Shahid Rehmat aus Pakistan engagiert sich in seiner Heimat für den interreligiösen Dialog. Um Kooperationen nach Deutschland herzustellen, machte er ein Praktikum beim Berliner Forum der Religionen.
Religiös gesehen scheint es auf den ersten Blick kaum Parallelen zwischen Berlin und Pakistan zu geben. Auf den zweiten ist klar: An beiden Orten leben Christen in der Diaspora und es gibt eine Vielzahl an Religionen. Shahid Rehmat ist aus der Islamischen Republik Pakistan nach Berlin gekommen, um weitere Verbindungen zu schaffen und einen Austausch in Gang zu bringen. Für drei Monate absolvierte er ein Praktikum beim Berliner Forum der Religionen, das nun zu Ende geht. Dabei ging es ihm vor allem um den interreligiösen Dialog, denn den fördert er auch in seiner Heimat.
„Ich habe Freunde aus allen Religionen“
Dazu gekommen ist der 32-Jährige durch seine persönliche Geschichte: Aufgewachsen als eines von sieben Kindern in einer armen Familie, konnte er eine von Jesuiten geführte Schule besuchen. Danach ging er neben seinem Teilzeitjob in einer Bäckerei auf ein muslimisches College und später auf eine staatliche Universität. „Ich habe Freunde aus allen Religionen“, sagt er. „Aber meine Freunde haben diese Gelegenheit oft nicht.“ Deshalb rief er „Diversity Camps“ (deutsch etwa: „Vielfalts- Lager“) ins Leben, in denen junge Menschen verschiedener Religionen vier Tage lang zusammen leben und sich über die Traditionen, Symbole, Geschichte und Gemeinsamkeiten der Religionsgemeinschaften informieren. In vielen Fällen konnte er eine Annäherung und ein wachsendes gegenseitiges Verständnis als Erfolg verbuchen.
Im täglichen Leben viele Herausforderungen
In Pakistan, berichtet der Vater zweier kleiner Töchter, gebe es offiziell Glaubensfreiheit. Der Staat ermögliche es Christen, zur Kirche zu gehen. Ein Blasphemiegesetz, das theoretisch alle Religionen gleichermaßen schützen solle, verhindere aber praktisch nur, dass etwas gegen den Islam gesagt werde. Im alltäglichen Zusammenleben gebe es viele Herausforderungen für Christen, angefangen bei muslimischen Freunden, die sagen: „Unsere Freundschaft wäre noch viel wertvoller, wenn du Muslim würdest“ bis hin zu einer gesonderten Tasse, die Rehmat an einer früheren Arbeitsstätte benutzen musste, weil die Kollegen sich nicht wohlfühlten bei dem Gedanken, dieselbe Tasse wie ein Christ zu benutzen.
„Ich würde gerne eine Kirche mitnehmen“
„Warum opferst du so viel, um Christ zu sein?“, werde er manchmal gefragt. Darauf hat Shahid Rehmat eine klare Antwort: „Ich verteidige die christlichen Werte, die ich von meinen Vorfahren überliefert bekommen habe.“ Einen entscheidenden Unterschied zwischen Berlin und Pakistan hat Rehmat festgestellt: „Ich bin Christ, weil vor einigen Generationen deutsche Missionare nach Pakistan kamen. Wir haben in Pakistan sehr kleine Kirchen, und die sind immer überfüllt. Hier gibt es große Kirchen, und sie sind meistens leer.“ Gerne würde er eine deutsche Kirche mitnehmen nach Pakistan, wenn er nun zurückkehrt, sagt er lächelnd. Ansonsten zeigt er sich beeindruckt von der Pünktlichkeit und guten Organisation in Deutschland – Erfahrungen, die er ebenfalls gern mitnimmt.
Enttäuscht ist Shahid Rehmat manchmal von der katholischen Kirche in Pakistan: „Viele Christen in Pakistan verrichten einfache Arbeit wie Straßenreinigung oder Putzen. Ich habe gefragt, warum nicht mehr Stipendien für eine bessere Ausbildung vergeben werden, aber sie wollten es nicht.“ Deshalb wünscht er sich von der deutschen Kirche: „Unterstützt weiter die Christen in Pakistan über Misereor oder Kirche in Not, aber setzt Bedingungen: Sie sollen etwas für die Bildung der Christen tun, damit die christlichen Familien nicht immer arm bleiben.“
Berliner Forum der Religionen
Das Berliner Forum der Religionen ist der Nachfolger des vom Berliner Senat im Jahr 2011 gegründeten „Berliner Dialog der Religionen“. Ziel ist es, den interreligiösen Dialog und das Verständnis füreinander zu fördern, das Potenzial von Religion in die Gesellschaft einzubringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Beim Forum arbeiten Menschen aus mehr als 100 Religionsgemeinschaften zusammen. Zu den Projekten zählt unter anderem die „Lange Nacht der Religionen“.
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