Seit sieben Jahren leitet der brasilianische Herz-Jesu-Priester Tarcisio Darrós Feldhaus die portugiesische Gemeinde im Erzbistum Berlin. Dabei setzt er auf Kreativität, Katechese und eigene Glaubenserfahrungen.
„Ich bin zufrieden mit meinem Leben, ich würde es auch heute nicht anders machen“, betont Pater Tarcisio Darrós Feldhaus. Zufrieden mit dem Priesterdasein, aber auch mit seinem Leben als Herz-Jesu-Priester: „Ich brauche Gemeinschaft und den gemeinsamen Tagesrhythmus, wenn wir gemeinsam essen, beten, zusammen sind.“
„Gemeinde bilden“ – nicht den Kirchenbesuch in die Höhe treiben, das ist das Ziel der Arbeit von Dehonianer-Pater Feldhaus. Der Rektor des Herz-Jesu-Klosters ist seit der Gründung der Kommunität 2012 in Berlin und leitet seither die portugiesische Gemeinde der Stadt.
Arbeitsfeld ist herausfordernd
Offiziell leben im Bereich des Erzbistums Berlin 2600 Menschen, die portugiesisch sprechen, also Mitglieder der portugiesischen Gemeinde sein können. Sie kommen aus Portugal und Brasilien, aber beispielsweise auch aus Angola, Mosambik, Guinea-Bissau oder Kap Verde.
Seine Gemeindemitglieder wohnen in der ganzen Stadt, teilweise in Brandenburg: „Es läuft“, sagt Feldhaus bescheiden. Als er die Gemeinde übernahm, musste er erleben, dass viele zu den Sonntagsgottesdiensten aus Pflicht kamen. Das will er so nicht: „Ich setze auf andere Erfahrungen. Die Leute sollen kommen, weil sie hier etwas für ihr Leben finden, im Gottesdienst, aber auch im Bibelkreis oder im Bibelgespräch.“ Das ist schwierig, hat er gemerkt, „denn sie sind ja berufstätig und kommen von weit her“. Ein weiteres Problem: „Viele haben nur eine geringe Schulbildung und der kulturelle Hintergrund ist sehr verschieden.“
Pater Feldhaus setzt deshalb auf Kreativität und hat verschiedenen Angebotsformen entwickelt: Sonntags findet der gemeinsame Gottesdienst statt, davor hat er eine Katechese angesetzt. Dabei geht es ihm darum, dass die Menschen verstehen, was sie in der Bibel lesen oder hören, um Glaubensthemen, die mit ihrer Realität zu tun haben. Um den verschiedenen Kulturen gerecht zu werden, ist der Samstagvorabendgottesdienst jeweils nach Art einer Kultur gestaltet. Am ersten Sonntag im Monat findet ein interkultureller Gottesdienst statt, in den ganz unterschiedliche Elemente einfließen. Und im Anschluss gibt es ein gemeinsames Mittagessen für alle, die Lust darauf haben, „damit wir mehr Zeit miteinander verbringen.“
Der Gottesdienst am Samstagabend, so die Erfahrung des Brasilianers, gibt den Menschen ein Gefühl von Heimat und er macht die Gemeinde bunter. „Dieses Angebot kann noch wachsen“, räumt er ein; etwa 20 bis 50 Besucher kommen samstags. Sonntags sind es mehr: zwischen 150 und 200 Gottesdienstteilnehmer.
„Die Gottesdienste sind wichtig“, so seine Überzeugung: „Wenn die portugiesisch-sprechenden Leute zusammenkommen, sind sie eine lebendige Gemeinschaft. Sonst sind sie über die ganze Stadt verstreut.“ Die Gemeinschaft sei auch daher wichtig, „weil sie so viele persönlichen Erfahrungen gemacht haben und eigene Geschichten haben, die ihnen das Leben schwer machen.“ Deshalb steht er auch unter der Woche für persönliche Gespräch zur Verfügung. Das wird zunehmend angenommen: „Es hat länger gedauert, aber jetzt werden es immer mehr“, freut er sich.
Seine eigene Rolle in der portugiesischen Gemeinde begreift er als Priester, aber auch als Mitglied. „Ich möchte den Menschen Glaubenserfahrungen ermöglichen, die Erfahrung, dass sie von Gott geliebt sind.“ Religion dürfe keine Pflichtaufgabe sein, das thematisiert Pater Feldhaus auch in seinen Predigten. Lieber erzählt er davon, wie Beten geht. Dass das ankommt, sieht man beispielsweise daran, dass sich eine Gruppe selbstständig gegründet hat, die nach der Messe den Rosenkranz betet.
Zeichen der Wertschätzung
Die Feier seines silbernen Priesterjubiläums ist ihm wichtig – nicht wegen seiner Person, wie er betont: „Es ist für die jungen Menschen ein wichtiges Zeichen, wenn sie sehen, wie ein Priester geschätzt wird“, findet Feldhaus – erst recht in diesen Zeiten, in denen so schlecht über die katholische Kirche und ihre Priester gesprochen wird. Deshalb wird am 8. Dezember um 11 Uhr ein interkultureller Festgottesdienst gefeiert. Anschließend folgt ein gemeinsames Mittagessen mit verschiedenen kulturellen Programmpunkten.
Anschließend geht er wieder zur Tagesordnung über und das bedeutet: „Ich will der Kirche nach der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester dienen. Für mich ist dabei Wegweiser: ‚Gott ist die Liebe.‘ Ich möchte den Menschen diese Erfahrung vermitteln, sie zu Jesus führen und ihnen helfen, diese Erfahrung selbst zu machen.“ (bd)