APROPOS SONNTAG

vom 14. Februar 2021

Beschützer der Liebe

Der heilige Valentin und das rote Herz

 

Juliane Bittner im Gespräch mit Bettina Schade, Referentin für Familienpastoral im Erzbistum Berlin.

Hören Sie hier die Sendung "Apropos Sonntag"

Beschützer der Liebe - der heilige Valentin und das rote Herz



Bittner: Das rote Herz ist sein Symbol. Aber eigentlich kann er, der heilige Valentin, gar nichts dafür, dass sich ausgerechnet heute, an seinem Namenstag, Verliebte, Verlobte, Verheiratete mit Blumen oder anderen Aufmerksamkeiten beglücken. Die Biografie des guten Valentin war weniger glücklich. Ihm wurde nicht gedankt, sondern an einem 14. Februar, irgendwann im 3. Jahrhundert nach Christus, der Kopf abgeschlagen. 

Valentin war ein italienischer Bischof. Er hatte sich den Zorn des römischen Kaisers eingehandelt, weil er, obwohl das Christentum verboten war, weiter christliche Paare getraut hat. Valentin hielt es für normal und vor allem für gottgewollt, dass Frauen und Männer heiraten und eine Familie gründen. Deshalb soll der Bischof auch Paare getraut haben, die nicht heiraten durften - weil die Eltern es nicht wollten. Oder weil der Bräutigam Soldat war, und Soldaten nicht heiraten durften. Der Bischof verhalf heiratswilligen Männern sogar zur Flucht aus der Armee. Er schätzte eben die Liebe höher als den Militärdienst.

Und viele der jungen Männer, die der Kaiser dringend zum Kriegsführen brauchte, wollten sicher gar nicht den „Helden“ spielen; wollten lieber bei ihren Frauen unter die warme Decke schlüpfen. Kriegsmüdigkeit aber galt den römischen Cäsaren als Staatszersetzung, und so kam Bischof Valentin, der so viel Verständnis für Liebende zeigte, ins Gefängnis. 

Aus der finsteren Gefängniszelle heraus schickte er sozusagen den ersten Valentinsgruß. Das Brieflein war mit seinem Blut geschrieben und endete mit „Dein Valentin“, erzählt die Legende. Und, dass die Empfängerin des Briefes die Tochter des Gefängniswärters war. Valentin hätte sie von ihrer Blindheit geheilt, so dass sie wieder lesen konnte – eben jenen Gruß des zum Tode verurteilten Bischofs. 

So wurde der tapfere Valentin zum Schutzpatron der Liebenden.

Musik: Puhdys, Lebenszeit

Bittner: Dieses Lied der Puhdys hätte dem heiligen Valentin bestimmt gefallen – zueinander finden und zusammen halten auf Lebenszeit. Das meint auch Bettina Schade. Sie ist Pädagogin mit dem Schwerpunkt Religion und Theologie und die Ansprechpartnerin für junge Paare und Familien in den katholischen Gemeinden von Brandenburg, Berlin und Vorpommern. Hat es also mit Verliebten, Verheirateten, auch mit Entliebten zu tun, und - ihre ganz persönliche Liebesgeschichte: 

Schade: Das war am 14. September 1989, da hab ich mich in einen gewissen Thomas aus Nordhessen verliebt und diese typischen Verliebtheitsgefühle vom Anfang und diese ganze Aufregung – das hat sich natürlich verändert. Aber, die Liebe hat gehalten. Im Juni diesen Jahres feiern wir unseren 30. Hochzeitstag. Wir haben die Silberhochzeit ziemlich groß gefeiert und ich meine, was willst du dieses Jahr groß planen [lacht], aber die Silberhochzeit haben wir mit über 100 Leuten, haben wir es krachen lassen.

Bittner: Wir reden ja viel über die Liebe. Sehnen uns nach ihr. Wir leiden wegen ihr. Doch was ist Liebe überhaupt? Und was genau bedeutet es, wirklich und wahrhaftig zu lieben?

