„In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ fragte der Diözesanrat in seiner Sitzung und ließ sich Impulse von Wolfgang Wieland und Claudia Nothelle geben. Es folgten ein Positionspapier und Anträge zu einer Reihe von Themen.
Eigentlich hatte Klaus Wowereit kommen sollen, aber der musste kurzfristig als Schlichter der Tarifverhandlungen von Eurowings nach Düsseldorf – so übernahm der Grünen-Politiker Wolfgang
Wieland. Gemeinsam mit der früheren RBB-Programmchefin Claudia Nothelle sollte er den Diözesanrat auf das Thema „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ einstimmen.
AfD nicht aus der Diskussion ausschließen
In diesem Podiumsgespräch ging es um Fragen der Meinungsbildung in der digitalen Gesellschaft.
Ausgehend von einer Frage nach dem medialen Klima in der heutigen Gesellschaft sagte der frühere Berliner Justiz-Senator Wieland, es sei ganz anders als zur Zeit der Gründung seiner Partei im Jahr 1978: „Wir leben in einer Zeit des Endes der Gewissheiten. Die Umfragen vor Wahlen waren noch nie so falsch wie heute.“
Das liege zum Teil daran, dass die Meinungsforschungsinstitute „die Falschen“ fragten, aber
auch daran, dass die Menschen heute „volatiler“ (veränderlicher, beweglicher, Anmerkung der Redaktion)
seien. Im weiteren Verlauf sprach er sich gegen einen Ausschluss von AfD-Vertretern aus der politischen Debatte aus. Sie müssten auch in Talkshows zur Sprache kommen. Wenn Politiker anderer Parteien es ablehnten, gemeinsam mit ihnen aufzutreten, schaffe das „Aufreger“, die der AfD nutzten, betonte Wieland.
Er bezog sich auf die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen, die ein Zusammentreffen mit der stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch in der ZDF-Runde „Maybrit Illner“ abgelehnt hatte. Auch Claudia Nothelle sprach sich dagegen aus, die AfD aus der öffentlichen Diskussion auszugrenzen.
Die Entscheidung, die Partei nicht zum Leipziger Katholikentag im vergangenen Jahr einzuladen, würde sie heute so nicht mehr gutheißen, betonte die Journalistin. Sie riet den Christen, in den sozialen Medien offen zu sein für die Meinungen anderer, wenn notwendig aber Position dagegen zu beziehen. Wieland rief auf, niederschwellige und kurzfristige Angebote politischen Engagements anzubieten: „Die vielen, die bereitstanden, um den Flüchtlingen zu helfen, von denen erwarte ich nicht, dass sie in eine Partei gehen und 30 bis 40 Jahre dabei bleiben“, sagte er.
Den Politikern empfahl er, im Umgang mit den sozialen Medien besonnener zu sein. Auch Parteifreunden sage er: „Twittert erst einen Tag später!“ Im Anschluss an das Podiumsgespräch diskutierten, änderten und verabschiedeten die Mitglieder des Diözesanrats das von einer Arbeitsgruppe vorbereitete Papier zum Thema „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“
Themen: Integration, Theologie und Ökumene
Nachfolgend behandelte der Diözesanrat die Anträge. Bis in den genauen Wortlaut hinein diskutierte er eine gemeinsame Vorlage der Sachausschüsse „Migration und Integration“ sowie „Politik und Gesellschaft“ zum Thema „Geflüchtete unterstützen – Integration fördern“. Diese wurde mit vielen Änderungen beschlossen. Zügig folgte der Beschluss des Aufrufs „In Christus verbunden: Ökumenisch Kirchesein im Erzbistum Berlin“ und die Ablehnung des Antrags zur Unterstützung des „Marschs für das
Leben“. Diskussionen gab es über den nachträglich eingebrachten Antrag „Katholische Theologie in
Berlin stärken“, bevor auch dieser beschlossen wurde.
Eine Dokumentation des Papiers „In welcher Gesellschaft wollen wir leben“ folgt in einer der nächsten
Ausgaben.
Die Beschlüsse sind nachzulesen unter <link http: www.dioezesanrat-berlin.de>www.dioezesanrat-berlin.de