Schwanger – und nun?

Das Team der Schwangerschaftsberatung in Berlin-Lichtenberg. Foto: Caritasverband Erzbistum Berlin/Walter Wetzler

Die Schwangerschaftsberaterinnen der Caritas in Berlin-Lichtenberg beantworten Fragen und vermitteln Hilfe. Gemeinsam mit anderen Beratungsstellen helfen sie vor und nach der Geburt.

„Das Attribut ‚katholisch‘ ist kein Hindernis für Schwangere, die eine Beratung suchen“, sagt Angela Cordes, Leiterin der Schwangerschaftsberatung der Caritas in Karlshorst, einem Stadtteil des Berliner Bezirks Lichtenberg. „Wir beraten wie andere Träger auch, also kostenlos, unabhängig von Religion und Nationalität, ergebnisoffen und auf Wunsch anonym.“ Einziger Unterschied zu anderen Trägern: „Wir stellen keine Bescheinigung nach Paragraf 219 des Strafgesetzbuches (StGB) aus, die für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch benötigt wird.“

Eine Schwangerschaft kann Glück, Freude und Hoffnung auslösen, aber auch Sorgen, Angst und Unsicherheit. Qualifizierte Beratungsgespräche und Hilfen können Auswege aus Notsituationen weisen und Perspektiven eröffnen. Die Schwangerschaftsberatung des Caritasverbands für das Erzbistum Berlin und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) begleiten Frauen und Paare durch diese besondere Zeit – im Chat, per Mail oder im persönlichen Gespräch in einer Beratungsstelle.

Die Karlshorster Beratungsstelle ist im Sozialraum Lichtenberg vernetzt. Und sie hat einen guten Ruf: Die Wartezeit auf einen Beratungstermin beträgt zwei bis drei Wochen. „An manchen Tagen habe ich von vormittags bis Dienstschluss ein Beratungsgespräch nach dem anderen“, erzählt Angela Cordes, die als Sozialpädagogin nicht nur Leiterin, sondern auch Ansprechpartnerin ist. Ihren drei Kolleginnen geht es ähnlich. Neben der Schwangerschaftsberatung stehen Sexuelle Bildung in Schulklassen und Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete, Online- Beratung im Chat oder per Video sowie Allgemeine Sozialberatung im Portfolio der Dienststelle.

Angela Cordes ist seit 15 Jahren in der Schwangerschaftsberatung tätig und stellt fest: Die Probleme der Ratsuchenden seien heute komplexer, es gebe ein ganzes Bündel von Sorgen und Nöten. „Jede vierte Familie, die uns aufsucht, ist in Wohnungsnot. Erschreckend ist, dass manche Frauen gar keine Wohnung haben, bei Freunden auf der Couch übernachten. Viele klagen auch, dass das Geld schon vor der Schwangerschaft knapp war.“

Hand in Hand mit anderen Angeboten

Wege vom Problem zur Lösung zeigt die Allgemeine Soziale Beratung der Caritas auf. Die Mitarbeiterinnen beraten bei Problemen mit Behörden, in sozialrechtlichen Fragen, etwa zum Bürgergeld oder zur Grundsicherung. Sie helfen beim Antragstellen, bei persönlichen Schwierigkeiten und in wirtschaftlichen Notlagen.

Ein Beispiel dafür ist die Welcome-Baby-Bag, eine Initiative des Ökumenischen Frauenzentrums Evas Arche in Verbindung mit dem Frieda-Frauenzentrum. Für manche Schwangere ist es nicht selbstverständlich oder gar nicht möglich, rechtzeitig eine Grundausstattung für das Baby zusammenzustellen. Deshalb packt ein Team engagierter Frauen Taschen mit Pflege- und Gesundheitsartikeln für Mutter und Kind, mit Windeln, Babybekleidung sowie kleinen Extras wie Schnuller oder Kuscheldecke.

„Wir weisen unsere Klientinnen auch immer auf den Kinderkleiderladen im Karlshorster Pfarrhaus hin“, ergänzt Angela Cordes. „Die Initiative hilft Frauen und Familien, die wenig Geld haben. Ein großes Dankeschön den Ehrenamtlichen!“ Dieser Secondhand- Laden wurde 2004 von In Via, dem katholischen Verband für die Mädchen- und Frauensozialarbeit, in der Karlshorster Marksburgstraße eröffnet. Bedingt durch die enorm gestiegenen Mietpreise musste In Via das Ladengeschäft Ende 2022 aufgeben. Ein Schock für die Frauen, die ehrenamtlich und mit Herzblut dabei waren, Eltern in prekären Verhältnissen zu helfen. Eine der Gründerinnen des Kinderkleiderladens wandte sich an den Gemeinderat der Gemeinde Zum Guten Hirten sowie an den Kirchenvorstand und erhielt die Zusage für den Umzug ins Karlshorster Pfarrhaus, so dass er im Januar 2023 wieder eröffnet werden konnte – fünf Minuten entfernt von der Schwangerschaftsberatung.

Neben der Hilfe in wirtschaftlichen Notlagen stehen die Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatung auch bei persönlichen Problemen zur Verfügung. Türöffner für das Gespräch über die Situation in der Familie sei meist der Antrag auf finanzielle Hilfe: „In der Folge kommen dann Probleme mit dem Partner oder als Alleinerziehende, Konflikte mit den Eltern oder Sorgen um die Versorgung des Kindes zur Sprache.“ Angeboten werden auch Kurse in Natürlicher Familienplanung (NFP). Bei Kinderwunsch bietet das Wissen um die Zyklusphasen und die Fruchtbarkeit eine Chance, bewusst und ganz natürlich schwanger zu werden. Häufig informieren sich Frauen auch online, zum Beispiel bei TikTok, über NFP. „Wir bieten in Zusammenarbeit mit den Maltesern eine qualifizierte Schulung an, allerdings gegen eine kleine Teilnahmegebühr.“

Besonders freut es die Dienststellenleiterin, dass mittlerweile auch eine Hebammensprechstunde stattfinden kann: „Die Hebamme berät Schwangere und Wöchnerinnen kostenlos zu allen Fragen rund um die Geburt. Das ist eine große Hilfe, besonders für Frauen, die es nicht geschafft haben, eine Hebamme für das Wochenbett zu finden.“

Die Beratung von Schwangeren macht Angela Cordes Freude, man sieht es ihr an: „Ja, ich gehe jeden Morgen gern zu Arbeit. Schön ist auch, die Dankbarkeit zu spüren, wenn Frauen uns sagen, sie seien froh, dass wir da sind.“