, erklärt Schwester Maria Blanka. Aber die Menschen kommen auch vorbei, wenn es Grund zur Freude gibt, wenn ein Kind geboren wurde, eine Operation gelungen ist. Sehr gern erinnern sich die Schwestern auch an die Hochzeit einer 78-Jährigen und eines 88-Jährigen im Kapellchen.
Im Schönstattzentrum Frohnau geht es sehr international zu. „Uns besuchen viele Menschen, die die Schönstattbewegung schon kennen und zu uns kommen, um eine geistliche Heimat zu finden.“ Einmal im Monat betet und feiert die polnische Mission auf dem Gelände, auch die portugiesische Mission trifft sich regelmäßig. Höhepunkt des Jahres ist der Internationale Tag der Begegnung. Im vergangenen Jahr waren rund 200 Menschen 18 verschiedener Nationen bei dem Fest dabei.
Jedes Schönstattzentrum muss sich selbst finanzieren. In Berlin funktioniert das über die Gästezimmer, die mit Frühstück gebucht werden können, durch die Vermietung von Tagungsräumen und über verschiedene Veranstaltungen. Sogar spontane Gäste klopfen manchmal an, zum Beispiel, weil sie ein Turnier auf dem Tennisplatz gegenüber besuchen. Da fallen dann auch mal Sätze wie: „Schwester, beten Sie, dass wir gewinnen!“
In diesem Jahr wird die Schönstätter Marienbewegung 100 Jahre alt. Auch die Schwestern aus Berlin sind stolz, dass aus kleinen Anfängen eine große internationale Bewegung geworden ist. „Ich wünsche uns, dass noch ganz viele diesen Ort entdecken und als Oase des Friedens wahrnehmen“, sagt Schwester Maria Blanka. Schwester Maria Simona ergänzt: „Das Kapellchen soll als Gnadenort erlebt werden, die Menschen sollen Hilfe durchs Gebet erfahren und spüren: Ich sitze hier und werde ruhig.“