Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Ausgehend von einer Heiligen oder einem Heiligen sprechen Christinnen und Christen einen Gedanken mitten in die Woche hinein, der zum Nachdenken, zum Nachlesen anregt oder Wegbegleiter für die restliche Woche sein kann.

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Zeitraum bis:

24. November 2021

Hl. Cäcilia

Über das Leben der Heiligen Cäcilia ist wenig Verlässliches bekannt. Sie gehört zu den vielen Heiligen des 3. Jahrhunderts, um die sich viele Legenden ranken. Cäcilia wusste schon früh, dass sie ihr Leben Gott schenken und jungfräulich leben möchte. Als ihre Eltern für sie einen heidnischen Mann auswählen, erzählt sie ihm in der Hochzeitsnacht, dass er von ihr dahingehend nicht viel zu erwarten habe. Erstaunlicherweise ist Valerian nicht enttäuscht oder wütend, sondern beeindruckt vom tiefen Glauben und der Standfestigkeit seiner Frau, dass er mehr von diesem Gott erfahren möchte. Auch er lässt sich taufen und kümmert sich von nun an mit Cäcilia gemeinsam um Arme und Kranke, aber auch um verfolgte und inhaftierte Christen. Den Christenverfolgern gefällt das gemeinsame caritative Engagement nicht und so werden auch sie verhaftet und zum Tod verurteilt.

Auch viele Jahre später kann Cäcilia heute ein Vorbild sein. Sie wusste, was sie wollte und stellt sich gewissermaßen gegen ihre Zeit. Sie tritt für das ein, was sie bewegt und was ihr wichtig ist – ohne Angst vor möglichen Schwierigkeiten, die ja eigentlich auf der Hand lagen. Ihr tiefer Glaube, ihr unerschütterliches Gottvertrauen und ihre Beharrlichkeit mit sich selbst und ihrem Leben beeindrucken mich und ich wünsche mir auch in der heutigen Zeit mehr Menschen, die redlichen Herzens für ihren Glauben einstehen, der so ‚aus der Mode‘ gekommen zu sein scheint, aber die auch grundsätzlich dem auf die Spur kommen wollen, was sie in ihrem Leben wirklich wollen, was sie trägt und stark macht.

Lange fand ich meinen Namen schwierig – wie oft habe ich ihn buchstabiert und er wurde doch falsch geschrieben… Versöhnt habe ich mich erst im Erwachsenenalter, als ich mir über die starke Verbindung durch ihr Patronat der Kirchenmusik bewusster wurde. (Starke Frauen gibt es in der Kirchengeschichte ja genug, da könnte ich noch ganz anders heißen…) Auch wenn ihr Attribut, die Orgel, vermutlich auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen ist, so fühle ich mich der heiligen Cäcilia durch die Kirchenmusik sehr nah. Schon als Kind begann ich im Mädchenchor der Kathedrale zu singen und singe noch heute im Gottesdienst, wenn es die familiäre Situation zulässt.

Cäcilia Montag
Leiterin der Stabsstelle Seelsorge, Spiritualität und Ethik

17. November 2021

Hl. Gertrud von Helfta

Unser Benediktinerinnenkloster in Alexanderdorf heißt Abtei St. Gertrud und hat sich durch diesen Namen mit der Ordensfrau verbunden, deren Fest wir am 17. November begehen.
Was ist besonders an ihr gewesen? Bis zum 27. Januar 1281 lebte Gertrud ohne große, geistliche Tiefe als Ordensschwester im Kloster Helfta bei Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt. Der Abend dieses Wintertages veränderte ihr Leben. Sie hatte ihre erste Christusvision. Schon mit fünf Jahren war das Mädchen in das Kloster gebracht worden, war dort aufgewachsen und hatte in der Klosterschule eifrig gelernt. Aber in ihrem 26. Lebensjahr nun, wie sie es später selber aufschreibt, wird die undurchdringliche Finsternis in ihr von Licht erhellt. Sie hat diese Stunde in der Dämmerung des Januartages nie vergessen.

