Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Ausgehend von einer Heiligen oder einem Heiligen sprechen Christinnen und Christen einen Gedanken mitten in die Woche hinein, der zum Nachdenken, zum Nachlesen anregt oder Wegbegleiter für die restliche Woche sein kann.

Zeitraum von:

Zeitraum bis:

01. Februar 2023

P. Alfred Delp

Gedenktag: 2. Februar

In Zeiten des allgemeinen Zusammenbruchs pflegt man meist nur an das eigene Überleben zu denken. Sich über den Augenblick hinaus Gedanken über die Zukunft zu machen, erfordert in jedem Fall eine besondere Seelenstärke, aber in einer totalitären Diktatur kann es ein todeswürdiges Verbrechen sein. Dies musste der Jesuitenpater Alfred Delp (1907-1945) erfahren. „Wir werden gehenkt, weil wir zusammen gedacht haben”, so drückte es sein Mitgefangener Helmut Graf von Moltke aus.  

Delp hatte im „Kreisauer Kreis” mitgearbeitet, der sich Gedanken über ein Deutschland nach dem Nationalsozialismus machte; und unter den Jesuiten dieses Kreises war er der führende Kopf und Ideengeber. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 rieten ihm seine Mitbrüder, sich zu verstecken. Er lehnte ab, wahrscheinlich weil er die Gefahr für sich unterschätzte, da er an diesem Attentat nicht beteiligt war und nicht damit rechnete, dass allein schon Überlegungen über eine Ordnung nach der NS-Diktatur an den Galgen brachten. Dies wurde ihm zum Verhängnis. Hinzu kam, dass er es ablehnte, sein Leben zu retten, indem er aus dem Orden austrat, und stattdessen die „letzten  Gelübde” noch in der Gefängniszelle ablegte. Durch den berüchtigten Roland Freisler, den Präsidenten des Volksgerichtshofes, zum Tode verurteilt, wurde er am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee erhängt.

Delp war sicher kein bequemer Mitbruder, am wenigsten für seine Oberen. Aber was mich an seiner letzten Haltung besonders beeindruckt, ist die von innerer Freiheit geprägte lebens- und zukunftsbejahende Einstellung, in welcher er sowohl einem Überleben wie seinem Tod einen Sinn abgewinnen konnte:

„Das Leben hat ein Thema bekommen, für das sich leben und sterben läßt... Wenn ich sterben muß, ich weiß wenigstens warum. Wer weiß das heute von den vielen... Und wenn ich leben darf, weiß ich auch, wozu ich ausschließlich da bin in Zukunft.”

 

P. Klaus Schatz SJ

25. Januar 2023

Hl. Wolfram

Gedenktag: 25. Januar

Im Heiligenkalender gibt es zwei Tage für Wolfram: am 25. Januar und am 20. März. Der Heilige Wolfram, der vor 865 Jahren starb, war der erste Abt der Prämonstratenserabtei Wadgassen im Saarland. Die Abtei war ein bedeutendes geistliches Zentrum in der Region. Nachdem sie 1792 geschlossen wurde, riss man die Gebäude überwiegend ab. Auf dem Gelände entstand erst eine Fabrik, heute öffnet dort ein Zeitungsmuseum seine Türen.

Es scheint so, als ob die Anstrengungen von Abt Wolfram, dauerhaft das Christentum an diesem Ort zu etablieren, vergeblich gewesen seien. Manchmal frage ich mich das auch: Was bleibt vom Bemühen, meinen Glauben weiterzugeben? Wir sind mit unserem christlichen Glauben in der ostdeutschen Diaspora längst die Minderheit in der Gesellschaft. Unser missionarisches Wirken wirkt häufig wie das Strampeln im Hamsterrad.

In der Kirche in Hamburg, zu deren Gemeinde ich als Jugendlicher gehörte, stand innen als umlaufender Text im Kirchenraum der Vers aus dem Hebräerbrief 13, 14: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Dieser Vers hat sich mir tief eingeprägt und erinnert mich daran, dass unsere Perspektive mehr umfasst als sichtbarer Erfolg. Gottes Handeln bewirkt mehr als wir im täglichen Leben leisten können.

