Unterbrechung
Impuls zur Wochenmitte
Hoffnung ist eine der großen Botschaften des Christentums. Warum sie glauben und auf ein Mehr hoffen, erzählen hier Christinnen und Christen. Persönliche Glaubenszeugnises und mutmachende Gedanken in der Wochenmitte, um die Seele aufzutanken.
16. März 2022
Hl. Patrick
Gedenktag: 17. März
Ich mag meinen Namen. Wenn ich an Irland denke, dann fallen mir wunderbare Urlaube in toller Landschaft und herzliche Begegnungen (mit Musik) ein.
Der Heilige Patrick gehört als Nationalheiliger und Schutzpatron ganz selbstverständlich zu Irland. Er ist ein populärer Heiliger, nicht nur für Christen. Verehrt wird er schon seit dem 7. Jahrhundert. Heute wird am 17. März in Irland und auch an vielen anderen Orten der Welt der St. Patricks-Day gefeiert.
So wie aus seinen beiden von ihm verfassten Schriften zu entnehmen ist, hat er sich von einschneidenden Erfahrungen leiten lassen, hat nach 6-jähriger Gefangenschaft als Jugendlicher in Irland Theologie in Frankreich studiert, hat sich zum Priester weihen lassen, hatte den Mut seiner inneren Stimme (Traum) zu folgen, und ist nach Irland zurückgekehrt, um den Iren den christlichen Glauben nahe zu bringen. Er war voller Dankbarkeit für seinen Lebensweg.
Es lässt sich nicht planen, die eigene passende berufliche oder sogar Lebensaufgabe zu finden. Es gibt viele gute Gründe für den ein oder anderen beruflichen Weg. Aber letztlich dann dem nachzugehen, was einen innerlich antreibt, dafür braucht es Liebe, Glauben, Vertrauen, Dankbarkeit und Mut.
Ich habe die Gefängnisseelsorge während meines Studiums kennengelernt. Seit 15 Jahren bin ich nun hauptberuflich im Gefängnis. Dafür bin ich dankbar und froh.
Patrick Beirle
Gefängnisseelsorger JVA Moabit
Pastoralreferent/Gestalttherapeut
09. März 2022
Hl. Perpetua und Hl. Felicitas
Gedenktag: 7. März
Eigentlich habe ich, Felicitas, heute Namenstag. Aber es fällt mir schwer, bei dem furchtbaren Schicksal meiner Namenspatronin etwas Feierliches zu empfinden.
Perpetua und Felicitas gehören zu den ersten Märtyrinnen, deren Schicksal zuverlässig überliefert ist. Die beiden Frauen werden immer in Verbindung genannt, so, wie ihr gemeinsamer Glaubensweg auch unzertrennlich war. Nach vorhandenen Überlieferungen wurden die adlige Perpetua und ihre Sklavin Felicitas im Jahre 203 im römischen Karthago verhaftet und zum Tode verurteilt, weil sie sich auf die Taufe vorbereiteten und ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Perpetua war Mutter eines Säuglings, während Felicitas, ihre Sklavin und Gefährtin, kurz vor ihrem Tod ein Kind gebar. Mit ihnen wurden weitere Katechumenen getötet. Sie alle standen einander im Glauben stärkend zur Seite und sie wurden vor ihrem Martyrium getauft. Anlässlich der Geburtstagsfeier des Kaiser-Sohnes wurden sie im Amphitheater hingerichtet.
Die männlichen Katechumenen wurden wilden Tieren vorgeworfen. Perpetua und Felicitas sollten durch eine wilde Kuh zu Tode kommen. Als dies nicht gelang, wurden sie durch einen Gladiator getötet.
Die Leidensgeschichten von MärtyrerInnen sorgen bei mir angesichts der menschlichen Grausamkeit immer wieder für Entsetzen. Aber auch die Bereitschaft, das eigene Leben für den Glauben zu opfern, Kinder und Familie zurückzulassen, sorgt bei mir für Unbehagen und Unverständnis. Ich weigere mich zu glauben, dass dies Gottes Wille war. Und ehrlich – früher brachte ich diese Handlungsweise nicht mit „Heiligkeit“ in Verbindung, sondern eher mit Fanatismus.
Es ist für mich unglaublich, wieviel Glaubenskraft diese Christen aufgebracht haben, um diesen Glaubens- und Leidensweg gehen zu können. Ich habe sehr großen Respekt davor, wie diese Menschen ihren Glauben gelebt und verteidigt haben. Und ich glaube daran, dass sie das konnten, weil sie erfahren haben, dass Gott ihnen immer zur Seite gestanden hat und ihnen die benötigte Kraft für den von ihnen gewählten Weg gegeben hat.
