„Mama, hier ist ja ein Fest!“Bei der Familienwallfahrt versammeln sich „alle um einen Tisch“

Zum ersten Mal „um einen Tisch“ versammeln sich die Fußwallfahrer bei einer Station im Wald.

In der Predigt blickte Erzbischof Heiner Koch mit den Kindern zusammen auf das Wesen der Blumen. Fotos: Cornelia Klaebe

Alt-Buchhorst. Unter dem Motto „Alle um einen Tisch“ versammelten sich am 10. Juli Familien und Alleinstehende rund um das Christian-Schreiber- Haus in Alt-Buchhorst. Einige waren von Erkner aus zu Fuß oder mit dem Fahrrad gekommen.

„Hier sind Mücken!“ Ein Schrei gellt durch den Wald zwischen Erkner und Grünheide. An der ersten Station des Wallfahrtswegs, dem „Integrations-Tisch“ haben die 25 Fußwallfahrer Halt gemacht, um sich Gedanken darüber zu machen, wie man es schafft, dass alle dazugehören. Und um den blutsaugenden Insekten einen ruhigen Landeplatz zu bieten.

Gemeinschaft funktioniert: Mückenspray für alle

Hier, irgendwo im Nirgendwo, zeigt sich zum ersten Mal an diesem Tag, dass es sich tatsächlich um eine Gemeinschaft handelt: Einige Mütter ziehen sofort das Abwehrspray aus dem gewohnt gut ausgestatteten Rucksack und versorgen nicht nur die eigenen Kinder, sondern auch bisher unbekannte Alleinstehende, die an so etwas nicht gedacht haben. Bettina Grünwald ist eine der Mütter. Mit ihren zwei Kindern ist die Frau aus der Gemeinde Corpus Christi in Berlin-Prenzlauer Berg zum ersten Mal bei der Familienwallfahrt dabei. „Ich habe von einer Freundin gehört, dass es schön ist“, sagt sie. Und: „Mein Mann fährt mit dem Auto direkt nach Alt-Buchhorst, damit wir nachher zurückfahren können.“ Sohn Thilo, neun, freut sich am meisten auf den See: „Ich habe ja schon Silber.“ Auch Andrea Holzgräbe ist aus Corpus Christi und zum ersten Mal dabei: „Ich wollte die Gemeinschaft erleben und ein wenig für den Jakobsweg trainieren, von dem ich bald ein Stück laufen werde“, sagt die Erzieherin. 7,3 Kilometer gibt der Flyer für den Wallfahrtsweg an, den die Fußgänger um neun und die Radfahrer um zehn am S-Bahnhof Erkner begonnen haben. Mit Stationen unterwegs dauert es bis zum Beginn der Messe um 11.15 Uhr, bis die Fußgänger Alt-Buchhorst erreichen. Die elfjährigen Mädchen lassen sich zwischendurch ein Stück vom Malteser-Bus mitnehmen, während die anderen tapfer laufen. „Mama, hier ist ja ein Fest!“, ruft Thilo, als beim Erreichen des Christian-Schreiber-Hauses die Stände und das bunte Treiben sichtbar werden. Tatsächlich sind schon Hunderte versammelt. Gemeinsam mit Mutter und Schwester stürzt Thilo sich ins Getümmel.

Von falschen Rosen und neuen Spielplätzen

In der Messe zeigt sich dann, dass Erzbischof Heiner Koch einen Draht zu Kindern hat – und zur Natur. „Was könnt ihr mir über diese Blume sagen?“, fragt er die Kleinen, die zu ihm nach vorne kommen. „Es ist eine Rose“, sagt ein Mädchen ins Mikro. „Sie ist nicht echt“, ergänzt ein Junge. Gelächter bei den Erwachsenen. Genauso fröhlich geht der Tag weiter: Die Kinder können es kaum abwarten, bis der Erzbischof den neuen Spielplatz auf dem Wassergrundstück gesegnet hat und nehmen ihn dann sofort in Beschlag. Die Älteren spielen eher auf dem Fußballfeld als auf dem Klettergerüst. Aufgegangen ist auch das Konzept der „großen Tische“: Tatsächlich treffen sich an einigen von ihnen vormals Fremde und teilen miteinander das mitgebrachte Picknick und ein Stück ihrer Geschichte.

Bei Nightfever, „Koch-Show“ und einem Konzert des Unity Gospel Chors Pankow vergeht der Nachmittag wie im Flug.