Auf die Schuhe scheint es anzukommen. Tragen die Päpste rote Schuhe oder handgemachte edle schwarze Schuhe oder orthopädische Schuhe? Sehr oft wurde dieses Thema in den letzten beiden Monaten in Zeitungen und Illustrierten, im Radio, Fernsehen und den sozialen Medien besprochen. Und kaum ein Interview rund um die Wahl von Papst Leo XIV. hat so viel Aufmerksamkeit gefunden, wie das Gespräch mit einem der „päpstlichen Schuhmacher“.
Ich arbeite seit über 40 Jahren in der Katholischen Kirche, habe mich aber bis jetzt für das Thema „Die Schuhe des Papstes“ nicht interessiert. Warum sind sie rot? Muss man das wissen, und wen interessiert es? Und warum sollte der Papst, wenn er wie andere Menschen aufgrund seiner Füße keine edlen Designerschuhe tragen kann, nicht bequemes orthopädisches Schuhwerk nutzen?
Wie viele andere Themen, die in der Öffentlichkeit gehypt und gepuscht werden, interessieren mich die Schuhe der Päpste noch immer überhaupt nicht. Schuhe machen einen Papst nicht besser und nicht schlechter, nicht kompetenter und nicht wirkungsvoller. Stattdessen kommt es auf den Boden an, auf dem der Papst und jeder andere Mensch steht. Und darauf, dass er überhaupt steht und nicht über dem Boden, auf dem Menschen leben, schwebt.
Was würde Jesus zu dem Thema „Schuhe und Boden des Papstes“ vielleicht sagen? Möglicherweise würde er an die Erfahrung erinnern, die der Prophet Mose, der für Juden, Christen und Muslime bedeutsam ist, gemacht hat. Am Berg Sinai hört er die Aufforderung, seine Schuhe auszuziehen und den heiligen Boden barfuß zu betreten. Für Gott ist jeder Ort der Welt heiliger Boden, weil er dort anwesend ist. Deshalb enthält jedes Stückchen Erde weltliche und himmlische, menschliche und göttliche Ansichten und Aussichten. Auf diesem Boden gut geerdet zu stehen, darauf kommt es an.