So viel wie möglich gemeinsam

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In Berlin haben katholische und evangelische Ökumenebeauftragte über „Martin Luther – Brücke zwischen den Konfessionen?!“ nachgedacht. Neben Gemeinsamkeiten kamen auch die aktuellen Herausforderungen in den Blick.

Trotz der bestehenden Kirchentrennung können Christen verschiedener Konfessionen heute vieles gemeinsam tun. Wenn Christen die Aufgaben, die vor ihnen stehen, in ökumenischem Miteinander, vielleicht sogar in einer Art ökumenischer Arbeitsteilung angehen, kann das zur Erfahrung einer entlastenden Ökumene werden.

Zu diesem Ergebnis kamen Teilnehmer einer Arbeitsgruppe während des Treffens der Ökumenebeauftragten der katholischen und evangelischen sowie freikirchlicher und orthodoxer Gemeinden Berlins. Die Beispiele, die sie nannten, reichten vom Martinsumzug und dem Weltgebetstag über ökumenische Kirchenchöre und gemeinsame Erntedankfeiern bis zu konfessionell-kooperativem Religionsunterricht und Großereignissen wie Kirchentag oder Präsenz von Kirchen auf der Bundesgartenschau.

Zwar ist der Stand des ökumenischen Miteinanders durchaus unterschiedlich, einig waren sich aber die Teilnehmer der Arbeitsgruppe, dass es heute geboten ist, „so viel wie möglich ökumenisch“ zu machen. Das gelte gerade auch mit Blick auf die große Mehrheit von Mitbürgern, die keiner Kirche angehören und die Unterschiede zwischen den Konfessionen ohnehin nicht verstehen.

Ökumene als Entlastung, nicht Zusatzaufgabe

Allerdings gebe es in den Gemeinden auch Vorbehalte gegenüber der Ökumene. Mancher habe Angst, „dass dabei die eigenen Schäfchen verloren gehen“, wie ein Teilnehmer formulierte. Andererseits wurde festgestellt, dass die Intensität der Ökumene oft von den Hauptamtlichen, insbesondere von den Pfarrern,
abhänge.

Ein Pfarrerwechsel könne dann schon einmal mit einem Einbruch im ökumenische Miteinander
einhergehen. Hilfreich sei es deshalb in den jeweiligen Gemeindegremien Mitglieder zu haben, die sich für die Ökumene engagieren und miteinander in Kontakt sind. Sie könnten die ökumenischen Ideen jeweils in
ihre Gemeinde hineintragen. So werde Ökumene als etwas Entlastendes empfunden und nicht als
belastende Zusatzaufgabe. Bedauert wurde von den Teilnehmern der Arbeitsgruppe, dass Ökumene in der Ausbildung der Geistlichen nur ein Fach neben vielen anderen sei. Man müsse aber dem Pfarrer auch nicht alles aufbürden.

„Es kommt auf Sie an. Seien Sie selbstbewusst! Es ist wichtig, dass es in der Gemeinde Menschen gibt, die für die Ökumene brennen“, hieß ein Appell. Der oft guten Ökumene an der kirchlichen Basis steht das Mühen um die Kircheneinheit in der Theologie und auf der Ebene der Kirchenleitungen gegenüber. Das Treffen der Ökumenebeauftragten, das jährlich stattfindet und in die Zeit des ersten ökumenischen Kirchentages in Berlin im Jahr 2003 zurückreicht, richtete in diesem Jahr des Reformationsgedenkens den Blick auch darauf.

Die Veranstalter – der Ökumene- Ausschuss des Diözesanrates der Katholiken und der Konvent der Ökumenebeauftragten des evangelischen Sprengels Berlin – hatten dazu Thomas Söding eingeladen. Söding ist katholischer Theologe und Vorsitzender des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses. Er sprach über die Reformation als Herausforderung aus katholischer Sicht.

Negative Erfahrungen mit früheren Jubiläen

Die katholische Kirche habe sich aufgrund der Erfahrungen mit vorhergehenden Reformationsjubiläen auch mit dem Reformationsgedenken 2017 lange schwer getan, sagte Söding. Katholischerseits habe man eine Verschärfung der „Ökumene der Profile“ befürchtet.

Das habe sich gelegt, wie der Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim eindrucksvoll gezeigt habe. Dass das Reformationsgedenken in diesem Jahr erstmals anders begangen werden könne, habe auch mit einer neuen Sicht auf die Reformation in der katholischen Theologie seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu tun. „Die Leitidee lautete: Luther hat in sich einen Katholizismus niedergerungen, der nicht katholisch war“, so Söding. Der springende Punkt der Geschichte sei dabei: „Luther habe nicht die Antwort erhalten, die er verdient gehabt hätte, weil die Bischöfe ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden seien.

Hätte er diese Antwort erhalten, wäre er wohl eine der großen Reformgestalten der katholischen Kirche geworden – wie Franzkiskus.“ Das Problem dieses Ansatzes besteht für Söding darin, dass er die Herausforderung der Reformation verharmlost. Er unterschätzt, wie stark die katholische Kirche sich ändern müsste, wenn sie die Reformation integrieren wollte. Das Gedenkjahr 2017 wolle nun die Gräben nicht vertiefen, sondern der Ökumene Auftrieb verleihen. Das liege auf einer Linie kirchenamtlicher Dokumenten der letzten Jahre wie etwa „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ (2013) vom Päsptlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und dem Lutherischen Weltbund.

Die erreichten Gemeinsamkeiten dürften nicht zur Selbstzufriedenheit verleiten. Vielmehr müssten die Unterschiede wahrgenommen und als Impuls für eine neue Kirchenreform genutzt werden. Vor der katholischen Kircheb stehe dabei die Aufgabe, zu klären, welche konkreten Formen der Einheit denkbar sind. Während auf evangelischer Seite eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ angestrebt wird, spricht sich die katholische Kirche für eine „sichtbare Einheit“ aus. Dieses Ökumene-Leitbild müsse aber mit der Vielfalt der christlichen Kirchen in Einklang gebracht werden.