Die Reihe der Tage, an denen Menschen auch in Berlin besonders an die Toten denken, endet am kommenden Sonntag mit dem Totensonntag. Unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion oder politischer Ausrichtung: Wenn ein Mensch stirbt, betrifft es immer auch einen anderen Menschen. Kürzlich, am Allerseelentag, habe ich auf einem der Berliner Friedhöfe folgendes erlebt: Auf dem Gräberfeld, auf dem obdachlose Menschen begraben werden, stand ein Obdachloser, der langsam von Namenschild zu Namenschild ging. Ob er in dem Schilderwald nach einem konkreten Verstorbenen suchte? Dieser Obdachlose zeigte mir, dass auch diese Toten, die oft ohne Angehörige, ohne Freundinnen und Freunde in Stille beigesetzt werden, nicht vergessen sind.
Nicht zu vergessen, heißt sich erinnern. Irgendwie sind die Toten noch da: auf Fotos in unseren Fotoalben, auf einer Festplatte oder einem Stick; in unseren Gedanken und in unserem Herzen. Wir können sie nicht mehr bewegen, aber sie bewegen uns. Wir wissen nicht, was aus ihnen geworden ist. Wie so oft, müssen wir mit der Frage umgehen: Was nun? Wir sind noch da, die Toten sind weg.
Nicht nur, wenn es um die Toten geht, ist es schwierig, Zwischenzustände auszuhalten. Was nun? Das fragten sicher auch die Menschen am 20. November 1966 im Kanton Zürich, als die Mehrheit der Bevölkerung gegen das Frauenwahlrecht stimmte. Was nun, das fragten sich nicht nur Spanierinnen und Spanier, als heute vor 50 Jahren der spanische Diktator Franco starb. Was nun, fragen wir uns häufig und müssen damit leben, Fragen zu stellen, auf deren Antworten wir lange warten müssen. Vielleicht würde Jesus heute sagen: Schaut auf Zürich oder Spanien oder in eure Nähe, wo etwas gut ausgegangen ist. Lasst euch in Zwischenzuständen nicht von Angst beherrschen, sondern von Demut, Mut und Vertrauen.