Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Hoffnung ist eine der großen Botschaften des Christentums. Warum sie glauben und auf ein Mehr hoffen, erzählen hier Christinnen und Christen. Persönliche Glaubenszeugnises und mutmachende Gedanken in der Wochenmitte, um die Seele aufzutanken.

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17. Mai 2023

"Hoffnung ist die Grundemotion des Lebens"

"Hoffnung ist die Grundemotion des Lebens und der natürliche Fein der Angst, sagt die Schweizer Psychoanalytikerin Verena Kast. Auch wenn sie gerade in Krisen oft verdeckt und nicht so kräftig ist, bleibt sie vorhanden. Solange wir lebendig sind, hoffen wir."

Pater Benno Rehländer

05. April 2023

Simon von Kyrene

Gedenktag: 1. Dezember

Im Zug auf dem Weg nach Berlin: Eine junge Frau sucht hektisch etwas in ihrer Tasche, steht auf, schwankt und bricht zusammen. Der Soldat zwei Reihen weiter springt hinzu, kann sie aber nicht mehr auffangen. Hart schlägt sie auf, bekommt keine Luft mehr. Der Soldat kümmert sich um die am Boden Liegende und organisiert Hilfe. Den Mitreisenden gibt er Anweisungen, ihn zu unterstützen, den Notruf zu drücken und das Zugpersonal zu informieren: Von jetzt auf gleich mittendrin im Überlebenskampf der jungen Frau, nicht zuschauend, sondern mitleidend und unterstützend. Wegducken geht nicht.

Ähnlich erging es Simon von Kyrene, der nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause war. Er scheint zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: Sein Weg kreuzt den Weg, den Jesus geht – zur Hinrichtung. Die Soldaten ergreifen den Nächstbesten, zwingen ihm den Querbalken auf die Schulter: „Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie Simon, einen Mann aus Kyrene, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.“ (Lk 23, 26) Simon hat keine Wahl. Unfreiwillig wird er zum Helfer und Begleiter Jesu auf dem Weg zur Kreuzigung. Der Evangelist Markus nennt zusätzlich die Namen seiner Söhne: Alexander und Rufus, vermutlich bekannt in der frühen christlichen Gemeinde. Mehr wissen wir nicht von diesem Mann aus Kyrene, einer antiken Stadt im heutigen Libyen.

Mich beeindruckt diese Szene: Ohne Worte handelt Simon, schleppt diesen Balken, sieht diesen leidenden Jesu: Gottesbegegnung. Doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Für mich wird Simon so zum Heiligen, zum Vorbild für Solidarität und Einsatz für Leidende und Opfer von Gewalt.

Christopher Maaß

29. März 2023

Die Magd des Hohenpriesters

Gedenktag: Zwischen Angst und Liebe

Sie war eher eine Randfigur in der Bibel, und heiliggesprochen ist sie auch nicht. Zumindest aber hat sie einen gestandenen und selbstbewussten Mann zum Einknicken und später zum Weinen gebracht – eine einfache Magd. Ich mag solche Personen. Sie tauchen in der Bibel auf, sagen einen Satz oder tun etwas und verschwinden wieder – aber im Leben der Menschen ändert sich viel.

Petrus war Jesus bis in den Hof des Hohenpriesters gefolgt. Die vorausgegangene Nacht war furchtbar. Soldaten hatten Jesus festgenommen, und Petrus weiß genau, was Jesus bevorsteht: Er soll sterben. Da kommt eine Magd und spricht ihn an: „Du gehörst doch auch zu diesem da.“ Sie begründet ihre Aussage mit zwei Sätzen: „Du sprichst doch die gleiche Sprache.“ Und: „Ich habe dich bei ihm gesehen.“ Eigentlich zwei schlichte Feststellungen, mehr nicht – aber die ziehen Petrus buchstäblich den Boden unter den Füßen weg.