Wir können von diesen Märtyrerinnen übernehmen, unseren Glauben in der heutigen Zeit konsequent und auf Gott vertrauend zu leben und einander haltend und stärkend zur Seite zu stehen.
Ich heiße Felicitas – ich bin glücklich, in der heutigen Zeit und in Berlin zu leben und meinen Glauben in Gemeinschaft leben zu dürfen.
Ich feiere diesen Tag nicht als Namenstag, auch wenn mich meine sehr geliebte Omi immer wieder daran erinnert hat. Es ist für mich ein Gedenktag. Namenstag feiere ich ausschließlich zum Fest „Allerheiligen“.
Felicitas Probiesch, Gemeindereferentin
02. März 2022
Hl. Papst Johannes XXIII
Ich habe ihn selbst erlebt, den berühmten volksnahen Papst Johannes XXIII, allerdings war ich damals noch ein Kind. Erst später als Erwachsener habe ich ihn schätzen gelernt, und zwar durch einen Film mit dem Titel: Ein Leben für den Frieden.
Der Film ist äußerst humorvoll recherchiert. Als der Papst in seinen ersten Tagen durch die Vatikanischen Gärten geht, laufen die Gärtner weg. Der Papst darf beim Gebet nicht gestört werden. Doch er geht auf die Gärtner zu, redet mit ihnen und erhöht ihren Lohn (was er vom Gehalt der Kardinäle abziehen lässt). Ich musste oft schmunzeln über seine spontanen, aber äußerst wertschätzenden Ideen.
Die Zeit seines Pontifikats (1958-1963) war ebenso voller Spannung wie unsere Zeit. Die zwei großen Weltmächte standen hochgerüstet gegenüber, die Kubakrise spitzte sich zu mit einem Ultimatum, und unsere Stadt Berlin wurde durch eine Mauer geteilt.
Immer wieder zeigt der Film, wie unermüdlich der Papst – oft gegen die Haltung seiner eigenen Mitarbeiter – den Dialog sucht. Dazu lädt er Menschen zum Gespräch in den Vatikan ein: den amerikanischen Botschafter, das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, und besonders ungewöhnlich Frau Adjoubei, die Tochter des damaligen Kreml-Chef Chrustschow.
Am 11. April 1963, kurz vor seinem Tod, veröffentlichte er seine große Enzyklika: Pacem in terris – Frieden auf Erden. Was er geschrieben hat, hat er überzeugend gelebt: Ein Leben für den Frieden.
Lassen Sie uns in diesen Tagen besonders für den Frieden beten und in unseren Bemühungen um Frieden nicht nachlassen. #PrayForUkraine #StandForUkraine
Prälat Stefan Dybowski
23. Februar 2022
Hl. Matthias
Gedenktag: 24. Februar
Der Name Matthias bedeutet – aus dem Hebräischen übersetzt – so viel wie: Geschenk Gottes. Ob man mich als Träger dieses Namens als ein Geschenk Gottes betrachtet, das können nur andere entscheiden. Zumindest meine Eltern haben das wohl so gesehen. Und ich meine: jeder Mensch ist letztlich ein Geschenk Gottes, auch wenn wir manchmal Artgenossen begegnen, die nicht gerade auf unserer Sympathieliste stehen. Wir sollten sie dennoch als ein Geschenk ansehen, das man nicht einfach ablehnen oder zurückgeben kann.
Dass der Matthias im Neuen Testament in besonderer Weise als ein Geschenk Gottes betrachtet wurde, liegt wahrscheinlich daran, dass er durch einen göttlichen Losentscheid zum Apostel geworden ist.
Nach dem Verrat des Judas und seinem Suizid, stellten die übrigen Apostel für ein Losverfahren zwei Nachfolgekandidaten auf – und das Los fiel auf Matthias. So wurde er als neuer zwölfter Apostel den Aposteln zugerechnet.
Der Dienst, den Matthias tun sollte, war also ein apostolischer Dienst: er sollte Zeuge der Auferstehung Jesu Christi sein (Apg. 1,21f) und damit Zeuge für ein Leben, das über den Tod hinausreicht und das es lohnt ewig zu sein.
Zu solchem Leben sind durch Christus letztlich alle Menschen gerufen und diesem Leben will auch ich als Bischof und Nachfolger der Apostel gerne dienen.
