Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Ausgehend von einer Heiligen oder einem Heiligen sprechen Christinnen und Christen einen Gedanken mitten in die Woche hinein, der zum Nachdenken, zum Nachlesen anregt oder Wegbegleiter für die restliche Woche sein kann.

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28. Juli 2021

Hl. Ignatius – Was will ich wirklich?

Ignatius von Loyola war Offizier der spanischen Armee. 1521 wurde er bei einem Gefecht so schwer am Bein verletzt, dass er nur knapp dem Tod entkam und monatelang im Krankenbett lag. Er fühlte sich frustriert, war er doch in den Krieg gezogen, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Doch nun blieb sein Bein – trotz mehrerer Operationen – verwachsen. Ihm war klar: Er würde für immer Schmerzen haben und humpeln. Er empfand sich als entstellt. Seine hochgesteckten Ziele sah er verfliegen.

In dieser Lebenskrise war Ignatius auf sich zurückgeworfen, hatte aber auch die Chance, sich mit seinen tiefsten Sehnsüchten zu beschäftigen: mit dem, was ihn wirklich anzog und antrieb. Er fragte sich, was er eigentlich erreichen wollte. Dabei stellte er fest, dass er bisher einer Illusion hinterhergelaufen war. Um sich neu auszurichten, verließ er seine Heimat und machte sich auf eine Pilgerreise nach Jerusalem. Damals veränderte sich sein Leben für immer.

Und was ist mit unserem Leben heute? Viele unserer Ziele und Überzeugungen übernehmen wir von anderen Menschen – im Guten wie im Schlechten. Was Familie, Freundeskreis und Arbeitsplatz uns mitgeben, prägt unser Denken und Fühlen. Werbung und Medien beeinflussen uns ebenfalls. Manchmal lassen wir uns treiben und merken es nicht einmal. Manchmal kommen wir uns wie ferngesteuert vor. Wir spüren, dass wir nicht wir selbst sind. Was wollen wir wirklich? Wonach sehnen wir uns?

Ignatius hat sich durch eine Krise zum ersten Mal tiefer erkannt. Sein Beispiel zeigt, dass es möglich ist, oberflächliche Selbstbilder zu durchschauen und einen ungeahnten neuen Lebenssinn zu finden. Wir können – auch ohne Lebenskrise – auf unsere innere Stimme hören lernen und so unseren eigenen Weg finden. Wem das gelingt, lebt wirklich.

Jan Korditschke SJ, Leiter der Katholischen Glaubensinformation (KGI) des Erzbistums Berlin

21. Juli 2021

Hl. Maria Magdalena – Apostelin der Apostel

Ein bisschen enttäuscht war ich schon, als mir durch eine Hausaufgabe in der Grundschule klar wurde, dass die Bedeutung meines Namens „die aus Magdala“ ist. Na toll! Andere hatten Zuschreibungen wie „die Schöne“, „der Prächtige“ oder „die Weise“ herausgefunden. Dabei war mir von meinen Eltern immer wieder mitgegeben worden, dass ich eine der größten und bedeutendsten Namenspatroninnen an meiner Seite wissen durfte.

In der Kunst wird Maria Magdalena meist als reuige Sünderin dargestellt. Sie ist oft in rot gekleidet: Der Farbe der Liebe, aber ebenso der Prostituierten. Wenn man in der Bibel nach solch einer Maria Magdalena sucht, wird man feststellen, dass es sie so gar nicht gibt. Diese Interpretation als die Jesus salbende Sünderin entsteht erst im 5. Jahrhundert und setzt sich aus verschiedenen Frauenfiguren des Neuen Testaments zusammen. 

