Niemand wird vergessen

Die Frauen vom Verein „femia“ hatten Freude beim Päckchenpacken der Caritas. Die Aktion war ihr Weihnachtsprojekt. Foto: Andrea von Fournier

Bei einer großen Weihnachtspäckchenaktion in der Caritas-Zentrale halfen Berliner, über die Caritas fast 5000 Weihnachtsgrüße für bedürftige Menschen zu finanzieren und packen.

Im Saal wuselt es an großen Tischen. Glühwein duftet, es wird fröhlich erzählt und nach diversen Dingen gerufen: „Ich brauche noch ein Shampoo!“ oder „Habt ihr noch eine Kinderkarte?“ Fleißige Hände packen und verzieren massenhaft Tüten. Auch zum diesjährigen Weihnachtsfest hat youngcaritas Berlin die Aktion gestartet, die schon vergangenes Jahr erfolgreich war: das Packen von Päckchen für Bedürftige und Betagte.

Den Mitmenschen, die es schwer haben, ein frohes Fest zu feiern, will die Caritas eine Freude bereiten. Letztes Jahr erreichte 3500 Adressaten ein individueller Gruß – mithilfe von privaten und Firmen-Spenden, Öffentlichkeitsarbeit und Heerscharen freiwilliger Berliner. In diesem Jahr waren bereits 4800 Empfänger auf den Listen der Caritas-Mitarbeiter und ihrer Helfer verzeichnet. „Unser Weihnachtsteam, etwa ein halbes Dutzend Mitstreiter, startete mit einem halben Jahr Vorlauf“, so Theresa Hentschel- Boese vom Team Ehrenamt des Berliner Caritasverbands.

Das Weihnachts-Team hatte so viele Freiwillige und Material mobilisiert, dass sie in der Woche zwischen dem ersten und zweiten Advent fünf Tage lang konzentriert 4800 Päckchen packen konnten. Genau genommen waren es Tüten mit individuellen Inhalten. Die Akteure hatten die genauen Bedarfe der Zielgruppen in Listen erfasst. So konnten sie für alle Süßes, für Kinder etwas zum Spielen, Lesen oder Handschuhe, für Erwachsene Hygieneartikel, Socken, Rätselhefte und ähnliches einpacken. Außerdem bekam jeder einen persönlichen Gruß in seine Tüte, geschrieben oder gemalt von Kita- und Schulkindern, den Rotariern oder freiwilligen Helfern.

Fast generalstabsmäßig lief die Einweisung der täglich 35 Ehrenamtler im Vortrupp ab, die das Material nach Listen mit Ort und Alter der Beschenkten sortierten. Ähnlich lief es beim ebenso großen Einpack-Trupp danach. Mancher kam zwei oder drei Tage, viele einmal, sie waren neu oder kannten die Aktion bereits. Wie Svea aus Marzahn, die 2024 schon geholfen hatte und nun Mats aus dem Prenzlauer Berg mitbrachte: „Ist doch schön, wenn man jemandem ’ne Freude machen kann“, fand er. „Und mal zu Hause rauskommt“, fügte Svea lachend an.

Es mangelte weder an Leuten, die gerne Päckchen empfangen wollten, noch an Freiwilligen, die sie packten. Eine Seniorin aus Charlottenburg hatte von der Aktion gelesen: „Ich komme aus Neugier. Mal sehen, was mich erwartet“, sagte sie heiter und wurde zügig am nächsten Tisch eingewiesen. Das Weihnachts-Team zeigte ihr die Liste mit dem gewünschten Inhalt der Päckchen. Zwei Frauen gegenüber legten Grüße dazu und verschlossen die Tüten. An einem anderen Tisch hatten Frauen von „femia“ sichtlich Freude am gemeinsamen Packen. Der multikulturelle Spandauer Verein suchte nach einem sinnvollen Projekt, an dem er sich zu Weihnachten beteiligen konnte. Theresa Hentschel-Boese war zufrieden, dass sich die viele Vorarbeit gelohnt hat. Einsame Senioren, Obdachlose, Migranten, Familien und Kinder in Armut oder von Gewalt betroffene Frauen, die in Einrichtungen der Caritas leben, können sich nun über die Päckchen freuen.

„Endlich ist mein Schleifenband ordentlich gekringelt. Damit!“, meinte die Charlottenburger Seniorin am Schluss und zog vergnügt ihr kleines Taschenmesser aus der Brusttasche.