Dr. Wolfram Diederichs, Teilbereich Verwaltungsleitungen, Ordinariat

18. Januar 2023

Hl. Agnes

Gedenktag: 21. Januar

Die Hl. Agnes lebte im dritten Jahrhundert nach Christus und stammte aus einer römischen Adelsfamilie. Der Legende nach hat sie sich als 12-jähriges Mädchen geweigert, den Sohn des Stadtpräfekten zu heiraten, da sie sich Jesus Christus versprochen hatte. Trotz vieler Drohungen und Demütigungen, Vergewaltigungs- und Verbrennungsversuchen ist sie standhaft geblieben; dafür wurde ihr schließlich mit dem Schwert die Kehle aufgeschlitzt, auf die gleiche Art, wie man Lämmer tötet. Daher erscheint in Brauchtum und Ikonographie die heilige Agnes oft in Verbindung mit einem Lamm (lateinisch agnus) und manchmal auch mit dem Schwert. Dennoch gibt es über ihr Leben und Sterben keine sicheren Nachrichten. Agnes gilt als Schutzpatronin für junge Mädchen, (geweihte) Jungfrauen, Verlobte und Ordensfrauen. Sie wird im Hochgebet und in der Allerheiligenlitanei als eine der ersten Märtyrerinnen gewürdigt.

Als Kind fand ich weder meinen Namen noch den Märtyrer-Gedanken, für den Glauben hingerichtet zu werden, besonders attraktiv oder nachahmenswert. Ich kannte niemanden, der Agnes hieß und beim Gegenüber weckte der Name Assoziationen mit altbackenen Großmüttern oder verstorbenen Großtanten. Ich wollte nichts Besonderes sein und schon gar nicht über meinen Namen hervorstechen.

Erst im Firmkurs beschäftigten wir uns mit unseren Namensheiligen intensiver und ich war erfreut, eine mutige, standhafte und entschlossene junge Frau als Namenspatronin zu haben, die sehr selbstbewusst und entgegen dem Mainstream für ihre religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen einstand. Seitdem bin ich versöhnter mit meinem Namen.

Vor vier Jahren erblickte an meinem Namenstag mein jüngster Sohn Jonah das Licht der Welt und so feiern wir seitdem gemeinsam seinen Geburtstag und meinen Namenstag.

Agnes-Maria Streich
Referentin Teilbereich Ausbildung und Diözesanstelle Berufungspastoral


11. Januar 2023

Hl. Tatiana

Gedenktag: 12. Januar

Die Heilige Tatiana von Rom war Tochter eines römischen Konsuls und ist als frühchristliche Märtyrerin aufgrund ihres Glaubens getötet worden. Da sie sich zum christlichen Glauben bekannte, wurde sie dem Kaiser Septimus Severus vorgeführt, der Konvertiten streng bestrafte. Der Legende nach betrat sie mit ihm gemeinsam einen Tempel. Als sie zu beten begann, zerbrachen alle Götzenbildnisse. Sie wurde daraufhin gefoltert und ins Feuer geworfen. Als ihr all das nichts anhaben konnte, ließ der Kaiser sie enthaupten.

Als Kind empfand ich Märtyrer: innen - Legenden aufgrund ihrer Brutalität in erster Linie abschreckend und auch der Wille, für eine Überzeugung in den Tod zu gehen, ist mir immer ein wenig fremd geblieben. Insofern war mir meine Namenspatronin nie eine wirkliche Identifikationsfigur.

Dennoch bewundere ich Menschen, die damals wie heute friedlich für ihre religiösen oder weltlichen Überzeugungen - trotz Androhung von teils tödlicher Gewalt – eintreten: Iraner: innen, die für ihre Menschenrechte in einem theokratischem Staat kämpfen, religiöse Minderheiten, die sich für die Ausübung ihres Glaubens einsetzen und gegen Unterdrückung kämpfen oder ein Jesuitenpater, der für die Bewahrung der Schöpfung eintritt, indem er die Klimaproteste der „Letzten Generation“ unterstützt.
Sie alle sind unentbehrliche Kämpfer: innen für eine Welt, in der Mensch und Natur in Würde miteinander existieren können.

