Vorbereitet hatten den diesjährigen Weltgebetstag der Frauen Christinnen aus den Philippinen. In Berlin-Charlottenburg war beim Gottesdienst und beim anschlließenden Mahl die Philippinische Gemeinde einbezogen.
Knall! Knall! Knall! Die Zuschauer halten den Atem an. Immer wieder schlagen die dicken Bambusstangen
im Takt abwechselnd auf den Boden und aneinander. Jedes Mal gelingt es den tanzenden Jugendlichen,
die Füße rechtzeitig zwischen ihnen herauszuziehen. Schnell und schneller schlagen die Stangen, aber kein Fuß wird gequetscht: Die Jugendlichen sind Philippiner, der Rhythmus liegt ihnen im Blut. Wer den Weltgebetstag der Frauen in diesem Jahr in der Heilig-Geist-Kirche in Berlin-Charlottenburg beging, durfte ihn auf besondere Weise erleben.
Denn das ökumenische Vorbereitungsteam hatte die Chance genutzt und die dort ansässige Philippinische Gemeinde mit ins Boot geholt. Der gemütliche Teil mit Begegnung im Gemeindehaus war durch die Tanzdarbietungen, Gesang und landestypische Köstlichkeiten geprägt. Aber nicht nur Frühlingsrollen und in Kokosmilch gekochter Reis, süß, rosa und klebrig, machten den Charme des Abends in Neu-Westend aus. Denn auch der Gottesdienst zuvor hatte schon ein besonderes
Gepräge.
Er folgte dem von philippinischen Frauen zentral vorbereiteten Ablauf, wenn auch mit Abwandlungen: So sang der philippinische Chor die Lieder gänzlich in der Nationalsprache Filipino, die Übersetzungen wurden an die Wand projiziert.
Präsidentin, Senatorin, Bürgermeisterin
Dass die exemplarischen Frauenschicksale tatsächlich von Philippinerinnen vorgetragen wurden, verlieh ihnen zusätzliche Authentizität. Auch die kleinen Reistütchen, die jeder Gottesdienstbesucher erhielt, um den Inhalt als Zeichen der Solidarität unter den zuhause gekochten Reis zu mischen, verteilten die Frauen der Philippinischen Gemeinde.
Hand in Hand mit den Frauen des ökumenischen Vorbereitungsteams gestalteten sie diesen besonderen Gottesdienst. Einer der Höhepunkte war, dass die Philippinerinnen den Leitfaden des Gottesdienstes verließen, um eine selbst erstellte Präsentation über ihr Land zu zeigen. Die sparte weder die weißen Sandstrände aus noch die Armut vor allem auf den kleinen Inseln. Auch die Rolle der Frau wurde angesprochen: „Auf den Philippinen sind Frauen Präsidentin, Senatorin oder Bürgermeisterin.“
Der starke Charakter der Frau ist im Inselstaat historisch verwurzelt. Auch auf die Leitfrage „Was ist denn fair?“ kam eine sehr persönliche Antwort: „Wenn auf das Wohlbehagen der Frau aufgepasst und es geschützt wird.“ Aber auch die Familie und der Glaube müssten diesen Schutz genießen. Allerdings, so ging es weiter, würde eine philippinische Frau nicht fragen, ob es gerecht sei: „Sie fragt: Ist es zum Nutzen meiner Familie, meines Landes?“ Beeindruckt zeigten sich nach dem Gottesdienst die deutschen Besucher: „Es ist etwas wirklich sehr Besonderes“, sagte eine Frau.
„Diese Leute sind sehr gastfreundlich. Einmal bin ich durch Zufall in die philippinische Messe geraten und wurde hinterher direkt zum Essen eingeladen.“ Auch für die philippinischen Frauen war der Gottesdienst etwas Besonderes: „Ich war noch nie beim Weltgebetstag“, erzählte eine. Der Gottesdienst habe sie bewegt: „Am Anfang war ich nicht sicher, ob das ewas für mich ist. Aber dann habe ich mich mit der Geschichte beschäftigt, die ich vorlesen sollte. Und sie könnte auch meine Geschichte sein.“