Schade: Für mich ist es Liebe, wenn zwei Menschen eine ganz besondere Bedeutung füreinander haben, wenn sie sich vertrauen, sich unterstützen, gegenseitig fördern, den anderen groß sein lassen. Und ihn absolut respektieren, auch in dem Anders-Sein, das man ja manchmal gar nicht so versteht oder auch nerven kann. Und auch dieses „gemeinsam durch dick und dünn gehen“ oder wie wir es sagen auch in der kirchlichen Hochzeit – „in guten und in bösen Tagen“ zusammenhalten, sich verzeihen, wenn etwas schlecht gelaufen ist und es immer wieder neu miteinander zu versuchen. Also Liebe ist für mich definitiv nicht nur ein gutes Gefühl, sondern auch die feste Entscheidung mit einem anderen Menschen zusammenbleiben zu wollen und wirklich alles dafür zu tun, dass das so gut klappt, wie es irgendwie geht.

Bittner: Sich zu öffnen für einen anderen ist ja auch anstrengend, macht verletzlich und kann schlimmstenfalls böse enden. Aber gibt es eine echte Alternative, wenn mein Lebenstraum eine Partnerschaft ist?

Schade: Definitiv nein. Da gibt es keine Alternative. Also da zitiere ich gerne ein altes deutsches Sprichwort: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ Also ich finde so soll’s auch in der Partnerschaft sein. Da muss ich einfach alles auf eine Karte setzen, wenn ich auch von meinem Partner erwarte oder mir von ihm wünsche, dass er sich so gegenüber mir verhält.

Musik (instrumental): Love is in the air; John Paul Young, Gitarrenversion von Stephen Weir

Bittner: Bischof Valentin, dessen Namenstag heute ist, hat von einem anderen gelernt, die Liebe wertzuschätzen und in jeder Phase zu achten, nämlich vom Apostel Paulus. Der hatte bereits vor 2000 Jahren festgestellt: 

Die höchste Gabe Gottes ist die Liebe. Ohne Liebe ist unser Reden und Handeln ohne Sinn. All unsere Klugheit ist nichts, wenn wir nicht lieben. Wer liebt, hat Geduld; bleibt freundlich gegenüber den Fehlern des anderen. Liebende prahlen nicht voreinander. Sie lassen sich nicht erbittern und sind nicht nachtragend. Liebende können verzeihen. Wer liebt, mauert sein Herz nicht ein. Gibt nicht auf, sondern kämpft um die Liebe, gibt ihr immer wieder eine Chance. Liebende wissen um ihre Unvollkommenheit und gestehen sie einander zu. Sie glauben aneinander und bewahren die Hoffnung. Das größte Geschenk füreinander ist - die Liebe. (frei nach 1 Kor 12,31-13,8a)

Bittner: Für den Apostel Paulus wurde in der menschlichen Liebe etwas von der Liebe Gottes sichtbar und sogar mit allen Sinnen fühlbar. Valentin sah es genauso. Das ist wohl auch der Grund, warum er seit alters her als Patron der Liebenden gilt. Er hat Herzensbewegte ermutigt, der Liebe zu trauen und sich auf sie einzulassen. Die Liebe ist die kürzeste Verbindung von Herz zu Herz und zugleich der lange Weg von der berauschenden Verliebtheit, die brüchig sein kann wie Glas, bis zur tragfähigen Liebe, die über die Jahre hinweg an Tiefe gewinnen kann. 

Musik: Puhdys, Lebenszeit

Der, den ich liebe, hat mir gesagt, 

dass er mich braucht. 

Darum gebe ich auf mich acht, 

sehe auf meinen Weg 

und fürchte von jedem Regentropfen, 

dass er mich erschlagen könnte. 

Bittner: Bertolt Brecht hat dieses Gedicht geschrieben und Liebenden empfohlen, es „morgens und abends zu lesen“. Der Valentinstag heute ist ein schöner Anlass, das zu tun. 

Und doch schwingt immer auch die Furcht vor einem Zerbrechen der Liebe mit. Dass sie schwächer wird, wie Menschen nun einmal schwach sind, sagt Bettina Schade vom Erzbistum Berlin. Doch sie macht Mut: Traut euch! Gebt der Liebe eine Chance. Weil man sich auf eine Partnerschaft auch vorbereiten kann.

Schade: Vorbereitung ist so eine Sache. Also auf vieles, was das Leben so mit sich bringt, kann man sich doch ehrlich gesagt nicht so wirklich vorbereiten. Also Kinder zu bekommen, zum Beispiel, oder Krankheiten, berufliche Veränderung… Da wird man ziemlich ins kalte Wasser geworfen. Aber ja, ich denke schon, dass man sich auf solche Herausforderungen oder auch Krisen vorbereiten kann. Zum Beispiel, indem man lernt, gut miteinander zu kommunizieren, Konflikte offen und fair auszutragen. Und auch, indem man nicht einfach blind in eine Ehe hineinstolpert, sozusagen mit der rosaroten Verliebtheits-Brille auf, sondern, dass man bestimmte Themen, die einem wirklich wichtig sind – sowas wie Kinderwunsch z.B. oder bestimmte Werte, die man vertritt, dass man die vor der Entscheidung zur Hochzeit ehrlich miteinander abklopft. Auch wieder so ein altes Sprichwort: „Drum prüfe, was sich ewig bindet.“ Da ist – finde ich – etwas Wahres dran. 

Bittner: Geprüft werden sollte auch, ob man wirklich aus freiem Willen die Ehe eingeht. Bei einer katholischen Trauung werden die Braut und der Bräutigam ausdrücklich gefragt nach diesem freien Entschluss.

Schade: Letztendlich ist es bei einer kirchlichen Hochzeit auch eine Frage, die einem gestellt wird, in der Kirche. Nämlich: „Seid ihr aus reiflicher Überlegung“ hierher gekommen und das muss man für sich schon prüfen, ob man diese reifliche Überlegung wirklich angestellt hat, für sich.

Bittner: Apropos kirchlich Heiraten: Wenn zum Beispiel die Braut, weil katholisch, kirchlich heiraten möchte, also in der Kirche, in die sie zum Gottesdienst geht, mit dem Pfarrer, den sie kennt – und ihr Herzensschöner hat noch nie eine Kirche von innen gesehen – was dann?

Schade: Na, dann sollte sie die Braut ihrem Liebsten diese Kirche mal von innen zeigen. Nein, ganz ernst gesagt… Man kann von diesem Mann jetzt nicht verlagen, dass ihm das kirchliche Heiraten genauso wichtig ist, wie seiner Frau. Aber ich fänd es schon schön, wenn’s ihm gelingt, sie in dem Punkt zu verstehen. Und dafür ist es total wichtig, dass die beiden sich Zeit nehmen und viel miteinander reden. Also die Braut z.B. könnte erzählen, wie es für sie war, religiös aufzuwachsen, die kirchlichen Feste zu feiern, zu Hause in der Familie oder auch in der Kirchengemeinde und was ihr der Glaube und die Zugehörigkeit zur Kirche heute auch noch bedeutet. 

Und der Partner ist aber auch kein unbeschriebenes Blatt, der hat in seiner Biografie ja auch Werte, die ihn geprägt haben oder Themen, die ihm heilig sind sozusagen. Und wenn es wirklich ein Herzenswunsch seiner Braut ist kirchlich zu heiraten, dann finde ich es schon klasse, wenn er sich auch als Partner darauf einlassen kann – ihr zuliebe.

Er muss sich dafür auch nicht verbiegen. Für das Eheversprechen in der Kirche gibt’s verschiedene Formulierungen. Also wenn ein Ungetaufter z.B. es nicht über die Lippen bringt „Vor Gottes Angesicht“ zu sagen, dann muss er das auch nicht tun. Also in so einem Fall empfehle ich ein offenes Gespräch mit dem Pfarrer zu suchen oder eben auch als Paar an einem unserer Seminare teilzunehmen – da geht’s unter anderem auch genau um solche Themen. 

Ich denke bei allen Themen, die einem wichtig sind und gerade bei denen, wo wir im Paar untereinander wissen, dass wir da unterschiedliche Haltungen haben, ist es total wichtig, die Haltung des anderen zu kennen und eben auch zu respektieren. 

Musik: Love is in the air; John Paul Young, Gitarrenversion, Stephen Weir

Bittner: Damit die Liebe eine Chance hat, wird in der christlichen Tradition der Geist Gottes angerufen als die Lebenskraft der Liebe.

In einem alten Hymnus heißt es deshalb: 

 Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft. 

Aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut. Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht

und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.