Petrus bekommt Angst um sein Leben. Er windet sich, beteuert, flucht sogar: „Ich kenne diesen Menschen nicht.“ Und er rennt weg. Aber er muss auch etwas lernen. Vor der Magd kann er weglaufen, vielleicht auch noch vor seinem Todesurteil. Aber da gibt es noch etwas, vor dem er nicht weglaufen kann – und auch nicht will, nämlich vor sich selbst und vor seiner Liebe, die er zu Jesus empfindet. Bitterlich fängt er an zu weinen.

Glücklicherweise droht mir nicht gleich der Tod, wenn ich mich zu Jesus bekenne. Aber auch heute ist es nicht immer einfach, zu meinem Glauben an ihn zu stehen.  Was ist stärker? Meine Angst, von anderen belächelt oder verspottet zu werden, oder meine Liebe?

„Ich habe dich bei Jesus gesehen und du sprichst die gleiche Sprache wie er.“ Mit ihrer einfachen Feststellung hat die Magd Petrus zum Einknicken und zum Weinen gebracht, aber vielleicht auch zum Lieben. Jemanden zu lieben macht mich angreifbar und verletzlich. Wie Petrus muss ich mich entscheiden, und diese Entscheidung kann schwach und schmerzlich ausfallen. Und doch hat die Magd dazu beigetragen, dass die Liebe des Petrus dadurch gereift ist. So eine Magd täte mir sicher auch gut – nicht nur in der Passionszeit.

Prälat Stefan Dybowski

22. März 2023

Hl. Josef

Gedenktag: 19. März

Wenn ich in der Weihnachtszeit Bilder von der Geburt Jesu sehe, finde ich den Hl. Josef oft eigenartig dargestellt: mit zarten Händen und einem Gesicht, das schon erste Spuren des Alters erkennen lässt. So kann ich mir Josef beileibe nicht vorstellen. Die Bibel sagt, dass er Zimmermann war. So wird er wohl ein muskulöser Mann gewesen sein mit starken Armen. Und als Verlobter von Maria stelle ich ihn mir eher als jungen und verliebten Mann vor.

Eine herrliche Beschreibung fand ich bei Eric Emmanuel Schmitt. In seinem Buch „Das Evangelium nach Pilatus“ erzählt er, wie sich Jesus als Junge beim Spielen in einem Steinbruch versteckt hat. Beim Herunterklettern bekam er Angst. Er konnte sich nicht mehr halten, ließ sich fallen und landete in den starken Armen seines Vaters. Seine Spielgefährten hatten ihn rechtzeitig geholt.

Schmitt beendet seine Erzählung: Josef sagte gar nichts. Er drückte seinen Sohn nur ganz fest an sich.

In der Hl. Schrift wird uns kein Wort vom Hl. Josef überliefert. Viele beschreiben ihn daher als einen schweigsamen Mann. Auch das kann ich mir nur schwer vorstellen. Wenn er Jesus das Zimmerhandwerk beigebracht hat, wird er ihm dazu sicher gesagt haben, wie man das macht. Und ich glaube, dass er auch seiner Braut Maria oft etwas Liebes gesagt hat. Entscheidend ist, wann man etwas sagt und wie. Manchmal sind Worte hilfreich und tun gut. Aber in manchen Situationen ist es besser, nichts zu sagen und den anderen einfach nur in seine starken Arme zu nehmen.

Und wenn ich mal falle, wünschte ich mir Freunde, die rechtzeitig so jemanden herbeiholen, der mich mit seinen starken Armen auffangen kann  – wie Josef.

Prälat Stefan Dybowski

15. März 2023

Hl. Almut

Gedenktag: 12. März

Wer Almut heißt, muss seinen Namen oft buchstabieren. Der seltene Name ist wenig bekannt, hat dafür aber eine sehr schöne Bedeutung: adal muot (althochdeutsch) heißt übersetzt „edle Gesinnung“. Da fast alle anderen germanischen Namen mit dem Bestandteil muot männlich sind, ordnen viele auch Almut so ein. Nachdem zwischen 1972 und 1998 der deutsche Bundeskanzler durchgängig Helmut hieß, wird besonders im Ausland Almut einfach für eine Variante von Helmut gehalten.


