Räume der Gegenwart Gottes aufspüren

Sie diskutierten auf dem Podium der Katholischen Akademie in Berlin: Pater Manfred Kollig (Generalvikar des Erzbistums Berlin – links), Joachim Hake (Direktor der Akademie – Zweiter von rechts) und die Pastoraltheologen Teresa Schweighofer (Zweite von links) und Paul M. Zulehner (rechts). Foto: Walter Plümpe

In der Katholischen Akademie wurden pastoraltheologische Überlegungen zu Berlin, Brandenburg und Vorpommern präsentiert.

„Wir Christen sind nicht (nur) dazu auf Erden, um einst in den Himmel zu kommen, sondern auch dafür, dass der Himmel schon jetzt zu uns kommt.“ Dieses Zitat von Bischof Klaus Hemmerle (1929-1994) war eine der Thesen, die Paul M. Zulehner in der Katholischen Akademie von Berlin vorstellte. Gemeinsam mit anderen Podiumsteilnehmern präsentierte er pastoraltheologische Überlegungen zu Berlin, Brandenburg und Vorpommern. Der Leitfaden des Abends lautete: „Gottvoll – keineswegs gottlos“.

Der emeritierte Universitätsprofessor aus Wien erläuterte drei „Himmelsgeschenke an die Welt von heute“: die tiefe Einheit im Sein, die die Umwelt wieder zur Mitwelt mache und die unantastbare Würde der Menschen begründe; die universelle Solidarität, die eine Teilung der Welt in arm und reich verbiete; einen (angstbereinigten) Glauben, der Vertrauen freisetze.

Teresa Schweighofer, Pastoraltheologin aus Berlin, setzte sich mit zwei Missverständnissen auseinander. Erstens: „Glaube ist nur dort, wo Kirche oder zumindest Religion drauf steht.“ Vielmehr sei die „Weltpräsenz“ Gottes eine Wirklichkeit, die auch dann nicht verschwinde, wenn man nicht an sie glaube. Zweitens: „Alle Menschen sind religiös – vielleicht aber nur versteckt oder unwissentlich.“ Dem hielt sie entgegen: „Lebensglaube“ könne, müsse aber nicht zum Gottesglauben werden. Damit forderte auch sie einen Perspektivenwechsel für die Pastoral heute.

Pater Manfred Kollig von den Arnsteiner Patres regte dazu an, neue und übersehene Räume der Gegenwart Gottes aufzuspüren. „Dabei ist die Säkularisation nicht zu bejammern.“ Die Welt sei im 20. Jahrhundert nicht weniger säkular gewesen als heute. Die Kernfrage sei nicht „Lebt Gott noch in der Welt?“, sondern: „In welcher Welt leben wir?“ Es gehe darum, Gott zu entdecken. „Gott liebt das, was ist und wie es ist. Das Heil ereignet sich rund um die Uhr.“ Ob die Welt „gottvoll“ sei, hänge von uns ab, betonte der Generalvikar des Erzbistums Berlin.

„Wir werden Gott nie los, weil er uns nicht los lässt“, war sein prägnanter Schlussgedanke. Bildhaft war der Appell von Paul M. Zulehner: „Werdet Trüffelschweine, um Gottes Köstlichkeiten aufzuspüren!“ Und Akademiedirektor Joachim Hake fasste zusammen: „Berlin, Brandenburg und Vorpommern sind auf eigene Weise Gottes so voll!“