Sie und weitere Frauen begleiteten Jesus und unterstützen ihn zusätzlich mit ihrem Privatvermögen. Noch bis vor nicht allzu langer Zeit wurde gemeinhin interpretiert, dass die weiblichen Begleiterinnen Christus mit Tätigkeiten wie waschen, kochen, putzen unterstützt haben könnten. Heute gehen viele Forscher:innen davon aus, dass Jüngerinnen dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen bekleideten: Jesus nachfolgen, die frohe Botschaft verkündigen, sich den Kranken und Ausgestoßenen zuwenden und predigen. Maria Magdalena war also wohl eine enge Vertraute Jesu und obendrein finanziell und familiär unabhängig. Sie ist eine der wenigen Frauen der Bibel, die nicht über ihre Zugehörigkeit zu einem Mann oder ihre Kinder, sondern über ihren Heimatort identifiziert wird: Magdala ist sehr wahrscheinlich das heutige „Migdal“ am See Genezareth.

Während der Passion kommt Maria Magdalena in den biblischen Erzählungen eine herausgehobene Stellung zu. Sie schaffte es, nicht von seiner Seite zu weichen, obwohl sie dadurch ihre eigene Verurteilung riskierte. Drei Tage später war sie eine der ersten Zeuginnen der Auferstehung. Sie erhält den Auftrag, den anderen Jünger:innen die Osterbotschaft zu verkünden, das macht sie sogar zur Apostelin.

Papst Johannes Paul II. griff ihren im Laufe der Jahrhunderte eher in den Hintergrund getretenen Apostelinnen-Status wieder auf, bevor Papst Franziskus im Jahr 2016 den Gedenktag der Maria Magdalena (22. Juli) zum Fest aufwertete und sie liturgisch damit den Aposteln endgültig gleichsetzte.

Maria Magdalena: Ihr Name hat keine spannende Übersetzung, ihr Leben aber ist Zeugnis für umso mehr: Eine enge Verbindung zu Jesus, mit einem hohen Maß an Treue, Stärke, Mut, Aufopferungsbereitschaft und Konsequenz – Frauenpower eben. Sie steht damit in guter Gesellschaft mit den vielen weiteren Frauen und Männern, die ihr Leben der Verkündigung des Evangeliums verschrieben haben. Auch für mich selbst ist sie darin Vorbild und sicher eine starke Patronin in nächster Nähe des Herzens Christi. 

Magdalena Kiess, Pastoralassistentin

14. Juli 2021

Benedikt von Nursia - Zum Segen für die Kirche in Europa

Lesen Sie manchmal Heiligenkalender?

Unter dem Namen Benedikt von Nursia finden sich darin einige bemerkenswerte Angaben, für welche Anliegen und Menschen dieser Heilige besonders zuständig sei. Er ist Patron der Lehrer und Schüler, der Bergleute und Höhlenforscher; anzurufen bei Fieber, Vergiftungen und Steinleiden.

Das klingt wie die volksfromme Anwendung bestimmter Begebenheiten, die Papst Gregor der Große aus dem Leben des Abtes Benedikt berichtet hat, z.B.:

wie Benedikt mit einem Kreuzzeichen den mit Gift vermischten Wein entlarvt;

wie Benedikt mit Gebet und Gottes Hilfe Wasser aus einem Felsen produziert;

wie er mit seinem Segensgebet unverrückbare Steinbrocken in Bewegung bringt;

wie Benedikts Schüler Placidus durch die Initiative des Abtes vor dem Ertrinken gerettet wird…

Sagen uns diese Geschichten heute noch etwas?

Gemeinsam ist ihnen allen vielleicht, dass der heilige Abt inmitten der alltäglichen Schwierigkeiten und Bedrängnisse Gottes Wirken wahrnimmt und für andere erfahrbar macht. Im betenden Kontakt zu Gott schafft er dem göttlichen Heil Raum, und wird so als „Benediktus“, als Gesegneter, selbst zum Segen für seine Umgebung.

Benedikt wurde um 480 in Nursia, heute Norcia, in Umbrien geboren. Er starb 547 in seinem Kloster Montecassino, ca. 140 km südlich von Rom. Er lebte in der Krisen-Zeit der Völkerwanderung am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter.