Dabei machte die heilige Almut nicht nur ihrem Namen, sondern auch ihrem Geschlecht alle Ehre. Sie war Stifterin und erste Äbtissin des um 1015 gegründeten Chorfrauenstifts Wetter bei Marburg. Der Überlieferung nach stammten sie und ihre Schwester Digmut, die ihr als Äbtissin nachfolgte, aus schottischem Königshaus.
Chorfrauen oder Kanonissen waren Frauen, die nach einer bestimmten Regel (Kanon) ein gemeinschaftliches christliches Leben führten, das zwei Hauptanliegen gewidmet war: dem gemeinsamen Stundengebet und dem Dienst an den Armen und Kranken. Zum Chorfrauenstift Wetter gehörten aber nicht nur ein Hospital und eine Herberge für weibliche Reisende, sondern auch eine Schule für Mädchen. Denn diese wurden teilweise schon in jungen Jahren im Konvent aufgenommen. Sie lernten hier die für die Liturgie benötigte lateinische Sprache sowie Psalmengesang und gregorianischen Choral. Solche Konvente zählten damals also zu den wenigen Stätten der Frauenbildung.


Bei ihrem Grab findet sich eine Steinplatte, auf der steht, dass Almudis ein Kloster errichtet, mit Einkünften ausgestattet und bis zu ihrem frühen Tod geleitet hat.
Einzelheiten über das Wirken der Äbtissin Almut sind leider nicht überliefert. Ihr großes Ansehen ist aber daraus ersichtlich, dass sie schon frühzeitig zur Ehre der Altäre erhoben wurde.
Im Zuge der Reformation wurde 1528 das Kanonissenstift Wetter aufgelöst, infolgedessen schwand allmählich die Verehrung seiner Stifterin.


Ihr Gedenktag aber hat bis heute Bestand und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf eine Frau, die ihr privilegiertes Leben ganz in den Dienst Gottes und den Dienst am Nächsten stellte und einer Gemeinschaft gleichgesinnter Frauen Schutz, Heimat und Lebensinhalt gab: Almut. Ihr Name war Programm. Haben Sie auch eins?

Dr. Almut Trenkler

08. März 2023

Hl. Fridolin von Säckingen

Gedenktag: 6. März

Als mir meine Eltern den Namen Fridolin gaben, hatte mein Vater – für die männliche Nachkommen durfte er, für die weiblichen meine Mutter entscheiden – weniger den Heiligen vor Augen als vielmehr einen Verwandten, der ihm sehr nahestand. In meiner Kindheit war der Name äußerst selten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Ein Junge mit dem Namen Fridolin hat gute Chancen auf seiner Schule der einzige mit diesem Namen zu sein“, steht auf einer Website über Vornamen. So ist es nicht verwunderlich, dass unseren heutigen Heiligen fast niemand kennt, zumal wenig Gesichertes bekannt ist.

Vermutlich in Irland geboren, war er als Missionar und Wanderprediger im angelsächsischen Raum unterwegs. Er sah seine Berufung darin, den Menschen das Evangelium zu verkünden und mit dem Aufbau von Klöstern, die er vor allem dem Heiligen Hilarius widmete, den er sehr verehrte, Orte christlichen Lebens zu begründen. In Bad Säckingen soll er laut Überlieferung sogar ein Doppelkloster gegründet haben. Frauen und Männer als Ordensangehörige widmen gemeinsam in einer Klosteranlage ihr Leben der Nachfolge Christi.  In dieser Stadt, wo er auch gestorben ist, befinden sich seine Gebeine im Fridolinsmünster. Alljährlich feiern die Einwohner ihre Heiligen in einer großen Prozession durch die Stadt.