Das Datum nennt sie in ihrem Buch „Der Gesandte der göttlichen Liebe“, wo sie von ihrer inneren Bekehrung erzählt. Jetzt erst wurde ihr bewusst, warum sie das Ordenskleid trägt. Sie nahm nun den Dreifaltigen Gott wahr durch die Worte der Bibel, hörte, wie er zu ihr sprach und redete mit ihm. So wuchs ihre geistliche Verbindung mit Jesus Christus als dem Freund, der sie liebt und der ihr hilft. Sie starb im Alter von 46 Jahren.
Gertruds Texte, die zur christlichen Mystik gehören, zeigen Anregungen für das geistliche Leben, obwohl sie doch aus dem 13. Jahrhundert stammen. Ich lese jeden Morgen gern einen Abschnitt aus ihren „Geistlichen Übungen“. Bei Besinnungstagen, die ich im Gästehaus   unseres Klosters anbiete, merkte ich, wie Gertruds Glaubenserfahrungen vielen Menschen Stärkung beim eigenen Suchen nach Gott geben können. Er bleibt derselbe gestern, heute und morgen. Bis heute nimmt Gertrud die Große alle, die ihre Bücher lesen und sich von ihren Übungen leiten lassen, hinein in die Begegnung mit dem göttlichen Geheimnis, das unser Leben umfängt.

Sr. Johanna Schwalbe OSB
Abtei St. Gertrud in Alexanderdorf

11. November 2021

Hl. Martin

Meine Tochter, die an einem Martinstag geboren wurde, hat sich als Kind immer gewundert, dass meine Tante Gisela zuerst mir zum Namenstag und dann erst ihr zum Geburtstag gratuliert hat. Namenstage hatten in unserer Familie sonst eher keine besondere Bedeutung. Möglicherweise hatte die Tante eine spezielle Verbindung zum heiligen Martin.

Neben vielen Besonderheiten seines Lebens – die Wandlung zum „Soldaten Christi“, der um seine Entlassung aus dem Armeedienst bat, sein Vorbild als Mönch und Bischof – beeindruckt bis heute nicht zuletzt die vielen Kinder bei den Martinsumzügen das spontane Teilen seines Mantels mit dem Mann, der ihn nötig hatte. Dieses Teilen ist nicht nur Ausdruck von Barmherzigkeit, es bildet die Grundlage von Solidarität und Gerechtigkeit – wichtige Aufgaben der Kirche und auch der Katholischen Hochschule für Sozialwesen, für die ich arbeite.

Meine Tante hat als junge Frau ähnlich gehandelt wie Martin. Sie hat Kriegsgefangenen aus den Niederlanden auf dem Pfarrgebiet von St. Matthias in Schöneberg - aus der Gemeinde stammt unsere Familie – immer wieder Brot zugesteckt, weil sie mitbekam, unter welch schlimmen Bedingungen sie leben und arbeiten mussten. Sie hat nach dem Krieg niemandem in der Familie davon erzählt, auch nicht später ihren eigenen Kindern und Enkeln. Aber noch bevor sie starb, haben sich einige der Niederländer in St. Matthias gemeldet. Sie waren auf der Suche nach der jungen Frau, die ihnen damals in der Not geholfen hat. Und sie haben sie gefunden. Sie haben sich in Berlin mit ihr getroffen und sie in ihre Heimat eingeladen.

Seitdem ich von dieser Geschichte weiß, denke ich am Martinstag nicht nur an meinen Namenspatron, sondern auch an meine Tante und die vielen Menschen, die uns wie sie mit Werken der Barmherzigkeit den Weg zeigen, uns für mehr Gerechtigkeit einzusetzen.

Martin Wrzesinski
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin

03. November 2021

Hl. Karl Borromäus


Der hl. Karl Borromäus stammte mütterlicherseits aus dem Hause Medici. Seinem Onkel, Papst Pius IV., diente er als Geheimsekretär und war maßgebend am Konzil von Trient beteiligt. Als Mailänder Erzbischof setze er Reformziele des Konzils um und ordnete das kirchliche Leben neu. Während einer Pest in Mailand, opferte er sich bis zur völligen Erschöpfung für die Kranken und Notleidenden seines Bistums auf. Durch diese Arbeit und strenge Askese ausgezehrt, verstarb er mit 46 Jahren.
 