Neben Aktivismus und Überzeugung braucht es in gleicher Weise Institutionen, die sich solidarisch zeigen und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel dafür einsetzen, Kämpfer: innen für eine lebenswertere Welt zu unterstützen. Kirche sollte eine von ihnen sein.

Tatjana Moser

24. November 2022

Hl. Märtyrer von Vietnam

Gedenktag: 24. November

Am 24. November feiern die vietnamesischen Katholiken ein großes Fest: Es ist der Gedenktag der 117 Märtyrer aus Vietnam oder auch „St. Andreas Dung-Lac und Gefährten“ genannt, die zwischen 1745 und 1862 das Martyrium erlitten.

Im 20. Jahrhundert wiederholte sich die Geschichte auf die eine oder andere Art und Weise. Bis heute ist das Ausüben des christlichen Glaubens in Vietnam nicht immer selbstverständlich.

Zu erwähnen ist für unsere Gemeinde der Märtyrer Petrus Vu Dang KHOA, Priester (1790 – 24.11.1838). Für und mit ihm feiern wir seit den letzten Jahren eine eigene Prozession. Petrus Vu Dang KHOA stammte aus Thuận Nghĩa, Nghệ An. Er hatte sich in der Gefangenschaft verweigert, die Verstecke der Gläubigen zu verraten. Er weigerte sich auch seinen Glauben an Jesus Christus zu leugnen. In der Verurteilung des Kaisers stand: „Der Priester Vũ Đăng Khoa hat sich geweigert, über das Kreuz zu treten, daher wird er zum Tode verurteilt.“

Wir sind eingeladen, selbst Zeugen des Glaubens und der Liebe zu sein. „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20).

Phuoc van Ho

Vorsitzender der katholischen vietnamesischen Gemeinde in Berlin

16. November 2022

Hl. Elisabeth

Gedenktag: 19. November

Die heilige Elisabeth, thüringische Markgräfin im 13. Jahrhundert, ist für viele verbunden mit dem „Rosenwunder“:

Elisabeth eilt von der Wartburg in die Stadt, um den Ärmsten Brot zu bringen. Ihr Mann, Graf Ludwig, ist mit ihrer unstandesgemäßen Armenfürsorge nicht einverstanden. Deshalb verbirgt sie das Brot in ihrem Mantel. Unvermutet tritt Ludwig ihr in den Weg und fragt sie, was sie da im Mantel verberge. Als sie ihn zurückschlägt, hat sich das Brot in Rosen verwandelt – und Ludwig ist beschämt.
Diese idyllische Legende hat zwei Haken. Einerseits wissen wir, dass Ludwig sehr wohl Verständnis für seine Frau hat. Er lobt sie sogar, dass sie in einem Hungerjahr die gräflichen Kornvorräte an die Hungernden verteilt.

Zum anderen ist Elisabeths Sorge für die Armen überhaupt nicht idyllisch. Ihre Hofleute reagieren ablehnend, weil Elisabeth die Armen in ihren stinkenden Hütten aufsucht, beschenkt, wäscht und füttert und ihre Wunden versorgt. Almosen ja, aber doch nicht dieses unstandesgemäße Verhalten!
Realistischer ist deshalb eine andere Begebenheit:

In der Nachfolge Christi und dem Beispiel des heiligen Franziskus folgend will Elisabeth eine Arme unter Armen sein. Sie verwendet ihr Vermögen für die leidenden Menschen, verlässt nach dem Tod ihres Mannes die Wartburg, auch um der Feindschaft ihrer Familie zu entgehen, und führt selbst ein Leben in Armut. In dieser Lage, so wird erzählt, begegnet sie an einer Fuhrt über einen stinkenden Bach einer armen alten Frau, der sie einmal geholfen hat. Die Fuhrt ist eng, eine der Frauen müsste ausweichen. Da stößt die Alte Elisabeth in den Dreck und sagt sinngemäß: Wenn du keine Gräfin sein willst, dann hast du auch keine Vorrechte. Und besser hättest du uns als gute Gräfin geholfen und dich nicht selbst arm gemacht.

