Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Ausgehend vom Tagesevangelium sprechen Christinnen und Christen einen Gedanken mitten in die Woche hinein, der zum Nachdenken, zum Nachlesen anregt oder Wegbegleiter für die restliche Woche sein kann.

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06. Nov 2019

„Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ (Lk 14,33)

Provokation. Die Radikalität der Worte Jesu fordert mich heraus: Sich von allem und jedem distanzieren, Nachfolge bis zum Kreuz, Verzicht auf allen Besitz. Diesen Rahmen macht er der Menschenmenge klar, die mit ihm mitzieht. Es geht um die innere Freiheit, die mir ermöglicht, dem eigenen Gewissen zu folgen und für Gerechtigkeit und Freiheit einzustehen. Was hält mich davon ab, Jesus so zu folgen?

Christopher Maaß, Prozessbegleitung, Servicestelle Projekte und Prozesse „Wo Glauben Raum gewinnt“

30. Oct 2019

"Man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen."

Etwas besorgt wird Jesus gefragt: „Wie können wir sicher sein, dass wir in den Himmel kommen?“ „Bemüht euch mit allen Kräften“, antwortet Jesus. Und er ahnt schon: Wer meint, sich mit Macht und Status einen Platz sichern zu können, wird vor verschlossener Tür stehen. Wer aber lebt, wie Jesus es vormacht, „wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.“ Was für eine Verheißung. Gemeinschaft mit Gott hat, wer gottgefällig lebt. Egal woher er kommt, wie viel er besitzt. Und welch eine Mahnung an alle, die meinen, äußere Kriterien könnten bestimmen, wer dazu gehören darf und wer nicht.

Diana Freyer
Geschäftsführerin des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin

23. Oct 2019

"Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen."

Der letzte Satz des heutigen Tagesevangeliums löst bei mir bisweilen etwas Unbehagen aus. Anforderungen gibt es ja mehr als genug, sowohl im ehrenamtlichen als auch im hauptamtlichen Dienst in unserer Kirche. Vom sich-selbst-fordern (lassen) / Herausforderungen annehmen bis zur Überforderung kann es ein schmaler Grat sein.

Öfter mal das "ich muss" durch ein "ich darf" ersetzen - so empfahl es kürzlich eine psychologisch bewanderte Freundin. Klingt vielleicht nach einer billigen Patentlösung? Mag sein, kann aber tatsächlich helfen: Wird hierdurch doch der Fokus weg von Pflicht und Druck hin zu meinen Ressourcen und Möglichkeiten gelenkt.
Das entspricht der Zusage, dass Gott "einem jeden von uns seine besondere Gabe zuteilt" - " damit sie anderen nützt" (vgl. 1 Kor 12).

Dabei auf andere zu schielen, die vermeintlich die "besseren Knechte" sind, hilft nicht, im Gegenteil. Lassen wir uns lieber von dem Satz ermutigen, der dem englischen Dichters Oscar Wilde zugesprochen wird:
"Sei Du selbst - denn alle anderen gibt es schon!“

Bettina Schade
Erzbischöfliches Ordinariat - Familienpastoral

16. Oct 2019

„Weh euch Pharisäern! Weh auch euch Gesetzeslehrern!“ (Lk 11,42-46)

Die Pharisäer „selbst rühren keinen Finger dafür“, wohl aber den erhobenen Zeigefinger - sogar WhatsApp bietet uns ein Emoticon dafür. Wie sehr diese Verhaltensweise gegenwärtig und in uns verwurzelt ist, zeigt auch die Fülle an Bezeichnungen: Scheinheiliger, Moralapostel, Frömmler. Gegenteile hierzu fallen mir spontan keine ein. Schade eigentlich, denn sonst würden wir miteinander sicher friedvoller durch das Leben gehen.

Carlo Murru, Veranstaltungsmanagement - Bereich Bistumsinterne Organisation

09. Oct 2019

„Das missfiel Jona und er wurde zornig. Und er betete: Ach Herr…“ (Jona 4,1)

In der Experten-Ehre gekränkt, unverstanden, beleidigt, lässt sich Jona am Rand der großen unheiligen Stadt nieder. Zuschauer, distanziert und nicht bei den Menschen. Er weiß genau, dass Gott anders handelt, nicht so, wie ich es mir ausrechne, größer ist: barmherzig und langmütig.