Der Heilige spricht mich an, weil er als sehr tüchtig rüberkommt: Er tut alles für „die gute Sache“ und nutzt dafür jede sich ihm bietende Gelegenheit. Mir gefällt sein großes Engagement für die Mitmenschen und sein Verantwortungsbewusstsein, dem eigenen Leben einen Sinn durch gutes Handeln für andere zu geben. Für die heutige Gesellschaft ist er sicher ein gutes Vorbild und ein passender Heiliger, um Tatkraft, Nächstenliebe und Hilfe in einer (globalen) Krise zu erbitten.
 
Carlo Murru
Erzbischöfliches Ordinariat - Kategoriale Seelsorge

27. Oktober 2021

Hl. Josephine

Eine Frau namens Josephine Leroux, geboren am 23. Januar 1747 in Nordfrankreich,  trat als junge Frau  bei den Klarissen in Valenciennes ein. Nach Ausbruch der französischen Revolution wurde Josephines Kloster geschlossen und sie lebte einige Zeit mit ihrer Familie im belgischen Mons. Doch statt sich ins sichere Privatleben zurückzuziehen, schloss sich Josephine gemeinsam mit ihrer Schwester den dortigen Ursulinen an. In den anschließenden Revolutionswirren wurde Josephine gefangengenommen und misshandelt. Weil sie den Eid auf die Revolution verweigerte und sie ihren christlichen Glauben nicht verleugnen wollte, wurde sie wegen Hochverrats enthauptet. Noch auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung sangen die verurteilten Frauen religiöse Lieder, während sie die Hand des Henkers küsste. 

Inspiriert von Anne-Josepha, so ihr bürgerlicher Name, die Sprache der Begeisterung, des Einsatzes mit Liebe und Hingabe für die Dinge, an die man glaubt und die einem wichtig sind, zu sprechen ohne sich vor den Konsequenzen zu ducken, mit dem Bewusstsein, dass jeder und jede ein wichtiger und wertvoller Teil dieses Universums ist,  gedenke  ich am 26. Oktober dankbar an diese kraftvolle junge Frau.

Josephin-Mercedes Groth, Architektin
Bauleiterin im Erzbischöflichen Ordinariat 

20. Oktober 2021

Hl. Lukas

„Gleich sagt der Pfarrer deinen Namen!“ Immer wieder erzählt meine Großmutter diese Szene, als sie einmal mit mir als kleinem Buben im Gottesdienst war und diesen Satz kurz vor dem Evangelium zu mir gesagt hat. Und noch heute freut sie sich über meine Reaktion, die wohl in großen Augen und kindlicher Begeisterung bestand, als der Pfarrer die Worte gesprochen hat: „Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas“

Viele Jahre später und nach einigen Jahren des Exegese-Studiums ist der Zugang zu meinem Namenspatron ein anderer. Weiß man doch danach, dass die Zuschreibung der Evangelien an namentliche Autoren eher von Legenden und altkirchlichen Traditionen geprägt ist und weniger auf historisch nachweisbaren Personen fußt. Aber auch, wenn wir den Evangelistennamen nicht mit letzter Gewissheit beweisen können, lässt sich am sogenannten Evangelisten Lukas doch eine Sache ganz besonders lernen: Die Sache Jesu hört mit der Erzählung von seinem Tod und der Auferweckung nicht auf. Deshalb erzählt Lukas nicht nur ein Evangelium, sondern in der Apostelgeschichte auch, wie es nach der Himmelfahrt weitergeht mit dem, was Jesus angestoßen hat. Bei dem Bemühen der Apostel, die frohe Botschaft bis ans Ende der Welt zu tragen läuft nicht immer alles glatt, aber ihren Mut und ihren Glauben verlieren sie darüber nicht. Vielleicht können die Kirche von heute und auch wir persönlich, die wie die Apostel in der Apostelgeschichte in der Zeit nach dem Evangelium leben und wirken, davon ja noch so manches lernen – Lukas sei dank.

