Mühlenbeck. „Wonach schmeckt das Kraut, was meinen Sie?“, die Hausherrin empfängt die Besucher im Eingangsbereich mit einem Rätsel. Süß! Würzig? Vielleicht wie etwas, was in Plätzchen ist? Raten und Ausprobieren gehört zum Konzept im „Labyrinth des Lebens“.
„Früher hatten wir hier Wiese und Kartoffeln angebaut“, erklärt Birgit Vogt. Dann bekam ihr Mann einen Bandscheiben-Vorfall und konnte nicht mehr im Garten neben ihrem Wohnhaus in Mühlenbeck arbeiten. „Überlass mir das Land, ich mach was draus“ bot sie ihm an und begann 2008 mit der Gestaltung. Dabei sind ihre Liebe zum Garten und die Erfahrungen aus ihrer Arbeit als Katechetin, Religionslehrerin und Entspannungstherapeutin eingeflossen. Derzeit begleitet sie die Arbeit mit Frauen und Seniorinnen im evangelischen Kirchenkreis. „Ich wollte hier etwas für alle Generationen schaffen, einen Ort, an dem sie gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen können.“
Gelbe Hinweise auf Geschichten aus der Bibel
Der Garten wird biologisch gepflegt, von Obst und Kräutern darf probiert werden. Rote Schilder erklären essbare Pflanzen, Hinweise auf Geschichten der Bibel sind gelb. „Ich empfehle immer, sich ein oder zwei Stationen herauszusuchen und sich dort Zeit zu nehmen“, rät Birgit Vogt und schickt mich auf Entdeckungsreise. Es ist sonnig, Kinder tollen bereits durch die Gänge. Ich finde eine Hängematte unter einem roten Schleierzelt, die „Geburtshöhle“. Eine Sanduhr steht daneben, ein Pochen wie ein Herzschlag ist zu hören. Stationen zur Kindheit folgen, mit Spielplatz, Erdbeeren zum Naschen, Kisten, auf denen steht „Schau mal rein“, vergrabenen Schätze im Sand. Christine Vollmer aus Panketal möchte mit ihrer Enkelin wiederkommen. Sie hat Spaß an den Angeboten: „Ich setze mir die vielen Perücken auf, bin neugierig wie ein Kind, gucke überall rein und erschrecke, wenn dann plötzlich eine Spieluhr losgeht.“ Auf einem Spiegel steht „Du bist einzigartig, kostbar, von Gott geliebt“. Ab hier geht es um die Suche nach Identität, die Auseinandersetzung mit Gefühlen. Der schwarz ausgekleidete Schuppen, auf dem „Angst“ steht, gefällt dem siebenjährigen Jakob: „In diesem Kasten war es schaurig“, sagt er, „aber wir hatten eine Taschenlampe und konnten schöne Muster an der Wand erkennen.“ Seine Mutter spricht besonders an, „dass so viele unterschiedliche Aspekte hervorgehoben werden. Alles ist so schön beschriftet, dass man auch allein viel entdecken kann.“ „Mama, Mama ich bin hier oben!“, ein Mädchen winkt aus dem Baumhaus. Darunter zerstampfen die Geschwister mit Mörsern Getreidekörner - Brot backen auf biblisch. Schritt für Schritt gibt es viel zu entdecken: den Krug der Samariterin, eine Duftrose, Kisten, in denen ein Diskman Musik zum Träumen bereit hält. Das Schild am Komposthaufen lädt ein, belastende Themen „loszulassen“. Eine Jakobsleiter lenkt den Blick nach oben. Gläserne Engel schweben zwischen den Zweigen.
Kosten von der „Fülle des Lebens“
Am Übergang ins spätere Lebensalter fragt eine Tafel: „Was kann hilfreich sein, im Alter glücklich zu leben?“ Ich koste Weintrauben, die „Fülle des Lebens“, trete auf Schildkrötensteine, lese etwas über Einsamkeit. „Ein großes Thema“, sagt Christine Vollmer, die ich hier wieder treffe. Wir sprechen darüber, wie wichtig es ist, Freundschaften zu pflegen. Sie empfindet diese Station als „Bewusst werden meiner Situation“. Man kann hier überdenken „wie schön vieles im Leben war oder wo man nicht genug innegehalten hat“. Unzählige Arbeitsstunden verbringt Birgit Vogt mit dem Aufbauen und Aufräumen im Labyrinth. Ihr Mann unterstützt sie, auch die Schwägerin hilft mit. Über die Jahre sind viele private Mittel in das Projekt geflossen, aus den Eintrittsgeldern allein kann es sich nicht tragen. Und die kreative Frau entwickelt weiter Ideen: Seit zwei Jahren gibt es ein beheizbares Holzhaus, dessen Wandregale voller Spiele und Bücher dazu einladen, sich mit biblischen Themen zu beschäftigen. Unabhängig vom Labyrinth ist die Bücherstube ganzjährig kostenlos nutzbar.
Das Labyrinth des Lebens, Kastanienallee 10, Mühlenbeck, ist am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet - das nächste Mal am 7. August. Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Kinder 4 Euro.