„Mir geht es hier so wunderbar“

Foto: Walter Plümpe

60 Länder hat er in seinem langen Leben bereist, auch Japan und die Mongolei. „1000 Höhepunkte habe ich erlebt“, blickt Pfarrer Erwin Probst dankbar zurück. Am 6. März feiert der älteste Pfarrer im Erzbistum seinen 95. Geburtstag.

Täglich absolviert der emeritierte Pfarrer Erwin Probst genau 600 Trainings-Übungen, in drei Einheiten
über den Tag verteilt. Er hat seinen Stammplatz in der ersten Reihe der Kirche St. Josef für die tägliche 7.30 Uhr-Messe, benutzt am meisten ein Wort: „wunderbar“. Dabei könnte er auch klagen. Über seinen vorzeitig beendeten Schulbesuch – vier Jahre Wehrdienst für Hitler; „ich habe nie Abitur gemacht“ –, über seinen Kriegsdienst als Funker, über harte Nachkriegsjahre.

Einen Herzenswunsch des Vaters erfüllt

Nein, Pfarrer Probst skizziert lieber aus den „1000 Höhepunkten“ seines Lebens. Zweimal wurde er vor Hitlers Ost-Feldzug bewahrt, wegen erfrorenen Händen. Statt russischer Kriegsgefangenschaft erlebte er eine „Übernahme“ durch die Amerikaner. 21 Jugendgruppen hatte er als Kaplan an St. Antonius in Berlin-
Schöneweide. Als letztes von sechs Kindern seiner Eltern in Königshütte/ Schlesien geboren, aufgewachsen in Neisse, reifte in ihm schon früh der Wunsch, Priester zu werden. Bis zuletzt hat er diesen
Wunsch geheim gehalten, nicht wissend, dass er einen Herzenswunsch seines Vaters erfüllte. Ob er heute diesen Weg wieder einschlagen würde?

„Aber ja“, ist seine spontane Antwort. Zusammen mit weiteren zwölf Kandidaten wurde er 1949 in Neuzelle geweiht. Kaplan war er in St. Antonius in Schöneweide, in St. Peter und Paul in Eberswalde und in St. Antonius in Babelsberg. 17 Jahre war er Pfarrer von Heilig Kreuz in Wittstock, 15 Jahre Pfarrer von St. Augustinus in Berlin-Prenzlauer Berg. Daran schlossen sich noch zehn Jahre Gefangenen-Seelsorge in Tegel an. Elf Jahre – bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1992 – leitete er das Päpstliche Werk für geistliche Berufe. Ruhestand? Auch heute noch ein Fremdwort für Pfarrer Probst, den ältesten Priester im Erzbistum. Erst ein Schlaganfall zwang ihn vor sechs Jahren in den Rollstuhl und ins St. Josef-Heim in Prenzlauer Berg. Zeit für Lektüre – zur Zeit eine Biografie über Hilde Domin und Reiseberichte –, Zeit für Tageszeitungen, auch schlesische, und immer wieder Zeit zum Beten prägen seinen Tag.

Verbunden mit der Gegenwart

Regelmäßige Besuche seiner ehemaligen Haushälterin Heidi Gojdka und ehemaliger Gemeindemitglieder
halten ihn auf dem Laufenden – wie auch die Lektüre des TAG DES HERRN. Seinem 65. Priesterjubiläum vor drei Jahren gab Pfarrer Probst einen besonderen Akzent. Als Festprediger hatte er dazu den damals jüngsten Priester des Erzbistums eingeladen: Zeichen für seine Verbundenheit mit der Gegenwart und
seine Hoffnung auf die Zukunft. Auf die Frage nach Wünschen für Geschenke antwortet der Jubilar:
„Ich habe doch alles; mir geht es hier so wunderbar.“

Zur Sache

Eingeladen zum Festgottesdienst
Zum Festgottesdienst am 6. März, 18 Uhr in St. Augustinus (Dänenstraße 17/18, Berlin-Prenzlauer Berg), sind alle herzlich eingeladen. Der Jubilar zelebriert selbst. Es singt der Kirchenchor unter Leitung von Christine Hanke-Bleidorn. Anschließend ist ein Empfang im Gemeindesaal, vorbereitet von der Kolpingsfamilie, deren Ehrenpräses Pfarrer Probst ist. Anstelle von persönlichen Geschenken sind Spenden zugunsten der Vergoldung des Turmkreuzes möglich – ein Projekt des Kirchbauvereins.