Grünheide. „Heute schon geküsst“ steht im Programm der Familienwallfahrt als Überschrift über der „Talkshow mit Erzbischof Heiner Koch zur Familiensynode“. Tatsächlich ist es ein buntes, amüsantes Gespräch, das offizielle mit privaten Themen mischt.
Ein bisschen mutete es an wie „Wer wird Millionär“ bei der Publikumsfrage, wenn Christoph Kießig bei der Talk-Show mit Erzbischof Heiner Koch das Wissen der Zuschauer testete: Was konnten sie nach einem Jahr über ihren neuen Bischof sagen? Abgestimmt wurde durch Aufstehen von den Bänken am Rand des neuen Fußballfelds auf dem Wassergrundstück des Christian- Schreiber-Hauses: Hat der Erzbischof eigentlich Geschwister? Welchem Jugendverband gehörte er an? Und welche besondere Verbindung hat er nach Irland?
Ein Titularbistum auf der grünen Insel
In den Auflösungen erfuhren die Wallfahrer so manches Detail aus dem Leben ihres Hirten: Dass seine Schwester zwar 13 Jahre älter ist, aber jünger aussieht, dass er der Katholischen jungen Gemeinde angehörte und als Kölner Weihbischof ein Titularbistum in Roscrea auf der grünen Insel hatte. Besonders die Schüler fanden wohl interessant, dass der Erzbischof – abhängig von den konkreten Terminen – meistens gegen halb sieben aufsteht, müssen die meisten von ihnen doch früher das Bett verlassen. Nachdem sie dem Erzbischof rund um das Gelände versteckte Wecker gesucht und gebracht hatten, wurde es zum ersten Mal ernst.
„Wo muss die Kirche ihren Wecker stellen?“, fragte Kießig, und der Erzbischof erhielt Applaus für die Antwort, dass ein stärkerer Akzent auf junge Familien gesetzt werden müsse. Dabei ging es ihm sowohl um die Kindertagesstätten als auch um junge Menschen, die bereits auf dem Weg zur Familiengründung besser begleitet werden müssten. „Wir müssen auch begleiten, wenn‘s schwer wird“, rief Erzbischof Koch aus und dachte beispielsweise an die 100 000 Alleinerziehenden in Berlin und an die Flüchtlingsfamilien.
Weiter ging es mit dem Wallfahrtsmotto „Alle um einen Tisch“ und den Tischen des Erzbischofs: In seiner Kindheit habe sich vieles um den heimischen Küchentisch abgespielt, plauderte er, heute sei es sein Schreibtisch, an dem er die meiste Zeit verbringe. Als die Kinder ihm pantomimisch Tische darstellten, erriet Koch Schreibtisch und Biertisch noch ohne Probleme, beim OP-Tisch wurde es schon schwieriger, und bri-tisch und hek-tisch waren dann einfach um eine Ecke zu viel gedacht, um sie auf diese Weise zu erraten.
Um Tische geht es auch dem Papst: Wenn beim gemeinsamen Essen jemand mit dem Mobiltelefon spiele, sei das nicht gut, mahnte er im Schreiben Amoris Laetitia. Mit dem Handy weiß der Erzbischof ebenfalls umzugehen, und seinen Klingelton kennen nach einem Anruf von Christoph Kießig die Wallfahrer jetzt auch: Glockengeläut, leider noch nicht von der St.-Hedwigs-Kathedrale, macht ihn auf eingehende Gespräche aufmerksam. Auch das mobile Internet beherrscht er: Den Trailer zur Familienwallfahrt von der Homepage des Erzbistums konnte er schneller öffnen als das Publikum. Überhaupt funktioniere die Kommunikation im Erzbistum: „Der Gerüchtefunk läuft sehr gut“, schmunzelte Koch und lobte auch die Arbeit der Pressestelle.
„Wenn ich tapeziere, ist das abstrakte Kunst“
In einem letzten Themenblock mahnte der Erzbischof: „Die kleinen Details machen die Liebe aus“, so habe auch er selbst schon als kleines Kind zuhause geholfen und den Tisch abgeräumt. Seine häuslichen Fähigkeiten schätzt er unterschiedlich ein: „Meine Rühreier sind bekannt“, erklärte er genauso überzeugt wie „Wenn ich tapeziere, ist das eher abstrakte Kunst“. Bewiesen hat er, dass er auch hämmern kann: Während das Publikum die erste Strophe von „Großer Gott, wir loben dich“ sang, schlug er acht große Nägel in einen Baumstumpf ein.
Als wichtigste Themen des Erzbistums nannte der Erzbischof nach seinem ersten Jahr: die Pastoralen Räume und die Frage „Wie erreichen wir die, die wir nicht erreichen?“, die Zukunft der St.- Hedwigs-Kathedrale sowie die Theologie an den Hochschulen. Zum Abschluss hatte Christoph Kießig noch eine Überraschung für den Erzbischof: Er überreichte ein Heft mit den Daten von 40 Familien, die ihn zum Essen an ihren heimischen Tisch einladen.