Zum zweiten Mal luden die Initiative 1219 und das Kathedralforum zu einem interreligiösen Frühstück ein. Wieder dabei war Professor Chibueze Udeani aus Würzburg, der über Mission und den Dialog der Religionen sprach.
Brötchen und Kaffee, Wurst, Käse und Marmelade und die kleinen runden Tische des Kathedralforums
bildeten den äußeren Rahmen für ein globales Thema: Über den Dialog der Religionen sprach beim zweiten interreligiösen Frühstück Chibueze Udeani, der an der Universität Würzburg eine Professur für Missionswissenschaft und Dialog der Religionen innehat.
Gleich zu Beginn stellte der gebürtige Nigerianer die These auf: „Mission muss im 21. Jahrhundert neu bedacht werden.“ Die Gesellschaft pluralisiere sich, werde vielfach unübersichtlicher. Daher stelle sich die Frage: Wie reagieren wir auf andere Religionen? Was ist mit dem Missionsbefehl Jesu? Und sind Allah, Ganesha und Adonai am Ende der gleiche Gott? Udeani legte Wert auf eine globale Perspektive: „Die Mehrheit der Christen lebt nicht mehr in Europa.“ Auch die Mehrheit der Muslime lebe mittlerweile in Indonesien. Die umfassende Säkularisierung habe zu einer Pluralisierung des religiösen Lebens und gleichzeitiger Distanzierung von den Institutionen geführt.
Nachfragen, Stellung beziehen, deuten
In der Geschichte sei Mission Sendung im klassichen Wortsinn gewesen: Die Apostel trugen zur Verbreitung des Christentums in Europa bei, die europäischen Missionare richteten ihre Bemühungen
auf die Länder des fernen Ostens und in der Welt. „Damals war der Monolog die angemessene Form“, erklärte Udeani.
Es sei nur marginal notwendig gewesen, kulturelle Hintergründe zu kennen. Durch das veränderte Kommunikationsgeschehen im 21. Jahrhundert sei es heutzutage aber notwendig, in den Dialog zu treten. Der Dialog sei dabei nicht nur ein taktisches Instrument, sondern resultiere aus einem gegenseitigen Verständigungsinteresse ebenbürtiger Partner, so Udeani, die von sich mitteilen und vom anderen empfangen. Oder im Klartext: „Wenn ich einen Muslim in mein Selbstverständnis als Christ einführe, muss ich auch Interesse an seinem Selbstverständnis haben.“
Als weiterer Schritt sei es nötig, nachzufragen, Stellung zu beziehen und zu deuten: „Wenn ich mir eine Meinung gebildet habe, muss ich eine Rückmeldung geben. Sonst werden die bestehenden Stereotype verstärkt“, erklärte Udeani. Wenn die Gesprächspartner einander sagten: So habe ich es verstanden – ist es so gemeint?, würden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. Ebenfalls wichtig sei, die eigenen Akzeptanzgrenzen anzuerkennen und zu thematisieren: „Ein ‚Wir müssen uns alle lieb haben‘ wird nicht funktionieren.“
Das führe nur zu Überforderungen. Wert legte Udeani abschließend darauf, die christliche Mission expressiv zu gestalten: Der Christ solle erzählen, was ihn glauben, lieben und hoffen lässt – ohne den Anspruch, dass der andere es als eigenes annehmen muss: „Wir erzählen vom Evangelium und nehmen Anteil am Leben anderer.“ Es sei eine Herausforderung „im Wagnis, den Ausgang des Dialogs einem anderen zu überlassen.“