Die Frage ist berechtigt: Hätte Elisabeth nicht mehr erreichen können als umsichtige, kluge Markgräfin ?
Vielleicht. Aber ich glaube nicht, dass wir uns dann noch heute an sie erinnern würden. Sie wäre nur eine von denen, die es auch damals gab, die den Armen helfen wollten, im übrigen aber in ihrem Stand und Wohlstand verharrten. Gerade weil sie das alles aufgab und sich den Armen gleich machte, bleibt sie mir im Gedächtnis. Sie bleibt mir eine ständige Herausforderung, ob nicht mehr möglich ist als Almosen und Wohltätigkeit.

Mario Junglas
Lehrbeauftragter an der KHSB

09. November 2022

Hl. Martin

Gedenktag: 11. November

St. Martin? Na klar, kenne ich: das ist doch der mit dem Mantel und dem Gänsebraten, mit dem Pferd und den Laternen, mit dem Schwert und dem Bischofsstab…. Endlich mal ein Heiliger, den man nicht lange erklären muss. Oder?

Vor gut 1700 Jahren im heutigen Szombathely (Ungarn) geboren, wird Martin im Alter von 15 Jahren Soldat. Mit ca. 40 Jahren verlässt er aus Gewissensgründen das Militär. Zu diesem Zeitpunkt sind sage und schreibe 18 Jahre vergangen, seit sich das zugetragen haben soll, was alljährlich besonders von Kindern gefeiert wird: um einem frierenden Bettler zu helfen, teilt Martin seinen Offiziersmantel. Also einer, der, obwohl er auf einem hohen Ross sitzt, nicht blind oder kurzsichtig gegenüber Hilfebedürftigen geworden ist. Das Bild des Bettlers verwandelt sich anschließend in Martins Traum in Christus, der nun dieses Mantelstück trägt. Ein Traum, der ein Leben veränderte?

Es war wohl eher seine von Anfang an bescheidene Lebenseinstellung, sein Gerechtigkeitssinn, seine Ausstrahlung, die schließlich bei vielen die Hoffnung weckte, dass er an (klerikaler) Schnittstelle - als Bischof - viel Gutes bewirken könne. Die Geschichte beweist das vielfältig. Er hat nicht enttäuscht. Seine Anwesenheit wirkte oft heilend. Seine Saat fiel oft auf fruchtbaren Boden. Sein Weg: Soldat, Einsiedler, Klostergründer, Heiler, Bischof, Missionar.

Vor 12 Jahren stand ich an der Grabstätte des Hl. Martin im französischen Tours in der Krypta der Basilika, die ihm geweiht ist. Nicht nur die zahlreichen Gebete und Dankesworte an den Wänden und Gewölbebögen über den Kapitellen, sondern auch die Heiligkeit dieser Stätte ließen mich eine besonders tiefe Andacht empfinden.
Immer mehr Menschen suchen in der heutigen Zeit auf Pilgerwegen nach Gott und nach sich selbst. Am bekanntesten ist wohl der „Jakobsweg“. Weniger bekannt ist der „Martinusweg“, der vom Geburtsort bis zum Grab des Hl. Martin durch insgesamt 6 Länder führt. Vielleicht eine Alternative? Wem das zu weit ist, der kann ja erst einmal bei einem der unzähligen Martinsumzüge vor der eigenen Haustüre beginnen und - St. Martin nacheifernd - mit Güte und Frieden im Herzen ein Stück frohe Botschaft und Licht in die Welt tragen.