Lukas Hetzelein
Referent Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin

13. Oktober 2021

Hl. Teresa von Avila

Am 15. Oktober gedenkt die Kirche einer der bedeutendsten Frauen der Christenheit. Es ist meine Namenspatronin - Teresa von Ávila -  Mystikerin, Reformerin des Karmelitenordens und Schutzpatronin Spaniens. Sie wurde am 28. März 1515 als Teresa de Cepeda y Ahumada in der kastilischen Stadt Ávila geboren. Nach beschwerlichen und gesundheitlich aufreibenden Anfangsjahren im Kloster, gelang es ihr nach vielen Jahren, ihre eigene Berufung zu finden: die Freundschaft mit Gott. Sie gründete viele neue Klöster und reformierte das geistliche Leben in den Klöstern und in der Kirche grundlegend. Am 4. Oktober 1582 starb Teresa in Alba de Tormes. 

Im Laufe meines Lebens ist mir immer wieder dieses kleine Gedicht von ihr begegnet:

„Nichts soll dich verstören,
nichts dich erschrecken,
alles vergeht, Gott ändert sich nicht.
Geduld erlangt alles;
wer Gott hat, dem fehlt nichts:
Gott nur genügt."

Mit diesen Zeilen hat mir Teresa oft Mut gemacht und mir in Erinnerung gerufen, woher ich die Kraft schöpfe, meine Lebenswirklichkeit gestalten zu können. Gott ist da und er weist mir zu jeder Zeit, welchen Weg ich zu gehen haben. Er ist derjenige, der mir Enttäuschungen, Streit und Schmerz hinaus letztendlich Geborgenheit und Ruhe schenken kann.

Vor einigen Jahren habe ich mit meiner Schwester, nach ihrem Aufenthalt bei der Gemeinschaft von Taizé dieses Lied „Nada de turbe“ / „Durch nichts lass sich stören“ gehört. Es fasst die Kernbotschaft Teresas zusammen und erinnert mich immer wieder daran, kurz innezuhalten, tief in mich hineinzuhören, neue Kraft für das Alltagsgeschehen sammeln zu können. 

nachhören

 

Theresa Theis

06. Oktober 2021

Hl. Franziskus von Assisi

Während unserer Jubiläumsfeierlichkeiten 100 Jahre Franziskaner in Pankow habe ich während eines Vortrags, den ein Mitbruder gehalten hat wieder Neues über den Hl. Franziskus erfahren dürfen.

In Südamerika wird Franziskus sehr oft auf Bildern mit Flügeln dargestellt. Entweder mit Flügeln auf dem Rücken wie bei Engeln oder auch mit Flügeln an den Fersen, wie wir es aus der antiken Sagenwelt kennen von Hermes dem Götterboten z.B.. Franziskus wird auf solchen Bildern „Der Vogelmann“ genannt. Er bewegt leicht schwebend, wie ein Vogel, zwischen Erde und Himmel.

Angelehnt an Vorbilder aus der Welt der Maya und Inka, sehen die Menschen Südamerikas in Franziskus als Vogelmann einen herausragenden Menschen, der sich leicht zwischen dem Irdischen und Überirdischen bewegt. Der gleich-sam eine Brücke schlägt zwischen uns Menschen und Gott. Der uns zeigt, dass es eigentlich keine Trennung gibt zwischen der Welt „hier unten“ und der Welt „dort oben“. Der uns zeigt, dass die irdische Welt schon in die überirdische hineinreicht und umgekehrt. Die Übergänge sind fließend.

Ich finde dieses Bild von Franziskus dem Vogelmann sehr ansprechend und anregend – nämlich gerade in unserer krisengeschüttelten Zeit nicht zu verzagen, sondern aufmerksam zu schauen, wo die überirdische Welt in unsere irdische Welt hineinreicht und wunderbare Spuren hinterlässt, und wo ich umgekehrt darauf vertrauen darf, dass die irdische Welt mit allem Schweren durch Menschen wie Franziskus immer Zugang erhält zur Jenseitigen.

