Worte voller Energie

Die 63-jährige Felicitas Hoppe ist die aktuelle Preisträgerin des Berliner Literaturpreises. Foto: Thomas Brose

Ihre Texte ermuntern, den Mut und die Zuversicht nicht zu verlieren. Mit dieser Begründung erhält Felicitas Hoppe den Berliner Literaturpreis. In ihren Texten schwingt oft auch eine religiöse Ebene mit.

„Sie kennen ja das Bibelwort: Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts“, sagte Felicitas Hoppe am Rande der Verleihung des mit 30 000 Euro dotierten Berliner Literaturpreises. „Nachdem ich schon seit vier Jahrzehnten in der Hauptstadt lebe, bin ich glücklich, heute diesen großartigen Preis der ‚Stiftung Preußische Seehandlung‘ zu erhalten.“ Zu der Veranstaltung im Roten Rathaus am 5. März hatten sich etwa 350 literarisch Interessierte eingefunden. „Der Zauber ihrer Erzählungen“, zitierte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner beim Festakt aus der Begründung der Jury, „liegt darin, dass sie uns mit dem Schwung ihrer Texte, dem Takt ihrer Sprache und der Energie ihrer Worte dazu ermuntert, den Mut und die Zuversicht nicht zu verlieren.“

Bunt bebilderte Erinnerungen an die Bibel

Den Mut und die Zuversicht nicht zu verlieren – das ist, wie die 2012 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnete Schriftstellerin einmal in der Katholischen Akademie in Berlin gesagt hat, auch ein Erbe ihrer Herkunft: Geboren als drittes von fünf Kindern schlesischer Flüchtlinge, komme sie aus einer katholischen Familie, in der unaufhörlich nicht nur gesprochen, sondern auch gezeichnet wurde. „Unsere Mutter las vor, wir zeichneten mit. Meine frühesten Erinnerungen an die Bibel sind darum mündlich und bunt bebildert, eine unzensierte Umsetzung des Wortes in kindliche Zeichnung.“ Von diesen begeisternden, phantastischen Geschichten und dem unbefangenen Zuhause-Sein im Gottesdienst, lange bevor sie überhaupt schreiben konnte, sagte Hoppe: „Mein Umgang mit Religion und Literatur ist, vermutlich, leichtfertig, also ziemlich katholisch.“ Damals, so lässt sich über die Schriftstellerin vermuten, wurde ihre Batterie mit christlich geprägten Bildern, Texten und Tönen aufgeladen, von denen ihre Romane, Erzählungen und Kinderbücher bis heute ihre Spannung beziehen.

Großzügiger Umgang von Schreiben und Glauben

Wie bei kaum einer anderen Gegenwartsautorin spielen bei Hoppe nämlich auch theologische Fragen wie „Berufung“, „Erlösung“ und „Auferstehung“ eine Rolle – beispielsweise in ihrem Roman über die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc, „Johanna“, oder in „Iwein Löwenritter“. Das bei Kindern und Eltern gleichermaßen geliebte Buch erzählt vom Artusritter Iwein, der bereit ist, Ruhm und Ehre über alles auf der Welt zu stellen. Als er dabei Gefahr läuft, seine Seele in der Finsternis des Immerwaldes auf ewig zu verspielen, stellt sich der „König der Tiere“ bedingungslos an seine Seite: Der Löwe ist damit „Typus“, also Vorbild und Urbild für eine den geschichtlichen Horizont übersteigende religiöse Wahrheit.

Als Hoppe einmal gefragt wurde, was es bedeute, wenn sie sage: Ihr Umgang mit Literatur und Religion sei, „vermutlich leichtfertig, also ziemlich katholisch“, erklärte die Schriftstellerin, dass sie für einen unbeschwerten, weiten und großzügigen Umgang von Schreiben und Glauben plädiere, allerdings für einen, der sich in einem fest definierten geistigen Raum vollziehe.