Mutmachgeschichten im Rathaus

Youssef ist der jüngste Flüchtling, der in der Fotoausstellung zu sehen ist. Der Junge, hier vor seinem eigenen Bild, hat große Pläne für seine Zukunft in Deutschland. Foto: Walter Plümpe

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst wirbt mit einer Ausstellung im Berliner Stadtteil Charlottenburg dafür, zuversichtlich zu bleiben. Großformatige Fotos zeigen gelungene Integrationsgeschichten.

Zehn beeindruckende Lebensgeschichten zeigen, wie Menschen trotz Krieg und Flucht neue Hoffnung fanden. Im Rathaus von Charlottenburg (Otto-Suhr-Allee 100, Berlin) dokumentieren großformatige Fotografien und Interviews bis zum 25. September den Weg der Integration und die Kraft der inneren Stärke der zehn Porträtierten. Stefan Keßler, Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) in Deutschland, fasst es so zusammen: „Ein Plädoyer für Zuversicht und gesellschaftliches Miteinander.“

Das gilt auch für den jungen Youssef. Als Dreijähriger floh er mit seinen Eltern von Ägypten nach Deutschland. „Das JRSTeam ermutigte meine Eltern, mich auf ein Gymnasium zu schicken.“ Der fleißige Leser genießt es, zur Schule zu gehen, Gottesdienste zu besuchen und danach Fußball zu spielen. „Ich mag Mathematik sehr und möchte Kardiologe werden.“

Eine von zehn Mutmachgeschichten von Menschen, die trotz widriger Umstände nicht verzweifelt sind, betonte Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch bei der Eröffnung. Für Cem Gömüsay, Beauftragter für Partizipation und Integration, sind die Lebensgeschichten Beispiele für Menschen, die in Würde leben wollen und große Herausforderungen meistern. Stefan Keßler sagt: „Wir wollen Menschen nicht nur als bemitleidenswerte Opfer zeigen, sondern als Persönlichkeiten, die Stärken, Fähigkeiten und Resilienz mitbringen.“

Dass Migranten vor allem Personen mit Gesichtern, Namen und Geschichten sind, zeigt auch Shahid. 2015 ist er aus Pakistan nach Berlin gekommen. „Mein christlicher Glaube war der Grund für meine Ausreise. Er hat mich auf diesem Weg treu begleitet und mir geholfen, in der großen und fremden Stadt Fuß zu fassen und mich zu integrieren.“ Dank der Härtefall-Kommission hat er einen Aufenthaltstitel erhalten und in der katholischen Gemeinde St. Canisius ein neues Zuhause und viele Freunde gefunden. „Außerdem bin ich dort Ministrant geworden. Es bedeutet mir sehr viel; das ist mein Dienst.“ Die Ausstellung „Habt Mut! Gebt nicht auf!“ porträtiert Menschen, die Hoffnung und Zuversicht leben.