Mutmacher am Bahnhof

Axel Behling wurde im April für sein ehrenamtliches Engagement bei der Bahnhofsmission mit dem silbernen Ehrenzeichen des Deutschen Caritasverbandes ausgezeichnet. Foto: Thomas Marin

Ein freundliches Wort, eine helfende Hand – Axel Behling erkennt meistens schnell, was sein Gegenüber braucht. Der 56-Jährige engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich ei der Bahnhofsmission am Berliner Hauptbahnhof. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das behauptet nicht nur das alte Sprichwort, das haben viele schon selbst erfahren. Mitunter ist das zu Erzählende aber auch belastend. Am Berliner Hauptbahnhof ist so etwas täglich zu beobachten. Körperliche Einschränkungen machen die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig zum schier unüberwindlichen Hindernis, verpasste Anschlüsse werden zum Drama, gestohlenes Gepäck oder verlorene Fahrkarten können verzweifeln lassen.

Hilfe findet sich in den blauen Westen der Bahnhofsmission. In einer davon steckt Axel Behling. Seit zwölf Jahren hilft, begleitet, berät er nicht nur Reisende in Notlagen aller Art. Große Bahnhöfe sind auch immer Anlaufpunkte für Stadtarme, Wohnungslose und Suchtkranke. Mit kurz aufflammendem Mitleid kommt man da nicht weit. Ein hohes Maß an Sensibilität und sozialer Kompetenz, Toleranz und eigener seelischer Stabilität wird für den Dienst bei der Bahnhofsmission gebraucht. Alle diese Eigenschaften bescheinigt Leiterin Annette Meyns dem 56-jährigen Ehrenamtlichen.

Für Axel Behling geht es vor allem um die persönliche Zuwendung, das Kümmern um den Menschen, wie er da gerade auf dem Bahnhof ankommt. Und mit der Hilfe vor Ort endet Behlings Interesse am Menschen nicht. Er erinnert sich an eine Familie aus dem Ausland, die auf dem Hauptbahnhof gestrandet war. Mit Geduld und Kreativität konnte er sie weitervermitteln. „In Berlin war es schwierig, aber ich habe einen Platz für sie in Halle finden können“, erzählt er. Später hat er sich versichert, dass es der Familie dort gut geht. „Das hat mich wirklich gefreut.“

Seinen ehrenamtlichen Dienst hat Axel Behling 2014 bei der Bahnhofsmission am Ostbahnhof begonnen, später kam er über einen Bundesfreiwilligendienst an den Hauptbahnhof. Seine fachliche Qualifikation und seine Geduld machen ihn für Annette Meyns zu einem der wichtigsten Mitarbeiter, etwa in der Einarbeitung neuer Ehrenamtler und Praktikanten. Dass auf dem Titelblatt der Leitbildbroschüre der deutschen Bahnhofsmissionen ausgerechnet Axel Behling im Gespräch mit einer Reisenden zu sehen ist, hält sie keineswegs für einen Zufall.

„Für mich ist dieses Ehrenamt ein Ausgleich zum Alltag“, sagt Behling. Dabei ist dieser Alltag als alleinerziehender Vater zweier betreuungsbedürftiger Kinder an sich schon fordernd genug. Mit Herz und Humor nimmt er dennoch immer wieder neue Herausforderungen an. So ist er seit Kurzem offizieller „Mutmacher am Bahnhof“. Eine besondere psychosoziale Ausbildung unter diesem Titel, getragen von der Deutsche Bahn Stiftung, hat er ein Jahr lang absolviert. Verwirrten und psychisch belasteten Personen will er auf diese Weise noch besser begegnen, Nöte auffangen, zuhören und in Konflikten deeskalieren.

Strategisches Denken, eigenständiges Arbeiten und der nachhaltige Einsatz für Schutzbedürftige lassen ihn aktuell an einem Projekt für obdachlose Männer unter 30 Jahren arbeiten. Aber auch regelmäßige Kinderfahrten im Mobilitätsservice der Bahnhofsmission zeigen die Bandbreite und Verlässlichkeit seines Engagements, für das Axel Behling im April mit dem silbernen Ehrenzeichen des Deutschen Caritasverbandes ausgezeichnet wurde.