Fastenimpuls

Zeitraum von:

Zeitraum bis:

20. Apr 2019

Karsamstag ist, wenn nichts mehr geht.

„Sie setzten Jesus bei.“ (Joh 19,42)

Die Hoffnung von gestern ist gestorben und begraben. Eine Hoffnung für morgen gibt es (noch) nicht. Nichts scheint mehr zu gehen. Der Kredit, den Menschen Jesus gegeben haben, scheint verspielt. Das Credo an ihn und das Ringen der Menschen zwischen Glauben an ihn und Zweifel an seiner Echtheit scheint sich nicht ausgezahlt zu haben.

Für mich ist Karsamstag, wenn es Gott nicht zu geben scheint. Wenn der Glaube an ihn erloschen ist. Wenn die Hoffnung auf die Kirche gestorben ist. Wenn weder Visionen noch Wünsche noch Ideen lebendig und wirksam sind. Wenn der Glaube bleibt, dass Gott diese Totenstille mit mir aushält.

P. Manfred Kollig SSCC, Generalvikar

19. Apr 2019

Was fühlen die Menschen unter dem Kreuz?

„Bei dem Kreuz standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.“  (Joh 19,25)

Schmerz, Trauer, Angst - was fühlen die Menschen unter dem Kreuz? Der leidende Mensch wird in Jesus von Nazareth der Welt vor Augen gestellt. „Es ist vollbracht“, sagt Jesus selbst: Freiwillig geht er diesen Weg bis in den Tod und erneuert die Zusage Gottes, dass die Liebe zählt, seine Liebe zu den Menschen – bis in den Tod hinein und über den Tod hinaus.

Der Heilige Franziskus begegnet Jesus Christus im Tafelkreuz in der kleinen Kirche San Damiano. Wochenlang betet er vor diesem Kreuz – Kreuzverehrung: Du, Gott, Kraft im Leiden. Wem begegne ich im Gebet vor dem Kreuz?

Christopher Maaß, Prozessbegleitung „Wo Glauben Raum gewinnt“

18. Apr 2019

"... wie ich an Euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15)

„Ich habe Euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an Euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15)

Das Mahl mit den Jüngern und die Fußwaschung Jesu haben einen besonderen Platz in der Feier der Kar- und Ostertage. Aber es ist nicht eine Erinnerung an ein Geschehen vor mehr als 2000 Jahren. Es geht um das Bewusstsein, dass es heute geschieht, dass Gott sich uns an jedem Tag zuwendet – damit wir als Christen uns daran ein Beispiel nehmen und in unserer Zuwendung seine Liebe erfahrbar machen. Bedingungslos und ausnahmslos!

Sr. M. Hannelore Huesmann, Franziskanerin von Münster-Mauritz

17. Apr 2019

„Einer von Euch wird mich verraten und ausliefern.“ (Mt 26, 14-25)

Mir fällt sofort Judas ein. Aber genauso wird Petrus Jesus verleugnen, als es für ihn bedrohlich zu werden scheint – sogar drei Mal! Und bis auf Johannes werden auch alle anderen auf Distanz gehen. Eigentlich unvorstellbar: seine engsten Weggefährten, die sich in die Nachfolge rufen ließen, lassen ihn im Stich. Auch wir sind in seine Nachfolge gerufen. Wenn das Zeugnis unseres Glaubens auf Gegenwind stößt, stellen wir dann wie die Jünger auch betroffen die Frage: „Bin ich es etwa, Herr?“

Sr. M. Hannelore Huesmann, Franziskanerin von Münster-Mauritz

 

16. Apr 2019

"Herr, wer ist es?" (Joh 13,25)

"Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es?" (Joh 13,25)

Es ist ein angenehmes Gefühl, wenn man sich zurücklehnen kann. Ich war’s nicht. Ein anderer ist schuld.
Kann ich mich wirklich zurücklehnen, wenn es um Schuld und Verrat geht?

Da ist mir ein Trost, dass Jesus auch dem Judas den Kelch als Zeichen der Gemeinschaft reicht. Seine Liebe ist größer als meine Schuld. Ich brauche mich also nicht zurücklehnen.

