Kreativität anspornen

Anja Wuttke-Neumann mit drei jungen Künstlern. Foto: Rocco Thiede

Eine katholische Kunstlehrerin aus dem Berliner Erzbistum resignierte aufgrund der Corona-bedingten Schulschließung nicht. Mit abwechslungsreichen Aufgaben machte sie ihre Schüler zu kleinen Künstlern.

„Nächstenliebe. Besonders in dieser Zeit. Dieses habe ich auch erfahren“, schrieb Danilo aus der sechsten Klasse als Bemerkung zu seinem Engel aus Holz und Stein. Die Aufgabenstellung seiner Kunstlehrerin lautete: „Macht einen Alltagsgegenstand zu einem Kunstwerk“.

Seine Kunstlehrerin ist Anja Wuttke-Neumann, zugleich Rektorin der katholischen Schule St. Hedwig in Petershagen bei Berlin. Die Schule ist in Trägerschaft des Berliner Erzbistums. Als ihre Schule wegen der Corona-Pandemie nicht mehr besucht werden durfte, begann sie, sich kreative Aufgaben für die verschiedenen Klassen einfallen zu lassen. Die Kinder der fünften Klasse wurden beispielsweise gebeten: „Macht eure Finger zu Kunstwerken. Bemalt diese zum Beispiel mit dem Kugelschreiber. Ihr könnt auch andere Stifte nehmen. Aber passt bitte auf. Ihr dürft danach nichts anfassen: Es färbt ab!“

„Meine lieben Künstler der dritten Klasse. Wir arbeiten im Moment am Thema Frühling. Stell dir vor, dass du durch das Schlüsselloch eurer Wohnungstür schaust. Was siehst du? Zeichne auf einem weißen Blatt ein großes Schlüsselloch und male, was du siehst. Arbeite mit Buntoder Filzstiften“, schrieb Wuttke- Neumann an ihre Schüler.

Ein anderes Mal forderte die Lehrerin ihre kleinen Künstler auf: „Beobachtet Vögel, die sich gerade ein Nest bauen.“ In der Woche darauf konnte sie den Acht- und Neunjährigen bestätigen: „Eure ‚Vögel im Nest‘ sind prima geworden! Ich habe mich sehr gefreut, dass mir so viele Kinder ihre Bilder geschickt haben! Überall blüht es jetzt. Habt ihr es auch schon gesehen? In dieser Woche könnt ihr versuchen, aus Dingen, die ihr in eurem Zimmer findet, eine Blume zu legen. Vielleicht ist ein Ball die Mitte und all eure Schuhe sind die Blütenblätter… Ihr könnt auch Spielzeug, Kuscheltiere, Stifte oder alles andere benutzen“. Die Schüler wurden dann aufgefordert Fotos zu machen und diese in den „Kunst-Ordner“ hochzuladen. Dort gibt es inzwischen eine Galerie, an der sich Kinder, Eltern und alle Freunde und Verwandten virtuell erfreuen können.

Viertklässler wurden im Rahmen des Kunstunterrichts gefragt: „Was würdet ihr am liebsten tun, wenn die Menschen sich wieder mehr sehen könnten? A: In der Schule zusammen lernen? B: Mit meinen Freunden Fußball spielen? C: Einen Verwandten besuchen D: Den Geburtstag mit Oma und Opa feiern?“. Dazu erhielten die Kinder Bildvorlagen des amerikanischen Künstlers Keith Haring und konnten mit Buntstiften, Farben und Pinsel ihr eigenes Gefühl-Bild in seinem Stil dazu malen.

„Corona führt zu vielen Einschränkungen im öffentlichen und persönlichen Leben – zum Glück leidet die Kreativität nicht, sondern wird eher angespornt. Auch unsere Kinder lassen sich in diesen Zeiten nicht unterkriegen und überraschen und erfreuen mit fantasievollen Kunstwerken“, erklärt Anja Wuttke-Neumann. „Hast du dein Bild schon in unserer Galerie gefunden?“, fragte die Kunstlehrerin immer am Schluss ihrer E-Mails.

Die vollständige Galerie