Br. Gregor L. Wagner ofm

29. September 2021

Hl. Lioba

Lioba kommt von „Liebe“, die wörtliche Übersetzung lautet „Die Liebende“.

In meiner Kindheit hat es mich manchmal genervt, dass ich beim Kennenlernen oft mehrfach nachgefragt wurde: „Wie heißt Du??“ Doch schon lange trage ich den Namen sehr gerne und freue mich, so eine beeindruckende Namenspatronin zu haben.

Die heilige Lioba wurde im Jahr 710 geboren und starb vermutlich am 28. September 788. Als Wegbegleiterin des heiligen Bonifatius verband die Beiden nicht nur eine nahe Verwandtschaft, offensichtlich gab es auch gegenseitig eine große Wertschätzung. Gemeinsam gründeten sie Klöster und trugen zur Christianisierung des Fränkischen Reichs bei. Über Lioba wird gesagt: „Fürsten liebten sie, Bischöfe nahmen sie freudig auf und beredeten sich mit ihr über das Wort des Lebens. Lioba war stets darauf bedacht, anderen nichts beizubringen, was sie nicht auch selbst befolgte. Sie war sanft in ihrer Rede, von klarem Verstande und großer Umsicht; katholisch in ihrem Glauben, unerschütterlich in ihrer Hoffnung, unbegrenzt in ihrer Liebe.“ Tolle Eigenschaften.

Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Krypta der Kirche St. Peter (auch Lioba-Kirche genannt) auf dem Petersberg in der Nähe des Klosters Fulda. Von den heute noch dort ansässigen „Lioba-Schwestern“ (Benediktinerinnen von der heiligen Lioba) konnte ich vor einigen Jahren Schwester Eolioba kennenlernen. Es lohnt sich, die Lioba-Kirche zu besuchen, die wunderschön auf der Höhe gelegen ist und einen tollen Rundblick in die Rhön bietet. Faszinierend ist die Krypta aus dem 8. Jahrhundert mit Lioba-Reliquien. Ebenso finden sich dort – medial ansprechend aufbereitet – Informationen zum Schriftverkehr zwischen Bonifatius und Lioba, sehr eindrucksvoll!


Lioba v. Dewitz, Sekretariat Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin

22. September 2021

Hl. Thekla

Ihre Eltern wollten sie reich verheiraten, sie war eine gute Partie - gebildet und aus vornehmem Hause, bildschön noch dazu. Doch Thekla weigerte sich. Zu sehr war sie fasziniert von der Botschaft dieses Jesus von Nazareth, von dem Paulus in ihrer Heimatstadt Ikonium allen erzählte, die ein offenes Ohr und ein offenes Herz dafür hatten. Thekla hatte dies beides, und so floh sie vor ihrem Bräutigam und folgte Paulus. Dies brachte ihr den bitteren Zorn der Familie ein, doch wie durch ein Wunder überlebte Thekla alle Versuche, sie mit Gewalt und Grausamkeiten von der christlichen Lehre abzubringen. 

Die heilige Thekla – ihr Name bedeutet „Gottes Ruhm“ – wollte zur größeren Ehre Gottes leben, wollte in Gottes Augen Ansehen finden und nicht in denen eines reichen Bräutigams. Sie lehrte, taufte, soll sogar Wunder getan haben. Den Frauen ihrer Zeit war sie ein Vorbild, freigeistig und überzeugend in ihrer Lebensweise. 

Auch mich fasziniert die Entschiedenheit dieser Frau, die als Apostelin und erste Märtyrerin bezeichnet wird. Gegen Widerstände für ihre Überzeugung einzustehen und ein Leben zu wählen jenseits der Komfortzone ihres gesellschaftlichen Standes, das ist mutig. 

Sie hat als Frau ihren Platz in der Verkündigung in der noch jungen christlichen Kirche ganz selbstverständlich eingenommen, um die gute Botschaft mit Wahrhaftigkeit und Überzeugung weiterzutragen. Das finde ich stark. Diese Selbstverständlichkeit braucht es auch in unserer Zeit – und in der Kirche von heute.


Sr. Thekla Schönfeld MMS