Weihbischof Dr. Matthias Heinrich
16. Februar 2022
Hl. Juliana von Nikomedien
Gedenktag: 16. Februar
Juliana von Nikomedien war eine beindruckende Frau. Sie wuchs in einer nichtchristlichen Familie auf. Juliana fühlte sich dem christlichen Glauben jedoch schon immer sehr verbunden und so nahm sie an unzähligen christlichen Versammlungen teil. Versprochen war sie einem Mann namens Eleusius. Da er nicht getauft war, bestand Juliana darauf, er solle sich vor der Hochzeit taufen lassen. Trotz aller Bemühungen der Eltern beharrte Juliana weiter auf ihrem Standpunkt und wollte ehelos leben. Das machte ihren Vater sehr wütend und er verriet seine eigene Tochter an die Christenverfolger.
Der abgewiesene Bräutigam war in der Zwischenzeit Stadtpräfekt geworden und ordnete grausame Folterungen für Juliana an. Sie wurde an den Haaren aufgehängt und mit Blei übergossen. Es wird erzählt, dass der Teufel in Gestalt eines Engels in ihre Gefängniszelle kam. Juliana aber besiegte ihn und fesselte den Teufel in Ketten, die von ihr abfielen. Bis zu ihrem Tod durch Enthauptung, blieb sie ihrem Glauben treu.
Festverwurzelt im Glauben und mit voller Überzeugung für das einzustehen, was einem Kraft und Halt geben kann, kann auch weit nach dem 3. Jahrhundert eine Vorbildfunktion haben.
Auch wenn ich Juliana von Nikomedien für ihre Glaubenskraft und Standhaftigkeit sehr bewundere, gibt es einen klaren Unterschied in unser beider Leben. Mein Mann hat sich, nach dem wir uns kennengelernt haben, taufen lassen.
Juliana Wiencek
Sozialarbeiterin in der Pfarrei Hl. Theresa von Avila Berlin Nordost
09. Februar 2022
Hl. Josefine Bakhita
Gedenktag: 8. Februar
Ich stamme aus Tansania und bin dort mit 25 Jahren in die Gemeinschaft der Marienschwestern eingetreten. Damals bekam ich den Ordensnamen „Bakhita“. Ich konnte mich schnell mit dem Namen anfreunden, denn Bakhita heißt übersetzt Glück oder die Glückliche. Und genau das ist meine Sehnsucht: glücklich zu werden.
Der Anfang des Lebens der Hl. Bakhita war allerdings alles andere als glücklich. Mit 7 Jahren wurde sie beim Spielen aus ihrem Dorf im Sudan verschleppt und als Sklavin verkauft. Bei ihren Herrinnen und Herren musste sie viel Leid erfahren, wurde geschlagen und gequält. Doch eines Tages änderte sich ihr Leben. Ein italienischer Händler brachte sie nach Italien. Dort wurde sie in die Erziehung zu den Canossianischen Schwestern gegeben und trat – inzwischen erwachsen geworden – in das Kloster ein. Bakhita wurde getauft und empfand dies als ein großes Glück. „Ich bin nun eine Tochter Gottes geworden.“
Das ist lange her. Doch auch heute werden Menschen gekauft, schamlos ausgenutzt oder missbraucht. Bakhita hat nach den vielen Herren, die sie gepeinigt haben, einen Herrn gefunden, von dem sie sich geliebt wusste. Ihr Name ist zur Wirklichkeit geworden: sie war glücklich.
Oft denke ich darüber nach, in wessen Dienst ich stehe. Dann fällt mir meine Namenspatronin ein. Auch wenn mein Leben anders verläuft als das der Hl. Bakhita – wir haben den gleichen Herrn, der uns erkauft hat mit seiner Liebe. Ich glaube, der Ordensname passt zu mir: glücklich.
