Abschied von Annaliese Kirchberg: Nach 29 Jahren geht die Leiterin der Katholischen Theresienschule in den Ruhestand. In ihrer Rede verriet sie ihr Rezept für eine sinnvolle Lebensgestaltung.
Wie schafft man 43 Jahre Lehrerdasein, davon 29 Jahre als Leiterin der Katholischen Theresienschule in Weißensee? Die feierlich verabschiedete Annaliese Kirchberg gibt darauf drei Antworten: Liebe zu Menschen, felsenfester Glaube, unersättliche Freude am Lehren und Lernen. Und das Rezept für eine sinnvolle Lebensgestaltung? Pflicht als Freude empfinden.
Unter dem Schutz der Theresia von Avila
In ihrer Abschiedsrede als Schulleiterin dankte sie einer langen Liste von Personen und Institutionen „für alles Gute, das mir zuteil wurde“. Um ihre Theresienschule, die zwei Weltkriege und zwei Diktaturen überstanden hat, mache sie sich keine Sorge, „weil sie unter dem Schutz der Theresia von Avila steht“. Einen schöneren Beruf als den einer Schulleiterin könne sie sich nicht vorstellen, sagte sie vor vielen Weggefährten in der Turnhalle am Ende ihrer „erfüllten Aufbruch- und Wendezeit“. Wenn es den ihr anvertrauten Schülern hilft und es eine Verbesserung ist, „dann sollten wir es tun“. So einer ihrer Leitsätze. Ihre letzten Worte als Schulleiterin waren ein Zitat der Schulpatronin: „Nichts ängstige dich, nichts erschrecke dich; Gott allein genügt.“ Mit stehendem Applaus dankten ihr die zahlreichen Gäste.
Beim Gottesdienst zum Auftakt des Festtages schlug Weihbischof em. Wolfgang Weider den Bogen zum Fest Maria Heimsuchung: Gott besuche die Menschen. „Nur wer Heimat hat, ist geborgen in dieser Welt.“ Heimat aus dem Glauben und Orientierung könne auch eine christliche Schule geben. Er erinnerte an den kleinen Anfang in der Schönhauser Allee, an den Umzug zur Behaimstraße, an schwere Zeiten, an das Wachsen der Schule mit jetzt 630 Schülern. „Der Segen Gottes war immer spürbar. Gott war die innere Kraftquelle.“ Zeugnis von Jesus Christus abzulegen sei das Besondere einer christlichen Schule. Für treues Wirken und Durchhalten damals wie heute dankte er Annaliese Kirchberg. „Das gibt Kraft und Vertrauen in die Zukunft.“ Gottes Heimsuchung der Menschen gehe nie zu Ende, weil es immer Menschen gebe, die Heimat brauchten.
Henning von Gynz-Rekowski erinnerte als ehemaliger Lehrer mit Fotos an 29 Jahre Theresienschule unter Leitung von Annaliese Kirchberg. Auch Schülerstreiche, Feiern, Fahrten, Sponsorenläufe, Erweiterungsbauten wurden präsentiert. Seit 1989 hat sich die Schülerzahl verzehnfacht, 70 Kollegen unterrichten. Schuldezernent Peter Schaumann lobte Fleiß, Kreativität und Innovationsfreude der Eichsfelderin. Schulrat Michael Kiebel stellte den Schulgottesdienst jeden Donnerstagmorgen als prägendes Element heraus. Elternvertreter, Sprecher von Förderverein und Stiftung Maßwerk erhellten Momente auf dem Weg von der kleinen Mädchenschule damals zum koedukativen Gymnasium mit 630 Schülern heute.
