Tradition trägt weiterhin

Auch die Ministranten genossen es, wieder einmal in großer Schar aufzutreten. Foto: Thomas Marin

Nach zweijähriger Pause feierten die Katholiken der Region Potsdam-Brandenburg am Pfingstmontag wieder den Märkischen Katholikentag. Den Festgottesdienst feierte Erzbischof Heiner Koch mit mehreren hundert Gläubigen im Brandenburger Dom.

Zwei Jahre hatte es wegen der Pandemie keinen Märkischen Katholikentag gegeben. Der frühere Dekanatstag für Potsdam und Brandenburg, der im Blick auf die Aufhebung der Dekanate schon vor einigen Jahren umbenannt worden war, sollte endlich wieder stattfinden.

Ort und Termin haben für das Format eine Tradition von sechs Jahrzehnten: Am Pfingstmontag treffen sich die Gläubigen in Lehnin. So dachten sich das die Organisatoren jedenfalls, bis ihnen die Tücke des Alltags in die Quere kam. Umfangreiche Bauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters machten ein Ausweichen in die Havelstadt nötig, wo der Brandenburger Dom dank ökumenischer Gastfreundschaft für die heilige Messe genutzt werden konnte.

Schwierigkeiten des Alltags lieferten auch dem Berliner Erzbischof die Vorlage, auf die er in seiner Predigt in der früheren Kathedrale des mittelalterlichen Bistums Brandenburg reagierte. Zwei Jahre Pandemie, die Auswirkungen des Kriegs gegen die Ukraine, Missbrauchsskandale und andere innerkirchliche oder persönliche Probleme könnten ermüden, den Mut nehmen. Der Geist Gottes wolle anhauchen, neues Leben und neuen Schwung geben. Dies geschehe aber, wie bei den Jüngern am Pfingsttag, nicht gegen den Willen der Menschen. Sie müssten sich dem Wirken des Geistes öffnen. Das Zusammenbleiben in der Gemeinschaft, die Kommunikation mit Gott im beharrlichen Gebet und die Bereitschaft zum Zeugnis empfahl der Erzbischof als Drei-Punkte-Programm. So könne es gelingen, zeichenhaft zu leben, sodass die Menschen nachdenklich würden, die von Gott noch nichts wissen.

Einblicke in den Alltag im Zisterzienserkloster

Fast vierhundert Gläubige hatte der Märkische Katholikentag angezogen und damit die vorsichtigen Erwartungen deutlich übertroffen. Auch die logistischen Anforderungen stellten sich als lösbar heraus. Den Ortswechsel zum Gelände der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit für das weitere Programm des Katholikentreffens bewältigten zwei Drittel der Gottesdienstteilnehmer mühelos.

Hier wurde für das leibliche wie für das geistig-geistliche Wohl gesorgt und der lange entbehrte Austausch mit Altbekannten und Neukennengelernten genossen. Während die Kinder sich auf dem Spielplatz der katholischen Kita tummelten, zog es gut neunzig Zuhörer nach dem Essen zu einem Vortrag in den Pfarrsaal. Zisterzienserpater Kilian Müller aus Neuzelle bot eine Einführung in die Grundlagen zisterziensischen Klosterlebens. Bei vielen der Zuhörer konnte er, wie in den Gesprächen zu erfahren war, an eigene Einblicke anknüpfen.

Schließlich hat sich das östlich des Erzbistums Berlin gelegene Kloster in den wenigen Jahren seit seiner Wiederbesiedlung auch für Gläubige aus der südwestlichen Region der Diözese zu einem geistlichen Anziehungspunkt entwickelt. Wer keinen Platz im Vortragssaal fand, konnte auf dem Pfarrhof und dem Außengelände des Seniorenzentrums St. Benedikt ins Gespräch kommen. Zu den Konstanten des Treffens gehört auch die Gelegenheit zur Eucharistischen Anbetung. Den Rahmen dafür bot die Kapelle im Franziskushaus, bis vor wenigen Jahren Domizil der Vöcklabrucker Franziskanerinnen.

Nächstes Jahr wieder in Lehnin

Die Mädchenschola der Babelsberger Pfarrei St. Antonius gestaltete den Abschluss des Tages in der Brandenburger Pfarrkirche, unterstützt von der Babelsberger „Emporencombo“. Mitreißender Gesang, Texte mit Tiefgang und die Einladung zum Einstimmen in den Lobpreis prägten die letzte Stunde eines Tages, über den sich viele Teilnehmer begeistert äußerten. Mehr als 150 Gläubige waren bis zum letzten Akkord geblieben und dankten Gott im Schlussgebet für einen Märkischen Katholikentag. War vor dem Pfingstmontag die Zukunft des regionalen Treffens manchem fraglich erschienen, war das Fazit von Dankbarkeit für einen geist- erfüllten Tag geprägt. Und von der Überzeugung: Nächstes Jahr sehen wir uns wieder – hoffentlich in Lehnin.