Martin Rathmann

02. November 2022

Sel. Bernhard Lichtenberg

Gedenktag: 5. November

„ … ein mutiger Mensch … er hat sich eingemischt, Ungerechtigkeiten nicht hingenommen, … sehr aufrichtig … unbeirrbar … er hat öffentlich Widerstand geleistet … in unglaublicher Konsequenz … für sich selbst sehr bescheiden, für andere stets großzügig …“

Das sind Gedanken, die Menschen in Erinnerung an Bernhard Lichtenberg bei unserer letzten Pfarreiratssitzung in den Sinn kamen. Vor vier Jahren bei der Suche nach einem Namen für unsere Pfarrei Berlin Mitte wurden in den Gemeinden Voten gesammelt; mehr als die Hälfte machten den Vorschlag ‚Bernhard Lichtenberg‘. Es blieb kein Zweifel, dass er es sein sollte, der uns in Zukunft Orientierung und Vorbild ist.

Bernhard Lichtenberg (* 3.12.1875) wurde im schlesischen Ohlau in der politisch sehr aufregenden Zeit des Kulturkampfes geboren. Besonders geprägt haben ihn das tägliche Beten und das häufige Debattieren in Familie und Gemeinde, auch die Freude am Wandern und Reisen.

Schon in seiner Kindheit war sein Berufungsweg für ihn klar: Nach dem Theologiestudium in Breslau erhielt er 1899 die Priesterweihe, stellte sich dann mit großem Engagement als Kaplan bis hin zum Dompfarrer in den Dienst der Kirche von Berlin. An St. Hedwig übernahm er seine Aufgabe im Jahr 1932, kurz bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Sein kompromissloser Einsatz gegen das Unrecht, dass er nun um sich her wahrnahm, bewegte ihn trotz allem Risiko dazu, beim Abendgebet in der Hedwigskathedrale öffentlich für die Juden, die Soldaten beiderseits der Grenzen und die Gefangenen in den Konzentrationslagern zu beten, was ihn schließlich wegen „Volksverhetzung“ hinter Gitter und in den Tod führte. Alles im Lichte Jesu Christi betrachtend und Seinem Geist folgend ging er furchtlos diesen Weg.
Was für eine Persönlichkeit, die auf mich wirkt wie ein Fels in der Brandung. Vermutlich würde ich mich heute theologisch gelegentlich an ihm reiben. Aber seine Authentizität erscheint mir einzigartig und in heutigen Tagen noch selten so vorfindbar.

Seine Klarheit, seine Verlässlichkeit, sein eindeutiges Eintreten für die Würde jedes Menschen: Ist es vielleicht genau das, was unsere Kirche und unsere Welt wieder mehr bräuchte in diesen turbulenten Zeiten?

Paula von Loë
Gemeindereferentin in der Pfarrei Bernhard Lichtenberg


26. Oktober 2022

Hl. Tabitha

Gedenktag: 25. Oktober

“Tabea”. Meine Oma musste sich meinen Namen zuerst aufschreiben, um ihn nicht zu vergessen, da er so selten war. Auch heute noch muss ich ihn manchmal mehrfach in unterschiedlicher Weise betont wiederholen, um nicht bei anderen Namen zu landen und freue mich immer sehr, wenn ich eine Namensgenossin treffe.  Auch Spitznamen sind spannend, denn von Abkürzungen wie Tabi, Tabsl, über Tabeline bis hin zu Tabaluga habe ich schon vieles gehört, meist bleibt es jedoch Tabea.

Dass ich einen eigenen Namenstag habe, wusste ich lange nicht und habe daher meinen Zweitnamen gefeiert. Ich fand eine Zeitlang meinen Namen seltsam. Auch die Übersetzung „Gazelle“ ließ mich nicht so richtig mit ihm warm werden.

Die biblische Geschichte meiner Namenspatronin ist jedoch spannend. Sie wird von Petrus vom Tod auferweckt! Tabitha - in einer anderen Übersetzung Tabea – war eine selbständigen und sozial engagierten Frau aus Joppe, dem heutigen Jaffa bei Tel Aviv. Sie war in ihrem Dorf – in dem ich tatsächlich unwissentlich der Geschichte schon war – sehr beliebt. Sie gab reichlich Almosen, nähte Kleidung und wird ausdrücklich als Jüngerin Jesu bezeichnet. Während Petrus im Nachbarsort Lydda - meine kleine Schwester heißt Lydia, welch Zufall -  war, starb sie und Petrus wurde geholt. Er schickte alle Anwesenden hinaus und forderte sie auf, aufzustehen. Sie öffnete die Augen und setzte sich auf. Auch das passt so gar nicht zu mir, zumindest wenn mein Wecker klingelt.