Offenheit für Neues und fruchtbare Zusammenarbeit der Schulleiterin mit staatlichen Schulen ringsum wurden mehrfach bewundert und gelobt. Als symbolisches Geschenk erhielt die Hobby-Taucherin dafür eine Maori-Muschel aus der Südsee: Symbol für eine reiche Ernte aus dem Meer und eine glückliche Wiederkehr. Der Sprecher der Vereinigung der Schulen in Ordenstradition betonte den Zusammenhang von Reisen und Tauchen – ob in tropischen Schnorchel-Paradiesen oder hierzulande. Kollegen aus Dresden und Münster, eine Delegation aus den USA – Annaliese Kirchberg hatte in Washington DC ein Sabbatjahr verbracht – gehörten zum großen Reigen der Redner.
Dank für innere Ruhe und Standhaftigkeit
Humorvoll und herzlich bedankte sich Andreas Kühler für das Kollegium der Theresienschule für die innere Ruhe und Standfestigkeit der Schulleiterin. Auch mit Lesben, Schwulen und „protestantischen Mitspielern“ habe sie als Chef der Mannschaft nie Probleme gehabt. Besonderen Applaus erntete er beim Dank dafür, dass im Sinne einer gewachsenen Ökumene auch protestantischen Schülern die Kommunion gereicht worden sei.* „Ich bezeuge den tiefen Respekt des Kollegiums“, waren seine letzten Abschieds-Worte. Annaliese Kirchbergs Nachfolger ist Matthias Teutschert.
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*Anmerkung der Redaktion:
Bezugnehmend auf dieses Zitat: „Besonderen Applaus erntete er beim Dank dafür, dass im Sinne einer gewachsenen Ökumene auch protestantischen Schülern die Kommunion gereicht worden sei.“
stellen wir klar:
Auch in der jetzt veröffentlichten <link https: www.dbk.de fileadmin redaktion diverse_downloads dossiers_2018 _blank>Orientierungshilfe zu Konfessionsverbindenden Ehen und gemeinsamer Teilnahme an der Eucharistie ging es nie um die allgemeine Interkommunion, sondern einzig und allein um die Zulassung eines evangelischen Ehepartners zur hl. Kommunion im Einzelfall nach gründlicher Rücksprache mit einem geistlichen Begleiter. Das weitere Vorgehen für das Erzbistum Berlin ist <link https: www.erzbistumberlin.de medien pressestelle aktuelle-pressemeldungen pressemeldung datum mit-christus-gehen-der-einheit-auf-der-spur-konfessionsverbindende-ehen-und-gemeinsame-teilnahm>hier geschildert. Weihbischof Wolfgang Weider, der bei der Verabschiedung dabei war, erinnert daran, dass in den katholischen Schulen weiterhin wie in allen Gemeinden die Regelung gilt, dass „evangelische Partner mit einer Hand auf der Schulter zu erkennen geben, dass sie den Segen und nicht die hl. Kommunion erbitten“.
Hinweis von Weihbischof Wolfgang Weider zum genannten Absatz:
Dazu ist zu sagen, dass es in der Theresienschule nie die Praxis der Interkommunion gegeben hat. Besonders ist anzuerkennen, dass hier die wohl einmalige gute Tradition einer wöchentlichen hl. Messe für alle Schüler besteht. Dabei gilt wie in allen katholischen Schulen und Gemeinden die Ordnung, dass evangelische Christen mit einer Hand auf der Schulter zu erkennen geben, dass sie als Zeichen ihrer Communio den Segen und nicht die hl. Kommunion erbitten. „Gewachsene Ökumene“ weiß sehr wohl auch die Haltung der orientalischen Kirchen zu respektieren, die seit der Frühzeit der Kirche aus theologischen Gründen eine Interkommunion dieser Art nicht akzeptieren können und denen wir uns ebenfalls verpflichtet wissen. Die Diskussion in der Bischofskonferenz bezieht sich lediglich auf die Zulassung von evangelischen Ehepartnern zur hl. Kommunion im Einzelfall nach gründlicher Rücksprache mit einem geistlichen katholischen Begleiter, aber nicht auf eine allgemeine Interkommunion.
Wolfgang Weider, Weihbischof em. in Berlin