Der Name Benedikts steht für ein Lebensprogramm, für die Bestimmung der Mönche und Nonnen, die ihr Leben seiner Klosterregel unterstellt haben, aber nicht nur für sie: Alle Christen dürfen im betenden Kontakt zu Gott sein Heil wahrnehmen und ihm Raum schaffen – zum Segen für die Menschen.

In dieser Intention hat Papst Paul VI. den Heiligen 1964 zum Patron Europas ernannt.

Er könnte in der heutigen Krisen-Zeit der europäischen Kirche ein guter Fürsprecher sein.

Schwester Bernadette Pruß
Kloster Alexanderdorf

07. Juli 2021

Knut - Erik - Olav - die nordischen Heiligen

Der Gedenktag am 10. Juli erinnert uns an die Geschichte der Christianisierung in den nordischen Ländern. Die Könige Olav von Norwegen (+1030), Knud von Dänemark (+1086) und Erik von Schweden (+1160) haben wesentlich dazu beigetragen, dass der christliche Glaube von der Bevölkerung angenommen wurde. Durch ihre Strenge bei der Umsetzung der Moralvorstellungen des Christentums entstanden aber Konflikte mit den Stammesfürsten, die letztlich zum Martyrium der Heiligen Olav, Knud und Erik führten.


Als Beispiel können wir auf Olav II. schauen. Er nahm als junger Mann an wilden Wikingerzügen im Ostseeraum teil, ließ sich aber, bevor er Norwegen zu einem Königreich einte, in der Normandie taufen. In Norwegen setzte er sich zielbewusst für den neuen Glauben und das christliche Recht ein. Letztlich wurde er von Stammesfürsten vertrieben und erlitt bei seinem Versuch der Rückeroberung den Märtyrertod. Nach dem Tod dieses umstrittenen Königs entwickelte sich in Norwegen eine große Verehrung. Mit der Heiligsprechung von St. Olav im Jahr 1031 wurde sein Grab im Nidarosdom in Trondheim zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. 


Pilgerwanderungen auf den Olavswegen erleben heute eine Renaissance. Manche Pilger suchen die heilende Kraft der Natur, andere machen sich auf den Weg nach einem Schicksalsschlag oder einer schlimmen Diagnose, viele suchen die Stille und ein spirituelles Erlebnis, wohl alle fasziniert die grandiose Natur und die Gemeinschaft in den Pilgerhöfen. Das Ziel aller Olavswege ist der Nidarosdom in Trondheim, eine prächtige Kathedrale, die das Nationalheiligtum Norwegens ist. Nach langer Wanderung gelangen die Pilgerinnen und Pilger zu diesem großartigen Gotteshaus. Seine Architektur, die Gemälde und Skulpturen verbindet jeden Besucher mit dem Heiligen vergangener Zeiten.


Hermann Fränkert-Fechter

Vorsitzender des Bonifatiuswerks im Erzbistum Berlin


Buchhinweis:

Sybille Hardegger

„Weiter Himmel – stille Wege. Pilgerwege zu den heiligen Stätten des Nordens“, Hg. Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, Kösel-Verlag

30. Juni 2021

Heiliger Otto, Bischof von Bamberg - Ein Vielgereister

Otto ist für mich ein sehr vertrauter Name und der Heilige Otto ein wichtiger Schutzheiliger – mein Vater hieß Otto und so wurde dieser Namenstag jedes Jahr gefeiert. 

Der heilige Otto ist in seinem Leben sehr viel gereist und kannte die bedeutenden Orte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Er lebte zur Zeit des Investiturstreites und wirkte maßgeblich an den Beschlüssen des Wormser Konkordates von 1122 mit. 

Er war nicht nur ein vielgereister sondern auch ein sehr gut vernetzter Mann mit vielen wichtigen über-regionalen Kontakten, der mit seiner Menschenkenntnis, seiner Empathie und seiner Begabung zur Vermittlung dem Frieden und der Verbreitung des Christentums diente. Sein ausgleichendes Wesen und seine hohe Einsatzbereitschaft verschafften ihm, wo immer er hinkam, rasch Anerkennung und eine erstaunliche Durchsetzungskraft. 


