Ökumenische Kiezarbeit

Viel Beifall: „Applaudiert euch doch mal gegenseitig, dafür, dass ihr alle gekommen seid“, sagt Fernando Enns zum Beginn seiner Predigt. Später applaudieren alle Mirjam Ekelmann (rechts) und der Baptistengemeinde für ihre Arbeit im Weddinger Kiez. Foto: Michael Burkner

Gastgeber und Preisträger: Der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg betet in der Baptistenkirche Wedding für die Einheit der Christen und ehrt die Gemeinde mit dem Ökumenepreis 2025. Mit ihrer sozialen Arbeit im Brennpunktbezirk engagieren sich die Baptisten für die Menschen ihrer Nachbarschaft – über Grenzen von Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen hinweg.

Am Ende ist das eine Volk Gottes doch größer als erwartet. Graue Stühle werden eiligst herausgeholt, damit auch wirklich jeder einen Sitzplatz bekommt. Prall gefüllt ist die Kirche der baptistischen Gemeinde in Berlin-Wedding, als der ökumenische Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen schließlich mit einer kleinen Verspätung beginnt. Das Datum, der 21. Januar ist kein Zufall: Auf den Tag genau vor 500 Jahren fand in Zürich die erste Gläubigentaufe statt – es ist die Geburtsstunde der Täuferbewegung. Diese hatte sich von anderen Zweigen der Reformation abgegrenzt, indem sie nur Erwachsene taufte, die sich bewusst zum Christentum bekannten. Die Baptisten sind Teil dieser Bewegung, ihre Weddinger Gemeinde ist nicht nur Gastgeber des Abends, sondern auch Gewinner des diesjährigen Ökumenepreises. Am 21. Januar 1525 stand konfessionelle Trennung im Zentrum, Abkehr von Reformatoren, die sich selbst erst kurz zuvor vom Katholizismus abgewandt hatten. Am 21. Januar 2025 geht es um Glauben im ökumenischen Schulterschluss. „Ein Bekenntnis kann verbinden, aber es schließt eben auch aus“, sagt Fernando Enns, als mennonitischer Friedenstheologe selbst Teil der jubiläumsfeiernden Täuferbewegung, in seiner Predigt. In deren Anschluss erheben sich Vertreter und Gläubige verschiedenster Konfessionen zum ökumenischen Glaubensbekenntnis – gemeinsam auf dessen verbindende Kraft bauend.

Preis für gelebte Ökumene der dritten Art

Und nur wenige Minuten später applaudieren alle zusammen, als Mirjam Ekelmann, Diakonin in der Baptistengemeinde Wedding, den Ökumenepreis 2025 entgegennimmt. Urkunde und Preisgeld gibt es für deren soziale Arbeit im Stadtteil, für ihren „starken Kiez-Bezug“, wie es während der Preisverleihung immer wieder heißt. Der 18-jährige Carlo ist in der Gemeinde aufgewachsen, unterstützt als Honorarkraft das soziale Projekt „Check it out“ und kennt den Wedding genau. „In einem Wort: ruppig. Es ist viel los, es ist sehr divers, mit vielen Menschen mit arabischem Hintergrund“, beschreibt er den Stadtteil, in dem er sich engagiert. Zweimal wöchentlich verbringen er und seine Kollegen Zeit mit Kindern aus der Nachbarschaft, um gemeinsam zu essen, bei den Hausaufgaben zu unterstützen und Wissen zu vermitteln. Die wenigsten dieser Kinder sind Christen, die meisten gehören dem Islam an. „Ökumene der dritten Art“ taufte der emeritierte Erfurter Philosophieprofessor Eberhard Tiefensee diese soziale Arbeit christlicher Organisationen und Kirchen unabhängig von Fragen des Glaubens und der Weltanschauung. Denn diese stünden bei den Treffen nicht im Mittelpunkt, wenn sie aufkommen, werde erklärt statt belehrt, sagt Carlo. Er möchte Dinge, die er gut kann, an die Kinder weitergeben. „Und die Arbeit macht auch einfach Spaß“, meint er noch lachend. Für diesen „Spaß“, dieses Engagement fern ab trennender Grenzen und dort, wo der Weddinger Kiez es braucht, wurden er und seine Gemeinde nun ausgezeichnet. //

Ökumenische Kiezarbeit Gastgeber und Preisträger: Der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg betet in der Baptistenkirche Wedding für die Einheit der Christen und ehrt die Gemeinde mit dem Ökumenepreis 2025. Mit ihrer sozialen Arbeit im Brennpunktbezirk engagieren sich die Baptisten für die Menschen ihrer Nachbarschaft – über Grenzen von Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen hinweg. Foto: Michael Burkner Viel Beifall: „Applaudiert euch doch mal gegenseitig, dafür, dass ihr alle gekommen seid“, sagt Fernando Enns zum Beginn seiner Predigt. Später applaudieren alle Mirjam Ekelmann (rechts) und der Baptistengemeinde für ihre Arbeit im Weddinger Kiez.