Bei seiner Vollversammlung hat der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum die Themenschwerpunkte für die kommenden drei Jahre festgelegt. Zu den gleichbleibenden Herausforderungen gehört unter anderem der Klimaschutz.
Rein katholisch gesehen, war es ein ungewohnter Ort für eine Vollversammlung des Diözesanrats, einer Zusammenkunft, in der gewählt und debattiert wird: die evangelische St. Bartolomäus- Kirche in Friedrichshain. Statt Kirchenbänken säumten zu Quadraten aneinandergerückte Tischpaare mit Stühlen das Mittelschiff. „Etwas ungewohnt, aber ich könnte mir das auch bei uns sehr gut vorstellen: die Kirche als einen Ort des Zusammenkommens“, sagte Diözesanratsmitglied Susanne Brandt. Etwas anders sieht es Michael Kunisch. Zwar habe er letztens erlebt, wie selbst in einer jüdisch-orthodoxen Synagoge nach dem Gottesdienst getanzt wurde. „Aber ich finde, das sollte man trennen. Die Kirche sollte dem Sakralen vorbehalten bleiben.“
Synodalität und Klimaschutz sind Themen
Im Zentrum der Versammlung standen die Wahl eines neuen Vorstands samt Vorsitzenden und die Arbeitsschwerpunkte für die kommenden drei Jahre. Schon die Namen der Thementische, an denen die Mitglieder Inhalte besprachen, ließen erkennen: Die Aufgabengebiete, die die Laienvertretung im Erzbistum für sich erkannt haben, sind weitgehend gleich geblieben: Pfarrei- und Gemeindeentwicklung, Pastoral, Bewahrung der Schöpfung, Kirche und Gesellschaft sowie Ökumene.
Die konkurrenzlos zur Vorsitzenden wiedergewählte Karlies Abmeier stieß ins selbe Horn: „In meiner zweiten Amtszeit möchte ich das, was wir gemeinsam in den vergangenen drei Jahren anstoßen konnten und erreicht haben, weiterführen und vollenden.“ Damit dürfte sie unter anderem die Gründung eines „Synodalpastoralrats“ meinen, durch den sich der Diözesanrat mehr Laienmitbestimmung erhofft. Sie mahnte aber auch an, dass die bistumsweite Vertretung ihren Blick für Anliegen von Pfarreien und Gemeinden schärfen müsse.
Dass da noch Luft nach oben ist, zeigte der Bericht von Christoph Singelnstein und Marie-Helène Müßig. Diese hatten Pfarreien besucht, um mit den Pfarreiräten zu reden. „In einigen Fällen hat es vor Ort sehr konstruktive Gespräche gegeben“, sagte Müßig. Bei anderen hingegen sei man auf „Vorbehalte gestoßen“ (Singelnstein). Das könnte auch mit dem Einsatz des Diözesanrats für mehr Klimaschutz zusammenhängen, vermutet Marie-Helène Müßig. Die Laienvertretung hatte sich in den vergangenen Jahren gegenüber dem Erzbischöflichen Ordinariat für ein Klimaschutzkonzept nach dem Vorbild der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) stark gemacht. Pfarreien im Erzbistum sollen ihre Emissionen bedeutend verringern – vornehmlich durch den Verkauf wenig genutzter, energieintensiver Gebäude – ein heißes Thema. „Einige haben womöglich befürchtet, wir kommen, um sie zu kontrollieren“, sagte Müßig im Gespräch mit dem Tag des Herrn. Das sei aber nicht die Absicht gewesen. „Wir möchten näher an den Pfarreien sein, mehr zusammenarbeiten.“
Auch innerhalb des Diözesanrats gab es vereinzelt Misstöne. „Wo sind die Frommen, die Oma, die den Rosenkranz betet?“, fragte Dirk Wetzel, Vertreter der Pfarrei Bernhard Lichtenberg Berlin- Mitte. Auch Erzbischof Heiner Koch habe am Vorabend eine „fehlende Breite“ der Mitglieder in den Raum gestellt. Zudem, sagte Wetzel, missfalle ihm das seiner Meinung nach „intransparente Vorgehen“ bei der Auswahl der sogenannten hinzugewählten Einzelpersönlichkeiten. Das sind Vertreter aus Politik, Gesellschaft oder Wissenschaft, die nicht von einer Pfarrei oder einem Verband entsandt werden.
Abmeier: Vernetzung mit Gesellschaft wichtig
Die Vorsitzende Karlies Abmeier verteidigte das Prinzip der Hinzuwahl der Einzelpersönlichkeiten. „Als Christen haben wir doch den Auftrag, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Dafür müssen wir uns vernetzen. Die Hinzugewählten helfen dabei sehr“, sagte sie im Gespräch mit dem Tag des Herrn. Zudem sei der für die Hinzuwahl zuständige Ausschuss von den Mitgliedern gewählt worden.
Wilfred Dominic Josue, zuvor Mitglied im Vorstand, freute sich in seinem Redebeitrag über den Beschluss von Erzbischof Koch, Segnungen von Paaren, die sich lieben, zu tolerieren. „Aber am Ziel sind wir damit noch nicht.“ Der Mann, der selbst „queer“ lebt, wollte Koch davon überzeugen, selbst auch Paarsegnungen vorzunehmen, um ein Zeichen zu setzen. Doch der zwischen den Stühlen stehende Erzbischof blieb bei seiner im Hirtenbrief geäußerten Haltung, „kein Politikum“ aus der Angelegenheit machen zu wollen, um die Spaltung im Erzbistum in der Frage nicht zu vertiefen.