Erstmalig gibt es Erzbischof Heiner Kochs Hirtenwort auch in Einfacher Sprache. Schwester Monika Ballani hat den Text für Leser mit Lernbeeinträchtigungen oder geringen Deutschkenntnissen übersetzt.
Bereits im vergangenen Jahr hat Monika Ballani einen Auszug des Fastenhirtenwortes von Erzbischof Heiner Koch in Einfache Sprache übertragen. „Seine Aufforderung, zum Fronleichnamsfest Steine für den künftigen Altar der Sankt Hedwigs-Kathedrale mitzubringen, hat die Empfänger in einer Übersetzung erreicht, gestaltet als persönlicher Brief des Erzbischofs“, berichtet die Ordensfrau aus der Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern. Als Referentin im Erzbistum hat sie seit 14 Jahren die Seelsorge für Menschen mit Behinderungen im Blick.
Zu ihren Anliegen gehört dabei, die christliche Botschaft so auszudrücken, dass möglichst viele Menschen sie verstehen. „Auch dem Erzbischof liegt es sehr am Herzen, so über die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes zu sprechen, dass er seine Adressaten damit auch erreicht“, weiß Monika Ballani.
Im vergangenen Jahr gab es einige positive Reaktionen auf seinen Brief in Einfacher Sprache. „Das müsste es öfter geben“, schrieb zum Beispiel die Mutter einer jungen Frau, die Lernschwierigkeiten hat. „Meine Tochter konnte das alles selber lesen und verstehen.“ Viele Behinderte hatten bei der Fronleichnamsprozession Steine im Gespäck. „Ich gehe also davon aus, dass sie den Inhalt des Briefes erfasst haben, auch wenn sie nicht darauf geantwortet haben“, sagt die Referentin.
Das aktuelle Fastenhirtenwort widmet sich einem abstrakteren Thema, dem Klimawandel und der christlichen Verantwortung für die Schöpfung. Komplexe Gedankengänge des Erzbischofs in Einfache Sprache zu übertragen, war für die Übersetzerin zeitaufwendig und keinesfalls einfach. Ihre Motivation liegt nicht nur in der christlichen Überzeugung, dass Gott niemanden von seiner Liebe ausschließt. Sie sieht die Kirche auch gegenüber der Gesellschaft in der Pflicht, alle Menschen mitzunehmen. „Als Körperschaft öffentlichen Rechts sind wir dazu verpflichtet, die Vorgaben der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen umzusetzen“, betont sie.
Kurze Sätze, Bilder und Verständlichkeits-Prüfer
In etlichen größeren Städten gibt es auf Grundlage dieser Konvention inzwischen Übersetzungsbüros, die Gesetzestexte, Behörden- Wegweiser, Wahlunterlagen, aber auch literarische Texte nach vereinbarten Regeln in „Leichte Sprache“ übertragen. Im Auftrag des Katholischen Bibelwerks Stuttgart sind inzwischen sogar die Evangelien in Leichte Sprache übersetzt worden. Zu den Anforderungen gehört unter anderem, kurze Sätze und eine größere Schrift zu verwenden, Gedankengänge klar und geradlinig zu entfalten, Fremdwörter zu vermeiden oder aber zu erklären und das Geschriebene mit Bildern oder Piktogrammen zu veranschaulichen. Die Büros beziehen Behinderte ein, die Texte auf ihre Verständlichkeit überprüfen und geeignete Bilder auszuwählen. „In Berlin ist mir bisher kein Übersetzungsbüro bekannt, das über Kompetenz für kirchliche Themen verfügt“, bedauert Monika Ballani. Eine gelungene Übersetzung sei ohne Grundverständnis für ein Thema aber nicht möglich.
Dass die Büros in der Regel einen Vorlauf von drei bis sechs Monaten bis zur Fertigstellung einer Übersetzung benötigen, sei ein weiterer Grund, diese Dienstleister für ein Hirtenwort nicht in Anspruch zu nehmen. Für den selbst übersetzten Text darf sie das Signet „Leichte Sprache“ nicht nutzen. Da sie sich aber an den wichtigsten Grundsätzen orientiert hat, ist ihre Übersetzung ein Beispiel für „Einfache Sprache.“
Heiner Kochs abschließende Grußformel im Hirtenwort liest sich in ihrer Textfassung zum Beispiel so: „Bald feiern wir Ostern. Ich wünsche Ihnen eine gute Vorbereitung auf Ostern. Ich wünsche Ihnen, dass Sie erleben: Gott ist da. Gott schenkt Kraft für unser Leben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das in der Natur spüren. Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Zeit.“ Im Originaltext heißt es an gleicher Stelle: „Von Herzen wünsche ich uns allen eine gesegnete Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest, in der wir Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde, in und mit seiner Schöpfung und in unserer Kirche als Kraftquelle für unser Leben erfahren.“
„Ein Feld, auf dem wir noch wachsen können“
Das Hirtenwort in Einfacher Sprache wurde per E-Mail an alle Pastoralen Räume, an Behinderteneinrichtungen und an alle Seelsorger für Behinderte geschickt. Es ist auch auf der Internetseite des Erzbistums www.erzbistumberlin.de abrufbar.
Nicht nur Menschen mit besonderem Förderbedarf profitieren von Texten in Leichter oder Einfacher Sprache, weiß Monika Ballani. Auch für Kinder und für Flüchtlinge, die bei ihrem Deutschkurs noch am Anfang stehen, sind die Übersetzungen hilfreich, wegen der höheren Schriftgröße auch für Sehbehinderte.
Die Ordensschwester sieht Einfache oder Leichte Sprache als „Feld, auf dem wir als Kirche noch wachsen können, auch wenn wir vielleicht nur in kleinen Schritten vorankommen.“ Wer sich zutraut, beim Übersetzen von Bischofsworten oder anderer Texte über Glaubensthemen mitzuhelfen, kann sich bei Schwester Monika Ballani melden, E-Mail monika.ballani(ät)erzbistumberlin.de