Sr. M. Bakhita Mazengo
Kongregation der Marienschwestern
02. Februar 2022
Hl. Johannes (Giovanni) Bosco
Gedenktag: 31. Januar
Am 31. Januar gedenkt die Kirche des hl. Johannes (Giovanni) Bosco. Er gilt als der Schutzpatron der Jugend und der Jugendseelsorger, da er Mitte des 19. Jahrhunderts als Priester in Turin die Not von auf der Straße lebenden und vernachlässigten Kindern und Jugendlichen erkannte und ein orts-festes Gebäude (das erste Oratorium) im Stadtteil Valdocco als Aufenthalts- und Ausbildungsstätte für verwaiste und heimatlose Jungen einrichtete. Nach seiner Erinnerung empfing er den ersten Impuls zu seiner späteren Berufung schon im 9. Lebensjahr, als er in einem Traum eine große Schar von Jungen sah und einen vornehm gekleideten Herrn, der zu ihm sprach: „Nicht mit Schlägen, sondern mit Güte und Liebe wirst Du sie als Freunde gewinnen“. Kurz vor seinem 39. Geburtstag im Jahr 1854 versammelte er an einem Abend die engsten Mitarbeiter seiner prosperierenden Einrichtung und „machte den Vorschlag, mit der Hilfe Gottes und des heiligen Franz von Sales ihre Nächstenliebe praktisch unter Beweis zu stellen. Er erkannte sich damit als Schüler des hl. Franz von Sales, des Heiligen der Güte und der Geduld, des Apostels unermüdlichen Eifers, der mit seiner ganzen Liebeskraft die Herzen der Menschen verwandeln konnte. Mit untrüglichem Gespür hat Don Bosco an diesem Abend die pastorale Liebe und die Mitte des Evangeliums zum Eckpfeiler seines Werkes gemacht.“ (aus dem Vortrag von P. Herbert Winklehner OSFS zum Studientag der Don Bosco-Familie im Salesianum München am 08.01.2022). Seit diesem Abend betrachteten sich die Mitarbeiter in seinem Oratorium als salesianisch.
Aus dem Geist des hl. Franz von Sales entwickelte sich die Spiritualität der Salesianer, die mit den Begriffen Glaube, Vernunft und Liebenswürdigkeit (Amorevolezza) beschrieben wird.
Aus den oben genannten Erlebnissen und Erfahrungen entstanden später der Orden der Salesianer Don Boscos (SDB) und durch sein weibliches Pendant, der hl. Maria Domenica Mazzarello, der Orden der Don Bosco Schwestern (Filiae Mariae Auxiliatricis (FMA)) sowie die große Familie der weltweit in den Einrichtungen der Salesianer arbeitenden salesianischen Mitarbeiter Don Boscos (SMDB).
Der Generalobere der Salesianer, P. Ángel Fernández Artime, hat in diesem Jahr als Jahresleitgedanken der salesianischen Familie das Wort des hl. Franz von Sales „Alles aus Liebe, nichts aus Zwang“ ausgegeben. Als salesianischer Mitarbeiter Don Boscos in Berlin fühle ich mich den Idealen und der Spiritualität des Ordens aufs Engste verbunden. Sie waren während meines Berufslebens und sind bis heute Leitlinien meines Lebens und Handelns.
Dr. Sebastian Fiechter SMDB
St. Michael, Berlin-Wannsee
26. Januar 2022
Sl. Manfred Settala von Riva
Gedenktag: 27. Januar
Der selige Manfred lebte im 12. und 13. Jahrhundert im Norden Italiens. Er war Kind einer vornehmen Familie, die in Mailand wohnte. Im Bistum Mailand wurde er Priester, wirkte u. a. in Cuasso al Piano und zog sich von dort als Einsiedler zurück auf den Berg „San Giorgio“ in Riva San Vitale am Luganer See, wo er am 27. Januar 1217 starb. Nach der Reform des Heiligenkalenders wurde deshalb auch sein Gedenktag vom 28. Januar auf den 27. Januar verlegt.
Ein Liedtext von Peter Gerloff © fasst das Leben des Seligen zusammen. „(1) Mit festen Schritten reisen bringt Wanderer ans Ziel. Die um sich selber kreisen, verwirklichen nicht viel. Der erste Teil der Fahrt, der wichtigste der Schritte führt aus dem Lärm zur Mitte, in Gottes Gegenwart. (2) Du schautest Gottes Fülle im Spiegel deines Sees und warst für seine Stille ein offenes Gefäß. Die Stadt mit ihrer Gier, voll Ängsten und Verlangen, sie hielt dich nicht gefangen. Gott selber rief nach dir. (3) Sei, Manfred, unser Lehrer in Nacht und Einsamkeit. Wird uns die Straße schwerer – du gibst Gelassenheit. Wenn alles käuflich scheint, wenn Geld allein entscheidet, zeig: Wer Zerstreuung meidet, gewinnt sich Gott zum Freund.“
Die Feiern zu seinem 800. Todestag im Jahr 2017 belegen, dass der selige Manfred bis zum heutigen Tag in Riva wegen seines einfachen Lebensstils, seiner Nähe zur Natur, seiner Frömmigkeit und als guter seelsorglicher Berater und Begleiter geschätzt und verehrt wird. Noch immer ist am 27. Januar in Riva San Vitale ein schulfreier Feiertag. Sein aus dem Althochdeutschen stammender Name war sein Programm: Ein Mann zu sein, der mit sich und seiner Mitwelt im Frieden lebt.