Prälat Stefan Dybowski

15. Apr 2019

Die liebevolle Geste einer Frau

"Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar." (Joh 12,3)

Gottes menschgewordene Liebe kommt durch Maria von Nazareth in die Welt. Auch am Beginn der österlichen Neugeburt steht die liebevolle Geste einer Frau. Maria von Bethanien tut an Jesus einen prophetischen Dienst und salbt ihn für den weiteren schmerzvollen Weg.

Jede Wandlung hat ihre Zeit und ihr eigenes Geheimnis. Das Evangelium macht uns achtsam dafür, wo neues Leben geboren werden will. Die kostbaren Momente der Wandlung und Neugeburt brauchen auch heute eine liebevolle Begleitung. Halten wir in diesen Tagen die Hoffnung wach, dass durch Jesus unsere ganze Erde und alle Beziehungen heilsam erneuert werden!   

Sr. Mechthild Brömel, Karmelitin (OCD)

14. Apr 2019

Boten des Friedens

„Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Frieden und Herrlichkeit in der Höhe!“ (Lk 19,38)

Der Einzug Jesu in Jerusalem markiert den Eintritt in die Heilige Woche, in der wir den Leidensweg Jesu mitgehen – bis zum Kreuz, und durch Kreuz und Grab hindurch zur Auferstehung.

An diesem Wendepunkt rufen die Jünger: „Im Himmel Frieden“. Es erinnert an die Worte der Engel bei der Geburt Jesu: „Friede auf Erden bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14). So sind Himmel und Erde hineingenommen in das Geheimnis des Lebens und Sterbens Jesu.

Er, der König des Friedens, will auch in unsere Mitte einziehen und uns zu Botinnen und Boten des Friedens machen.

Sr. Teresia Benedicta, Karmel Regina Martyrum

13. Apr 2019

Eine Heimat haben

„Aber er sollte nicht nur für das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln.“ (Joh 11,52)

Wie sehr sehnen sich Menschen nach einem Zuhause!

Bezahlbarer Wohnraum, Obdachlosigkeit, Flucht und Vertreibung haben in den Nachrichten einen Dauerplatz. Dahinter stehen immer Schicksale von konkreten Menschen.

Jesus ist gekommen, um „die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln“ (Joh 11,52). Die Bibel erzählt Geschichten, wie Gott alles tut, um den Menschen Heimat zu schaffen, damit sie nach Hause kommen zu ihm.

Die Tage auf das Osterfest zu geben in besonderer Weise die Chance, Gottes Einladung zu hören.
Kommen Sie gut nach Hause heute!

Sr. Ruth Lazar OSB, Kloster Alexanderdorf

12. Apr 2019

„Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held (...)“ (Jer 20, 11.12)

„Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held (...), er sieht Herz und Nieren.“ (Jer 20, 11.12)

Es wird dunkel in und um Jeremia.
Er droht an seiner Berufung als Prophet irre zu werden.
Zu groß scheint die Aufgabe, seinem Volk die Wahrheit zu verkünden,
doch er weiß sich an das Wort Gottes gebunden.
Gott sieht Herz und Nieren, d.h. er schaut auf den Menschen in seiner Gesamtheit,
auf sein Denken und Fühlen. Der ganze Kummer und Schmerz den Jeremia trägt,
liegt offen vor Gott und gerade in dieser an die Grenzen gehenden Berufung steht JHWH Jeremia bei wie ein gewaltiger Held.
Im Vertrauen auf Gottes rettende Hilfe der inneren Wahrheit, der Gottes Wahrheit in Liebe nachfolgen - Was bedeutet das heute für mich?

Schwester Paula, Kloster Alexanderdorf

11. Apr 2019

Erfüllung finden, die ich ersehne

Jesus spricht: Amen, amen, ich sage euch: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen. (Joh 8,51)

Die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, führt in den tiefsten Sinn des christlichen Glaubens: Wenn ich weiß, dass die irdischen Jahre nicht meinen ganzen Lebenshunger erfüllen müssen, kann ich eine große Freiheit gewinnen. Wenn ich weiß, dass mich mehr erwartet, als ich auf Erden erleben kann, kann ich irdisches Leben freigebig verschenken und einsetzen. Und möglicherweise wird gerade so mein Leben die Erfüllung finden, die ich ersehne. Daran zu glauben, ist ein Wagnis – aber es lohnt sich.

Schwester Bernadette Pruß, Benediktinerin aus Alexanderdorf