„Zähm den Wolf in dir“

Auch eine gut dreistündige Probe tat der guten Laune und Motivation keinen Abbruch.

Musik verbindet Menschen. Diesem Grundsatz folgend, übt Chorleiter Sebastian Aehlig mit Musikern verschiedener Gemeinden ein Musical ein. Besuch bei einer Probe von „Franziskus. Ein Heiliger und ein Papst“.

„Geben sie alles Böse, das in ihnen steckt; der Wolf wird erst später gezähmt.“ Sebastian Aehlig leitet die Probe für das Musical „Franziskus“. Geprobt wird ein Lied, das von Franz von Assisi und dem Wolf von Gubbio erzählt. Franziskus begegnet der Gewalt in Form eines wilden Tieres. „Zorn macht aggressiv; zähm den Wolf in dir“, heißt es da. Der Chorleiter arbeitet am „wölfischen“ Sprechgesang; das „Z“ in Zorn soll schärfer klingen: „Sie spucken bei der Aussprache noch zu wenig“, sagt er, Sängerinnen und Sänger lachen und akzentuieren das „Z“ schärfer.

Chorsänger und Instrumentalisten aus allen Gemeinden des Pastoralen Raums Rüdersdorf – Erkner – Hoppegarten – Petershagen proben seit Ende August Woche für Woche für das Musical „Franziskus. Ein Heiliger und ein Papst“ von Siegfried Fietz (Musik) und Hermann Schulze-Berndt (Text). Ein Heiliger und ein Papst – beide tragen denselben Namen: Franziskus. Und beide teilen die gleichen Ideale, auch über die Jahrhunderte hinweg: Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Frieden, Erneuerung. Siegfried Fietz und Hermann Schulze-Berndt widmen den beiden Persönlichkeiten ihr Musical, bringen deren Ideale zur Sprache und zum Klingen.

 

Vom Katholikentag nach Petershagen und Erkner

Die Idee, das Musical im Pastoralen Raum zu inszenieren und aufzuführen, hatte Sebastian Aehlig. „Ich habe das Stück 2016 auf dem Katholikentag in Leipzig gesehen, fand es musikalisch stark und in der Aussage hoch aktuell“, erzählt der Kirchenmusiker und Studienrat für Musik und Geografie an der Katholischen Schule St. Franziskus, Berlin-Schöneberg. „Was gibt es Besseres, als Gemeinden durch ein gemeinsames Projekt zusammenzubringen und die Gemeinschaft zu stärken?“

Es freut ihn, dass so viele mitmachen, Spaß haben am Singen und Musizieren. Ältere und Jüngere aus allen vier Gemeinden, auch die Ordensfrauen aus Alt-Buchhorst sind dabei. Einige Liedpassagen werden auch von einem Extra-Kinderchor gesungen. „Die Kinder sind der Hingucker“, verrät der Chorleiter, weitere Details bleiben aber eine Überraschung.

Für die Inszenierung hat Sebastian Aehlig teilweise die Dialoge zwischen den Liedern neu umgesetzt. Kinder aus den Gemeinden erklären, wer Franziskus ist, ein Franziskaner von der Pankower Suppenküche wird interviewt und es wird mit Geflüchteten gesprochen. „Also Themen, die beide ‚Franziskusse‘ umtreiben.“ Diese Kurzfilme werden mittels Beamer eingespielt.

Fröhlich geht es zu bei der Probe. Als das Schlagzeug bei einem Titel zu durchschlagend ist, bremst der Projektleiter die Schlagkraft mit der Feststellung: „In der Petershagener Kirche hallt das zu sehr, und die Kirche in Erkner ist noch nackiger.“

Neben Schlagzeug sind Percussion, Kontrabass, Klarinette, Tenorhorn, Querflöte und Keyboard vertreten. Wer Lust hatte, konnte mitspielen. Die musikalische Nachwuchsförderung liegt dem Musiklehrer am Herzen. Durch so ein Projekt könnten Talente entdeckt und neue junge Leute mobilisiert werden.

 

Hoffnung auf Breitenwirkung

Außerdem sei es eine Chance, neu zugezogene Gemeindemitglieder zu gewinnen. Oder jene, die Projekte bevorzugen, weil die einen Anfang, aber auch ein Ende haben, anzusprechen. „Klar, das Ehrenamt kommt an seine Grenzen, auch beim Musical sind manche dabei, die überall rumwuseln“ sagt der Leiter, der ebenfalls ehrenamtlich dabei ist.

Natürlich koste so ein Unterfangen viel Zeit, Kraft und Nerven. Er hoffe auf die „Breitenwirkung“ eines solchen Unternehmens und auf die Netzwerke, die dadurch entstünden. Das Einstudieren des Musicals verstehe er als einen Knotenpunkt im Netz, das den Glaubensraum Rüdersdorf – Erkner – Hoppegarten – Petershagen verbindet.

Wie hoch die Motivation ist, wurde am Ende der gut dreistündigen samstäglichen Probe eindrucksvoll deutlich. Geprobt wurde bis kurz nach 13 Uhr. Danach hieß es für einen der Instrumentalisten, sich schnell umzuziehen. Denn um 14 Uhr begann in der Petershagener Kirche eine Silberhochzeit, an der er als Familienmitglied teilnahm. „Beeindruckend, oder?“, meint Sebastian Aehlig und lacht.

Aufgeführt wird „Franziskus. Ein Heiliger und ein Papst“ am 16. November um 17 Uhr in St. Hubertus in Petershagen (Elbestraße 46/47) und am 23. November um 17 Uhr in St. Bonifatius in Erkner (Hessenwinkler Straße 2).