Seine zwei Missionsreisen nach Vorpommern verschafften ihm den Beinamen „Apostel der Pommern“. 

Für unser Pfarrgebiet zwischen der Insel Usedom, den Orten Anklam, Wolgast, Gützkow und Greifswald ist er genau der richtige Patron. Otto hat das Reisen nicht gescheut – unser Pfarrgebiet hat gut 2‘700 qkm. Er hat in unserer Gegend vielfältig gewirkt und deutliche Spuren hinterlassen: Otto hat den Grundstein für die erste Kirche in Gützkow gelegt, der Wartislaw-Gedenkstein steht in der Nähe von Stolpe bei Anklam (Stein zum Gedenken an die Taufe des Pommernherzogs Wartislaw I. durch Otto von Bamberg), das große Otto-Kreuz auf dem Usedomer Schlossberg – für dessen Restaurierung sich jetzt wieder eingesetzt wird – archäologische Funde eines christlichen Friedhofs aus dem 12.Jh. in Usedom, auch in Wolgast hat Otto gewirkt und die Petrikirche steht an der Stelle, an der Otto den heidnischen Tempel niederreißen ließ. 

Otto war gut vernetzt – in einer großen Pfarrei ist es gut einen Patron zu haben, der sich mit Kommunikationswegen auskennt! Auch wenn wir heute weniger mit Pferd und Wagen reisen und weniger Feder und Pergament nutzen – aber für unsere Zeit ist es auch ganz gut so, dass wir schnellere Wege gefunden haben! Die Pfarrei St. Otto Usedom-Anklam-Greifswald freut sich am 30.Juni ihr Patronatsfest feiern zu können – wenn auch Pandemie-bedingt in kleinerem Rahmen – und genau diesen Patron ehren zu können. 

Benita Geiger, Pfarrsekretärin der Pfarrei St. Otto

23. Juni 2021

Heiliger Johannes der Täufer - Ein Leben als Verweis

In der Kirche feiern wir heute den Johannistag – und ich habe heute Namenstag, denn der Heilige Johannes der Täufer ist mein Namenspatron. 

Klar, alle Heiligen Gottes waren besondere Menschen, sonst wären sie nicht heiliggesprochen worden. Aber Johannes der Täufer scheint nochmal eine besondere Position einzunehmen, schließlich ist er neben der Gottesmutter Maria der einzige Heilige, dessen Geburtsfest in der römisch-katholischen Liturgie mit einem Hochfest begangen wird.

Johannes der Täufer war ein Bußprediger, der in der Zeit Jesu in Galiläa und Judäa auftrat und als Wegbereiter Jesu mit eigener Anhängerschaft gilt. Er taufte sogar Jesus im Jordan und ernährte sich der Überlieferung nach von Heuschrecken und wildem Honig. Ein asketischer und irgendwie schräger Typ. 

Was mich an Johannes beeindruckt: Obwohl er auch eigene Anhänger hatte und sich selbst zum Erlöser und Retter hätte erklären können, tat er es nicht, sondern verwies immer auf Jesus: „Er muss wachsen, ich aber geringer werden.“ (Johannes 3,30)

Für mich ist der Hl. Johannes der Täufer ein Vorbild in Sachen Eitelkeit und Entschiedenheit. Ihm ging es nicht um sich, obwohl auch er umschwärmt wurde. Er erlag nicht der Versuchung sich selbst für den größten zu halten, sondern lebte beeindruckend konsequent und entschieden. Für mich stellt sich daher am Johannistag die Frage: Wie kann ich mit meinem Leben auf Christus verweisen? Es muss ja nicht immer ein asketischer Lebensstil mit Heuschrecken und wildem Honig sein… 

Johannes Rogge

16. Juni 2021

Antonius von Padua - Helfer für Verlorenes

Der Hl. Antonius von Padua ist Patron meiner Gemeinde in Potsdam Babelsberg. Sein Leben und sein Zeugnis beeindrucken mich und können auch heute noch Vorbild sein.

1195 wurde Antonius in Lissabon in einer begüterten Adelsfamilie geboren und bekam eine qualifizierte Ausbildung bei den Augustiner Chorherren.

Sein Suchen und Fragen nach Gottesauftrag und Gotteswahrheit führten ihn zu den Franziskanern. Er tauschte sein schickes Augustinergewand gegen eine einfache Kutte, seine finanzielle Sicherheit in Armut und Einfachheit, seine Gebundenheit an seine Heimat um in auf dem Weg sein zu den Menschen.

Über Umwege gelangte er dann nach Italien. Ohne Sprachkenntnisse und Vorteile durch Herkunft und Ausbildung nahm er seinen Weg an. Er wurde der Diener seiner Brüder. Diese erkannten bald seine Redegewandtheit und seine sehr guten Bibelkenntnisse. Er überzeugte durch sein Leben und Handeln. Seine Predigten füllten Kirchen und Plätze, Zweifler und Ungläubige wurden mitgerissen. Sein Reden über Gott gab den Menschen Halt und Zuversicht in unruhigen Zeiten.

Antonius hat in fast allen katholischen Kirchen dieser Welt einen eigenen Platz, und somit dürfte er schon Vielen von uns begegnet sein.  

Durch die Fußwallfahrt unserer Gemeinde nach Padua (2013-2019) bin ich ihm ein ganzes Stück nähergekommen, vertrauter geworden. Er ist ein wichtiger Fürsprecher in Zeiten des Umbruchs und Aufbrechens, um Mut zu finden, Neues zu wagen und doch zu wissen: Gott bleibt Gott, egal was kommt.

So beten wir: Gott lass uns vertrauen wie Antonius und mach uns zu überzeugenden Boten Deiner Frohen Botschaft.

Ida Reinecke
PGR-Vorsitzende von St. Antonius, Potsdam-Babelsberg 


 

09. Juni 2021

Norbert von Xanten - ein einfacher Bußprediger

In Magdeburg und im Land Sachsen-Anhalt wurde ein neuer Landtag gewählt. Viele machen sich vor der Wahl Gedanken, wem sie ihre Stimme geben, und wie die künftige Regierung das Land gestalten wird?


Vor fast 900 Jahren, genau im Jahr 1126, wurde in Magdeburg ein neuer Bischof eingesetzt: Norbert von Xanten. Vom Volk gewählt wurde er nicht, sondern von Papst und König dazu bestimmt. 

Das Leben des Hl. Norbert weist mehrere Brüche auf. Seine gesicherte Laufbahn als gut ausgestatteter Chorherr und Hofkaplan gab er auf und zog als einfacher Bußprediger durch Europa. Wie glaubwürdig seine Predigten und damit er selbst war, zeigt sich daran, dass er bald eine Gruppe von Anhängern um sich scharte und im französischen Prémontré eine Ordensgemeinschaft gründete, die sich schnell in Europa verbreitete: die Prämonstratenser. 1126 wurde er Erzbischof von Magdeburg.


Es wird überliefert, dass er bei seiner Einführung als Bischof in Magdeburg barfüßig erschienen sei. Der Pförtner der erzbischöflichen Palais wollte ihn rauswerfen, weil er meinte, dass es sich um einen Straßenjungen handelte, und für solche sei im erzbischöflichen Palais kein Platz. Als er erfuhr, dass dieser barfüßige Mann wirklich der Erzbischof ist, rechnete er mit seiner Kündigung. Doch der neue Erzbischof antwortete gekonnt: Dann muss der Palais so umgebaut werden, dass auch für solche einfachen Menschen dort Platz ist.


Dadurch hat sich Norbert nicht nur Freunde erworben. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass so mancher Magdeburger ihm später seine Stimme gegeben hat. Und die Zukunft wird sicher auch davon abhängen, ob in den Palais Platz für einfache Menschen ist: in Magdeburg, in unserer Kirche, in unserem Land.


Prälat Stefan Dybowski

02. Juni 2021

St. Bonifatius - ein echter Missionsgeist

St. Bonifatius? Ja – so heißt die Kirche da neben dem Yorck Kino mitten in Kreuzberg! Und wer war das? Gute Frage! Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht viel mehr, als manche wissen: 

Ein echter Missionsgeist, der – wie es mir vorkommt – triumphal durch Germanien zog und – mir schleierhaft wie – schon in den Jahren kurz nach 700 n.Chr. unzählige Bistümer gründete. Das hat ihm den Titel ‚Apostel Deutschlands‘ eingebracht. Dargestellt findet man ihn u.a. mit der Axt in der Hand, zurückzuführen auf eine Legende. Sie besagt, dass durch ihn eine dem Kriegsgott Thor geweihte Eiche fallen musste, um aus ihrem Holz eine dem Hl. Petrus geweihte Kapelle zu bauen...  O je – aus heutiger Sicht nicht nur rühmlich! 

Was unbestritten wie rätselhaft bleibt: Wo hat er diese unendliche Power her mit dieser großen Wirkung, durch die christlicher Geist hier zulande nachhaltig lebendig blieb? 

Im ökumenischen Heiligenlexikon entdecke ich Worte, mit denen er seine Kraftquelle deutlich beschreibt: “So flüchtet unser Geist zu Gott, der durch Salomo spricht: Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit; such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade [Sprüche 3, 5f].“ 

Ja, das ist wohl eine Antwort. Und gleichermaßen eine Ansage. Von dieser heiligmäßigen Haltung sollte ich mir ab und zu eine Scheibe abschneiden. 

Paula von Loe

GR und Geistliche Begleiterin

26. Mai 2021

Wenn Martin Luther und Philipp Neri sich gekannt hätten …?

Was wäre gewesen, wenn er dabei gewesen wäre, als Martin Luther seine Thesen verteidigt hat? – Natürlich sind solche Fragen „Was wäre, wenn …“ immer hypothetisch. Aber eines kann man wohl sagen: So ein Mann, der sich selbst nicht so wichtig genommen, dafür aber den Armen Unterkunft und Nahrung gegeben hat, hätte allen Beteiligten im Ringen um Reformen gutgetan.

Philipp Neri ist im Jahr 1515 geboren, zwei Jahre bevor Martin Luther seine Thesen verkündet hat. Durch seine Nähe zum benediktinischen Kloster Montecassino kam er mit vielen Mönchen in Berührung und wurde schließlich selbst Priester. Doch am liebsten predigte er auf der Straße. Dies tat er in so einfacher und humorvoller Weise, dass er schnell die Aufmerksamkeit, aber auch die Herzen der Menschen für Gott gewinnen konnte. Ich hätte ihn gern als Lehrmeister gehabt. Natürlich hatte er bald einen Fankreis um sich geschart, hatte aber auch heftige Kritiker. Papst Clemens VIII. holte ihn schließlich als Berater für seine Reformen. „Der Spaßmacher oder Narr Gottes“ wurde er oft genannt. 

Vor wenigen Tagen ging in Frankfurt der 3. Ökumenische Kirchentag zu Ende. Bei solchen Kirchenversammlungen wird die Sehnsucht nach der Einheit im Glauben wie auch das Bemühen um Schritte der Annäherung besonders deutlich. Es ist müßig, darüber nachzudenken, ob die Reformation damals anders verlaufen wäre, wenn ein „Eiferer“ und ein „Narr“ zusammentreffen. Unsere Aufgabe ist es, heute Schritte zu gehen, die der Einheit wieder näherkommen. Und dazu braucht es beides: ein ehrlicher Einsatz für das Evangelium und die Demut, dabei sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

Prälat Stefan Dybowski