Dieser Kommentar im Internet zeigt die Wertschätzung für den Berliner Kinderkleiderladen im Pfarrhaus der katholischen Gemeinde von Karlshorst. Vor Ort hilft das ehrenamtlich tätige Frauenteam jungen Familien und Alleinerziehenden.
Der Mann bugsiert den Kinderwagen die Stufen zum Eingang des Pfarrsaals hoch, seine Frau hat Tochter Elisa, dreieinhalb Jahre, auf dem Arm. Die Kleine braucht Wintersachen, dicke Strumpfhosen und einen Schneeanzug. „Unserem Kind steht alles, es muss nicht rosa sein“, sagt die Mutter und lacht.
Irmgard Kliche aus der Gemeinde Zum Guten Hirten im Berliner Stadtbezirk Lichtenberg, zu der die Ortsteile Friedrichsfelde und Karlshorst gehören, stellt Kartons mit den gewünschten Sachen in der passenden Größe bereit und berät die junge Frau sachkundig und liebevoll bei der Auswahl. Sie gehört zu einem Team von Frauen, die sich ehrenamtlich um den Karlshorster Kinderkleiderladen kümmern.
Inzwischen packt eine andere Frau eine Tasche voller Kleiderspenden aus: ein Paar Sportschuhe, zwei Kapuzenpullover, eine Jeans und drei Bücher für Kinder im Erstlesealter. An der Jeans ist der Reißverschluss kaputt, sagt sie, sie habe aber keine Nähmaschine. Für Frau Kliche kein Problem, sie erledigt das zu Hause.
Die Spendenbereitschaft ist hoch, die fast deckenhohen hellen Holzregale sind gut gefüllt: Kinderbekleidung, Schuhe, Kinderbettwäsche, Babybadewannen, Kuscheltiere, Spiele und vieles mehr. Die gespendeten Sachen werden geprüft, sortiert und gegen eine geringe Spende weitergegeben. Manchmal verschenkt Irmgard Kliche die Sachen auch: „Man bekommt einen Blick dafür, wer etwas spenden kann und wer nicht.“
Auch die Nachfrage ist hoch, besonders in der Übergangszeit, wenn man feststellt, dass die Sachen vom letzten Winter nicht mehr passen. Junge Eltern kommen, Alleinerziehende, auch Großeltern und zunehmend ausländische Frauen. Kitas und Familienberatungsstellen des Stadtbezirks Lichtenberg schicken Familien gezielt zum Secondhandladen.
Gegründet wurde der 2004 von In Via, dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit. Irmgard Kliche ist von Anfang an dabei: „Ich war gerade in den vorgezogenen Ruhestand gegangen, hatte also Zeit.“ Und wollte helfen, wo Not ist, „einfach Menschen froh machen“, wie sie sagt. Bedingt durch den enorm gestiegenen Mietpreis gab In Via das Geschäft Ende 2022 auf. Ein Schock für das eingespiele Frauenteam, das mit Herzblut dabei war, Familien zu helfen und das gern weiter tun wollte. Hilfesuchend wandte Irmgard Kliche sich an den Gemeinderat der Gemeinde Zum Guten Hirten sowie den Kirchenvorstand der Pfarrei St. Hildegard von Bingen Marzahn-Hellersdorf. Nach reiflicher Überlegung stellte die Pfarrei dem Projekt Räumlichkeiten im Kalshorster Pfarrhaus zur Verfügung.
Ein kleiner Teil der für die abgegebenen Kindersachen erhaltenen Spenden wird zur Deckung der Nebenkosten genutzt, der weitaus größere Teil – immerhin mehrere tausend Euro im Jahr – geht an soziale Projekte, zum Beispiel an die Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow, den Tagestreff für Wohnungslose in Lichtenberg, den Förderverein für krebskranke Kinder, die Obdachlosenhilfe der Caritas, den Verein Straßenkinder, den Wünschewagen des Arbeiter- Samariterbundes oder an das Lichtenberger Kinderhospiz. „Und die Sternsinger unserer Gemeinde kriegen natürlich auch eine Spende“, ergänzt Irmgard Kliche. Sie ist die einzige von den sieben Frauen im Team, die Kirchenmitglied ist.
„Man hört viele Lebensgeschichten, auch schlimme Schicksale, kann hier und da vielleicht Trost spenden oder einen Rat geben, auf jeden Fall aber zuhören. Die Frauen, die zu uns kommen, finden es gut, dass es den Kinderkleiderladen gibt.“ Mittlerweile ist Irmgard Kliche über 20 Jahre dabei. Mit 83 Jahren ist sie die Älteste im Team. „Es gibt so viel Armut, so viel Not. Solange die Kraft reicht, möchte ich mich weiter im Kinderkleiderladen engagieren.“