Gott zeigt sich als der, der auf der Seite des Lebens und des Neuanfangs steht - und mir wie Jona manchmal augenzwinkernd einen Wurm schickt, der meinen engen Kokon der Selbstgerechtigkeit aufnagt.

Christopher Maaß, Kirchlicher Organisationsberater und Prozessbegleiter im pastoralen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“

02. Oct 2019

"Du bist ein Engel!"

„Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte“ . (Mt 18, 4)

"Du bist ein Engel!"  - Momente des Lichts und der Freude, die uns andere schenken, wenn sie aufmerksam fast unscheinbar, unaufdringlich unseren Weg kreuzen. Momente der Gegenwart Gottes! DANKE!

Christopher Maaß
Prozessbegleitung / Kirchliche Organisationsberatung
Servicestelle Projekte und Prozesse "Wo Glauben Raum gewinnt"

25. Sep 2019

Er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen (Lk 9, 1-6)

Wer waren die, denen Jesus zutraute, zu den Menschen zu gehen und vom Reich Gottes zu reden?

Männer und (ich bin sicher auch) Frauen wie du und ich.

Was war denn ihr Auftrag?

Zu den Menschen gehen, mit den Menschen sprechen. Heilen, was kränkt.

Woher hatten Sie denn die Fähigkeiten, so was Anspruchsvolles zu tun?  Welche abgeprüften und verbrieften Kompetenzen hatten Sie denn?

Offenbar keine Zertifikate, aber eine tiefe Glaubenserfahrung. Einen gemeinsamen Weg mit dem, an den sie glauben und der ihnen etwas zutraut. Es ist Christus selbst, der ihnen die Kraft gibt, ihren Auftrag zu leben.

Was haben Sie wohl konkret bei den Menschen, zu denen sie gesandt wurden, gemacht? 

Ich glaube, sie haben erzählt. Sie haben erzählt, was sie erlebt haben und was sie erfüllt. Ich glaube, sie haben von ihren Erfahrungen erzählt, von ihrem Erfüllt-sein, von der erlebten Nähe Gottes. Von dem, der sie verändert hat.

Glaubwürdige Zeugen, die ihren Glauben mitteilen.

Margarete Kümpel
Referentin für Pastorales Personal, Erzbischöfliches Ordinariat

18. Sep 2019

Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen. (Lk 7, 31-35)

Weisheit ist verbunden mit Warmherzigkeit und Wohlwollen, mit der Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen. Wenn es Probleme und Herausforderungen gibt, erahnen weise Menschen die sinnvollste Reaktionsweise – und handeln entsprechend. Lassen wir uns heute berühren – spüren wir, was heute dran ist – lasst uns tanzen mit denen, die mit der Flöte für uns zum Tanz aufspielen und lasst uns weinen mit denen, die Klagelieder singen. Leben im Augenblick, nicht oberflächlich, sondern wahrhaftig!

Uta Bolze
Projektreferentin für Fundraising-Entwicklung, Servicestelle Projekte und Prozesse "Wo Glauben Raum gewinnt"

11. Sep 2019

Selig, ihr Armen! - Weh euch, ihr Reichen! (Lk 6, 20-26)

Ein Prozent der Menschheit besitzt rund 40% des Weltvermögens.

Die ärmsten 50% der Menschheit besitzen 1% des Weltvermögens.

Immer mal wieder beschleicht mich der Verdacht, dass die Geschichten vom Kamel und dem Nadelöhr und von Reich und Arm im Evangelium vielleicht doch genau so gemeint waren wie Jesus sie erzählt hat.

Christoph Kießig
Referent Bereich Pastoral, Erzbischöfliches Ordinariat

28. Aug 2019

Hinten anstellen kann gut tun

„Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Mt 23,12)

In der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf, in der Gemeinde tut es mir gut, zunächst einmal zuzuhören, mitzufühlen, aufmerksam zu sein. Mitunter kann daraus später auch erwachsen, klar und hörbar zu sprechen.
In dem festen Glauben an einen bedingungslos liebenden Gott ist Vordrängeln nicht prioritär.

Dr. Dominik Marienfeld
Pfarrei Herz-Jesu, Berlin-Zehlendorf