Mittlerweile mag ich meinen Namen. Er ist anders, besonders. Da seine Bedeutung auch in der wörtlichen Übersetzung keinen direkten Bezug zu meinem Leben herstellt, geht mein Blick auf Tabitha. Sie zeigt mir, worauf es als Christin ankommt: So bemühe ich mich um Offenheit, Engagement, Liebe, Vertrauen und Sorgfalt.

Tabea Uhl, Studentin, Quickborn-Arbeitskreis

19. Oktober 2022

Hl. Hedwig

Gedenktag: 16. Oktober

Die Heilige Hedwig von Schlesien, deren Fest am 16. Oktober gefeiert wird, wurde im Jahr 1173 auf Burg Andechs in Bayern geboren. Bereits im Jahr 1188 wurde sie, wie es im Mitteltalter üblich war, als junges Mädchen verheiratet und zog aus dem christlichen Bayern zu ihrem Gemahl, Herzog Heinrich I. nach Schlesien, was zu diesem Zeitpunkt noch nicht christianisiert war. Nach einem bewegten und von vielen Schicksalsschlägen belasteten Leben, verstarb sie am 15. Oktober 1243 und wurde bereits im Jahr 1267 von Papst Clemens IV. heiliggesprochen.

Die Heilige Hedwig ist die Namenspatronin unserer beiden Krankenhäuser, des St. Hedwig-Krankenhauses in Berlin-Mitte und des Krankenhauses Hedwigshöhe in Berlin-Treptow, die zusammen die St. Hedwig Kliniken Berlin bilden. Vordergründig ist die Namensgebung sinnfällig, wurde doch das St. Hedwig-Krankenhaus vor nunmehr 176 Jahren auf Initiative der damals einzigen katholischen Kirchengemeinde in Berlin – St. Hedwig – gegründet.

Ein Blick auf die Heiligengeschichte der Hedwig von Schlesien offenbart aber auch einige inhaltlichen Bezüge zwischen der Heiligen und den St. Hedwig Kliniken. So heißt es, dass Hedwig u. a. an der Verbreitung christlichen Gedankenguts arbeitete und hingebungsvoll den Armen und Kranken im Volk diente – wenn das nicht eine echte Vorbildfigur für kirchliche Krankenhäuser auch in unserer Zeit ist! Denn kirchliche Krankenhäuser müssen nach meiner festen Überzeugung heute mehr denn je Orte menschlicher Zuwendung, ja Hingabe sein; Orte, an denen Menschen – Patienten, Angehörige und Mitarbeitende – spüren können, dass es diesen menschenfreundlichen Gott gibt, als verborgene Quelle hinter jener menschlichen Zuwendung, die dort erfahren wird.

Das mag merkwürdig klingen, wenn in Zeiten zunehmender Ökonomisierung von Gesundheits –und Daseinsfürsorge ausgerechnet ein Klinikmanager solche Töne anschlägt. Aber tatsächlich muss es genau darum gehen, wenn kirchliche Krankenhäuser heute und in Zukunft einen Platz in unserer inzwischen doch sehr säkularisierten Gesellschaft behalten sollen. Hedwig von Schlesien hat mit ihrem Leben ein Zeugnis für die Liebe Gottes zu den Menschen abgegeben – und ist dafür heiliggesprochen worden. Auch wenn heutzutage viele in unseren Reihen keine bekennenden Christen - und wir auch keine Heiligen – sind, geht es uns in den St. Hedwig Kliniken Berlin darum, Hedwig in ihrem Wirken, in ihrem Zeugnisgeben, mit unserer zeitgemäßen Übersetzung nachzueifern.

Alexander Grafe
Geschäftsführer der Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin