Sinne-Pfade und Ruhe-LoungeUrlauberseelsorge auf Rügen und Fischland-Darß wird gut angenommen

Barbara Tieves im Gespräch mit Urlaubern. Foto: Anja Goritzka

Zingst. „Huch, was ist denn das“, ruft eine verdutzte Urlauberin überrascht aus: Mitten in der Zingster Fußgängerzone hängen plötzlich Flip Flops an einer Leine und zeigen den Neugierigen den Weg in die katholische Kirche St. Michael. Im Inneren warten noch mehr Überraschungen.

Anstatt der in Richtung Altar weisenden Bänke zum Beten finden sich runde Tische mit diversen Gegenständen, viele Teelichter sind im Raum verteilt und Sonnenliegen mit Mp3-Playern. Eine Ruhelounge lädt zum Verweilen ein und die Gegenstände auf den Tischen zum Erkunden der fünf Sinne. Die Urlauberseelsorge hat hier und in der Binzer Kirche Stella Maris auf Rügen Einzug gehalten und bleibt noch bis 28. August.

Etwas Besonderes für die Seele

Wie erstmals 2014 auf Rügen bieten Carla Böhnstedt von der Suchenden-Seelsorge des Erzbistums Berlin und Klaudia Höfig vom Internationalen Pastoralen Zentrum in Berlin in den Sommermonaten wieder Besonderes für die Seele an. Diesmal haben sie sich Unterstützung von 16 Freiwilligen geholt, die sie in Binz auf Rügen und Zingst auf der Halbinsel Fischland-Darß unterstützen. Entstanden ist ein buntes Programm mit Sinne-Pfad in beiden Kirchen und Ruhe-Lounge in St. Michael. Dazu kommen Angebote wie zum Beispiel die Sommernachtsmärchen in der illuminierten Kirche in Zingst und Aktionen wie franziskanische Impulse für die Urlauber, die sich die Seelsorger selbst ausdenken.

Barbara Tieves, eigentlich in der Klinik und Alleinerziehenden-Seelsorge in Berlin tätig, ist eine Freiwillige und hat ihre Arbeit für eine Woche nach Zingst verlagert, um für die Urlauber vor Ort ansprechbar zu sein. „Aber nicht nur für diese. Wir kommen hier auch gut mit den Einheimischen ins Gespräch“, erläutert sie. Letztens kam die Geschäftsführerin der Pizzeria nebenan vorbei und fragte, was das alles so bedeute und die Stadtführerin, die Touristen durch den Ort führt, nahm spontan auch St. Michael mit in ihr Programm auf: Montagvormittag kommt sie nun mit zirka 30 Urlaubern in die Kirche.

„Das kenne ich, das ist ein Regenmacher.“

Barbara Tieves ist gerade im Gespräch mit einem ungefähr zehnjährigen Jungen, der die Musikinstrumente beim Sinnestisch „Hören“ entdeckt hat. „Das kenne ich, das ist ein Regenmacher“, freut er sich, während seine Mutter noch unentschlossen durch den Raum streift. „Das ist eher selten“, erzählt die Seelsorgerin, nachdem der Junge alle Tische erkundet hat und die Besucher wieder weitergegangen sind: „Normalerweise erkunden die Erwachsenen sofort alles und die Kinder sind etwas unschlüssig.“

Die Idee, zum turbulenten Geschehen in der Fußgängerzone innerhalb der Kirche einen Gegenpol zu schaffen, findet auch sie charmant. „Normalerweise ist St. Michael in den Sommermonaten geschlossen. Die Messen finden aufgrund der hohen Besucherzahlen im nahegelegenen Prerow in der evangelischen Kirche statt“, erklärt sie, dabei sei es gerade in den Sommermonaten gut, auch die katholischen Kirchen offen zu halten. Die Besucherzahlen zeigen auch, dass das Angebot gut angenommen wird: Im Schnitt finden 80 Interessierte täglich in Zingst den Weg in die katholische Kirche.

In Binz sind es durchschnittlich die Hälfte. „Das liegt mit Sicherheit daran, dass die Binzer Kirche etwas weiter weg vom Geschehen liegt, während die Zingster mitten in der Fußgängerzone zu finden ist“, vermutet Carla Böhnstedt von der Suchendenpastoral. Doch Urlauberseelsorge muss gerade an der Ostseeküste ganzjährig erfolgen, denn Touristen kommen nicht nur im Sommer nach Rügen und auf die Halbinsel Fischland/Darß. Das ist jetzt auch den Verantwortlichen in Berlin klar geworden: Zum 1. Januar 2016 wird für die Region Stralsund und Rügen ein Tourismusseelsorger gesucht. Die Ausschreibung ist auf der Internetseite des Erzbistums zu finden.