P. Manfred Kollig SSCC
Generalvikar
19. Januar 2022
Hl. Sebastian
Gedenktag: 20. Januar
Der Hl. Sebastian würde als Heiliger gut in die Gegenwart passen. Der Legende nach, die seit dem 4. Jhd. überliefert ist, war der Mailänder ein Hauptmann am kaiserlichen Hof. Ins Heute übersetzt, war er in einer gesellschaftlich durchaus herausgehobenen, staatlichen Position. Anfangs verheimlichte er seine Überzeugung, Christ zu sein. Doch im verborgenen Stand er den Christ:innen in den Gefängnissen Roms bei. Es musste ja so kommen: Kaiser Diokletian erfuhr davon. Er ließ ihn festnehmen und an einen Baum binden. Pfeile der Bogenschützen durchbohrten ihn. Dieses Motiv wurde zahlreich in der Kunstgeschichte aufgegriffen. Vermeintlich tot, wurde er am Baum zurückgelassen. Doch er überlebte, wurde gesund gepflegt und ging unbeirrt zu Deokletian, um ihn zu überzeugen, von der Christenverfolgung abzulassen. Diokletian ließ jedoch nicht davon ab. Weder von der Christenverfolgung, noch von einem zweiten Versuch, Sebastian hinzurichten. Zu Tode gepeitscht, wurde Sebastians Leichnam in einen Abwasserkanal Roms geworfen. Er erschien der Christin Lucina im Traum, die daraufhin den Leichnam barg und im Coemeterium – der heutigen Sebastians-Katakombe in Rom beisetzte.
Während einer Pest in Pavia um 680 wurde er um Fürsprache angerufen. Die Pest verschwand und seine Verehrung nahm Fahrt auf.
Warum ist er ein Heiliger, der auch in unsere Zeit passt? In Zeiten, in denen ein „So wahr mir Gott helfe“ bei Vereidigungen lieber weggelassen wird. In Zeiten, in denen man befremdet angesehen wird, wenn man sich als Christ:in bekennt. In Zeiten, in denen es ein Sich-Erklären als Christ:in braucht. In diesen Zeiten braucht es die Fürsprache des Heiligen Sebastian, um nicht den Mut zu verlieren, wenn man nach dem Glauben, der Liebe und der Hoffnung gefragt wird, die einen erfüllt.
Sebastian Schwertfeger
Stv. Bereichsleiter Bereich Pastoral
12. Januar 2022
Hl. Arnold Janssen
Gedenktag: 15. Januar
Arnold Janssen, 1861 zum Priester geweiht, war durch und durch ein Mann des Gebetes. Es war ihm ein Herzensanliegen anderen Menschen den Zugang zum Gebet und zum Glauben zu erschließen. Dabei wurde sein Blick über die Grenzen Deutschlands hinaus auf die Herausforderungen der Weltkirche gelenkt.
„Er ist entweder ein Heiliger oder ein Narr" So urteilte der Bischof von Roermond, als Arnold Janssen ihm seine Pläne unterbreitete: er wollte ausgerechnet während des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert Menschen ausbilden, sie in die ganze Welt senden, um den christlichen Glauben zu leben und zu verkünden. Da dies von Deutschland aus verboten war, erwarb er ein altes Wirtshaus in Holland - im Vertrauen darauf, das fehlende Geld dafür rechtzeitig zu bekommen - und begann dort ein Ausbildungshaus für Missionare zu gründen.
Was mir an Arnold Janssen am meisten gefällt und was ich bewundere, ist seine Hartnäckig-keit. (Das wurde ihm auch schon mal als Dickköpfigkeit ausgelegt) Wenn er nach langem Gebet und Beratungen etwas als „Willen Gottes“ erkannt hat, ist er allen Widerständen zum Trotz, dieser Spur gefolgt.
Er blieb seinem inneren Ruf treu und war dabei trotzdem flexibel und ging neue Wege. Sein Auftreten wird als nicht besonders charismatisch beschrieben - aber die Entwicklung hat ihm Recht gegeben. Aus dem ersten Missionshaus wurden die drei Ordensgemeinschaften der Steyler Missionar*innen, die schon bald weltweit zu wirken begannen und in über sechzig Ländern arbeiten. Heute durchlaufen unsere Gemeinschaften besonders in Europa aufgrund sinkender Mitgliederzahlen tiefgreifende Veränderungsprozesse. Wir, und nicht zuletzt die ganze Kirche, brauchen auch heute visionär – tatkräftige Persönlichkeiten, die mit „Arnold – Janssen – Qualitäten“ Schritte in die Zukunft setzen.
Sr Annette Fleischhauer SSpS