Ein Filmprojekt für den Schulunterricht erklärt unterschiedliche Rituale und Feiern der Lebenswende in der Jugendzeit. Firmlinge aus Potsdam wirkten daran mit. Ein Filmteam begleitete ihre Vorbereitung und die Firmung.
Dass bei einer Firmung fotografiert wird, ist nicht ungewöhnlich. Dass gleich ein ganzes Kamerateam anrückt, dagegen schon. Bei der Firmung in Potsdam-Babelsberg war das jetzt so. Das Team um den Wissenschaftsjournalisten André Rehse wollte jedoch nicht die Erinnerung für das Familienalbum verschönern, sondern war in Absprache mit der Pfarrei Allerheiligen Potsdamer Land im Bildungsauftrag unterwegs. Zusammen mit den 61 Firmlingen der Gemeinde und mit Pfarrvikar Raphael Weichlein entsteht ein Film für den Schulunterricht in den siebten bis neunten Klassen, der die Bedeutung von Firmung und Konfirmation für Kinder und Eltern erklären soll.
„Der Film will Einblick gewähren in unterschiedliche Rituale und Feiern der Lebenswenden in der Jugendzeit, hier speziell im Hinblick auf das Angebot der großen christlichen Kirchen“, erklärt der Pfarrvikar. Der Bedarf scheint vorhanden: „Für sehr viele Menschen ist es nicht mehr klar, was es eigentlich heißt, sich firmen zu lassen“, sagt Weichlein. Deswegen habe er und die Gruppe der Firmlinge gerne auf die Anfrage der Dokumentarfilmer zugesagt, hier etwas näher zuschauen zu dürfen.
Eine der Protagonistinnen im Film ist die 15-jährige Ailish. Sie erzähle mit Freude von ihrem Glauben, sagt sie. „Ich sage auch gerne, wie ich Sachen sehe, weil ich finde, dass ich da eine sehr ehrliche Meinung dazu habe – und wenn mir etwas nicht gefällt, dann sage ich das auch.“ Sie sei „schon sehr früh mit Gott in Berührung gekommen, einfach durch meine Familie, die sehr gläubig ist“, erzählt Ailish: „Dann habe ich mich da einfach mal drauf eingelassen und ganz schnell gemerkt: Ey, Gott gibt es wirklich – und das ist etwas, das mir hilft.“ Gott sei für sie jemand, „der mir zuhört, und der immer für mich da ist; mit dem ich reden kann, wenn ich niemanden habe.“
In der Schule sei Religion sonst eher kein großes Thema. Sie erlebe da aber auch keine Ausgrenzung von Mitschülern, berichtet Ailish. Sie habe nur hin und wieder Diskussionen mit anderen Gleichaltrigen, ob das mit dem Glauben alles einen Sinn ergebe. „Ich glaube, es ist einfach wichtig, zu verstehen, dass es eine persönliche Verbindung von dir und Gott ist“, sagt die 15-Jährige. „Jeder muss selbst wissen, ob er die Verbindung mit Gott aufbauen möchte. Aber für mich ist es auf jeden Fall wert, das zu tun.“
Der Film berichtet über das halbe Jahr der Vorbereitung auf die Firmung und den Firmgottesdienst. Während der Vorbereitung gab es neben inhaltlichen Treffen etwa zu Themen „Schöpfung“, „Gebet“, „Menschsein“, „Glaubwürdigkeit der Evangelien“ oder „Was bedeutet mir Jesus persönlich?“ auch ein halbtägiges Sozialpraktikum. Die Fimlinge engagierten sich zum Beispiel bei der Potsdamer Tafel, bei einem Besuch im Hospiz oder in einer Einrichtung für suchtkranke Jugendliche.
Im Film geht es auch um die Unterschiede der christlichen Feiern Firmung und Konfirmation zur in Brandenburg sehr verbreiteten Jugendweihe. Die Firmung sei „wenn man es sehr vereinfacht sagen will“ so etwas wie „Jugendweihe auf katholisch“, erklärt Pfarrvikar Weichlein. Allerdings – so fügt er mit einem Schmunzeln hinzu – „gab es die Firmung schon lange vor der Jugendweihe“.
Auf den Spuren von Pfingsten und dem Heiligen Geist in Potsdam
Eine Sendung von Michael Kinnen