In Berlin haben sich musikbegeisterte Christen getroffen, um Christlicher Popularmusik im Erzbistum einen neuen Schub zu geben.
„Wie singt man das – halleluja oder hallaleluja?“, fragt die Chorleiterin nach dem Blick auf die frisch kopierten Noten für den folgenden Gottesdienst. Christoph Kießig macht es vor: „Hallalala-leluja“, sagt er und greift zur Gitarre, um es mit den richtigen Akkorden und einem mitreißenden Rhythmus zu begleiten.
Die Teilnehmer im Kreis hören gespannt zu und versuchen es gleich selbst. Kirchenmusiker, Chorleiter, Lehrer, Studenten und andere musikliebende Gemeindemitglieder sind versammelt. Sie alle sind neuen Musikformen gegenüber offen. Patricia Fügener setzt sich ans Klavier und begleitet sie. Die Lieder, über die an diesem Samstag beim „Neustart Zukunftsmusik“ in der St. Otto-Kirche in Berlin Zehlendorf gefachsimpelt wird, sind für die kirchliche Gemeindearbeit bestimmt, doch keine „Klassiker“ aus dem Gotteslob. Es geht um „NGL“, Neues Geistliches Lied, oder wie man heute sagt „Christliche Popularmusik“, Musik, die frischen Wind in Kirchen und Gemeindehäuser bringt, die den Glauben bei Festen von der Taufe bis zur Beerdigung lebensnah zum Ausdruck bringt, auch außerhalb kirchlicher Räume. In Berlin hört man sie seit ein paar Jahren auch auf einer eigenen Bühne bei der Fête de la musique oder bei der Vereidigung junger Polizisten.
„Die NGL-Bewegung entstand in den 1960er Jahren“, erklärt Christoph Kießig, der schon seit DDR-Zeiten als Frontmann und Texter der Band „Patchwork“ tätig ist. Bis heute sorgen er und viele Mitstreiter in allen Bistümern und evangelischen Landeskirchen dafür, dass neben klassischem Liedgut neue Stile, Instrumente, Melodien und Texte ins kirchliche Leben Eingang finden. In den Bistümern werden sie von den Jugendseelsorgeämtern und einzelnen Kirchenmusikern unterstützt. An der Stelle gäbe es noch Luft nach oben, meint Christoph Kießig. In Ost- und Westdeutschland findet man Unterschiede, etwa in der Verbreitung der Lobpreis-Musik, die derzeit bei jungen Christen angesagt ist. Auf Bundesebene hat sich kürzlich der „Verband für christliche Popularmusik in den Diözesen Deutschlands" VCPD gegründet, dessen Stellvertreter Christoph Kießig ist und der diese Art der Kirchenmusik fördern will. Durch Kießigs Mitarbeit auch in weiteren Fachgruppen hat er Überblick über das, was an christlicher Popularmusik in Deutschland „läuft“.
Das schätzen die Teilnehmer der „Zukunftsmusik-Veranstaltung“ in Berlin. In der Mitte ihres Stuhlkreises liegen „Songs“- Heftstapel mit Popularmusik der letzten Jahre. Alle können sich bedienen. Damit neue Lieder zu den Bands und Chören in die Gemeinden kommen, gab es in Ostdeutschland seit 1976 die jährliche Ausgabe der „Dreifaltigkeitshefte“, die mittlerweile für ganz Deutschland fortgeführt und heute als „Songs“ herausgegeben werden. Mindestens 20 neue Lieder, ausgewählt von einer Jury, erscheinen darin jedes Jahr. In vielen Gemeinden werden sie gespannt erwartet, wie eine Teilnehmerin in der St. Otto-Kirche erzählte.
„Wo bekomme ich den Satz für vierstimmigen Chor her?“, fragt sie, ein anderer sucht Noten für seine Bläser. Daran würde gearbeitet, erklärt Christoph Kießig. Den Machern der „Songs“- Hefte schwebt vor, diese mit QR-Codes zu versehen und so zu digitalisieren, dass man sich alle Stimmen runterladen kann. „Das wäre die Zukunft!“, sinniert Kießig. Doch es stellt sich immer die Frage nach personellen und finanziellen Ressourcen für die Arbeit an den Heften. In zwei Jahren soll das 50-jährige Erscheinen der „Songs“ gefeiert werden.
Schon länger kann man sich Videos mit christlicher Popularmusik auf Youtube anhören. Ekna aus Berlin-Lichtenberg hat selbst schon zwei ihrer Songs auf Spotify und Youtube hochgeladen. Sie möchte ihre Musik, nicht nur christliche, gern vielen Menschen zugängig machen. Für das letzte „Songs“-Heft hatte Ekna erstmals zwei Titel eingereicht. Sie haben es nicht in die Ausgabe geschafft, da es viel mehr Bewerbungen als Platz gab. Doch Christoph Kießig fordert die Teilnehmer auf, Musiker anzusprechen, die neue Texte oder Lieder veröffentlichen wollen. „Ich lasse mich nicht entmutigen und versuche es wieder“, sagt Ekna, bevor sie wieder zur Probe für den abendlichen Gottesdienst geht. Zusammen Freude am Musizieren zu haben, war wichtiges Anliegen des Nachmittags. Mit diesem Schwung können die neuen Lieder in den Gemeinden ankommen.