Den Auftrag, den der Heilige Fridolin für sich damals sah, den Glauben auch in schwieriger und unsicherer Zeit zu verkünden und Orte christlichen Lebens zu schaffen, hat meines Erachtens nichts von seiner Aktualität verloren.


Fridolin Schubert
SANCTA MARIA Institut der hl. Hedwig gGmbH


01. März 2023

Hl. Roger

Gedenktag: 1. März

Die Katholischen haben immer zwei Vornamen – sagt man. In der Familie meiner Mutter waren es sogar drei. Manchmal steht ein frommer Gedanke dahinter: zwei Namenspatroninnen sind besser als eine. Nun ist mein zweiter Vorname „Roger“. Das war die Idee meines Vaters, der damit eine gewisse Ehrerbietung gegenüber dem Einsatz der Amerikaner für Berlin ausdrücken wollte. Damit bietet sich als Aussprache die englische Form [ˈrɔdʒər] an. Es ist dann nicht nur ein Name, sondern auch umgangssprachlich der Hinweis „Alles in Ordnung!“. 

Einen besonders hilfreichen Heiligen hatten meine Eltern bei der Namensgebung nicht im Blick. So steht mir nun eine ganze Reihe heiliger Rogers zur Auswahl, auf die ich mich festlegen könnte. Die meisten von ihnen kommen aus dem französischen Sprachraum und werden [roˈʒeː] ausgesprochen, etwas vornehmer als im Englischen.

Am 1. März erinnert der katholische Heiligenkalender an Roger le Fort. Nach Informationen von Wikipedia ist er „nur“ ein Seliger. Geboren wurde der adlige Knabe um 1285 in Les Ternes. Das liegt im südlichen Frankreich, jedoch noch weit weg von der Côte d’Azur. Für Rogers Erziehung und Bildung sorgt sein Onkel Pierre, der Erzbischof von Toulouse. Das bedeutete die Erfahrung der großen weiten Welt, aber auch eine gewisse Festlegung seines Werdeganges. Studium der Literatur und der Rechte – gerne. Auch den Klerikerstand nimmt er auf sich. Das aber ist ihm an Karriere genug. Gegen seinen Wille wird er 1321 mit etwa 36 Jahren Bischof von Orlean, später sogar Erzbischof von Bourges.
Es scheint eine Abwehrhaltung gegen Macht und Glamour zu sein, dass er sich auf die Sorge für die Armen und Kranken konzentriert. Gleichzeitig gibt er damit dem Amt in der Kirche die richtige Ausrichtung als ein Dienst. In den Lebensbeschreibungen bleibt dies auch als Summe seines Lebens: ein großer Wohltäter und ein Freund der Armen. Er stirbt am 23. April 1367.
Ich finde es gut, dass mich mein Namenspatron Roger an diese elementare Aufgabe von Kirche erinnert. Das ist auch hilfreich für den vielen Gesprächen in der Kirche um die Kirche.

Übrigens: Wer Rüdiger heißt, könnte heute auch Namenstag feiern.

Lutz R. Nehk

22. Februar 2023

Hl. Aloisius Versiglia und Hl. Kallistus Caravario

Gedenktag: 25. Februar

Aloisius (Luigi) Versiglia wurde am 5. Juni 1873 in Oliva Gessi (Pavia) geboren. Als Zwölfjähriger kam er zu Don Bosco ins Oratorium nach Turin. Im Jahr 1895 wurde er zum Priester geweiht. 1906 führte er die erste salesianische Missionsaussendung nach China an und verwirklichte so eine häufige Prophezeiung Don Boscos. Nach der Gründung des salesianischen Mutterhauses in Macau eröffnete Aloisius die Mission von Shiu Chow und wurde dort am 22. April 1920 der erste Bischof. Er galt als klug und unermüdlich sowie als echter Hirte, der sich ganz seiner Herde widmete. Er erwies sich mehr als Vater und weniger als Mann der Autorität. Er war ein Beispiel an Arbeit und Liebe und befahl nichts, ohne zuvor die Kräfte der Mitbrüder abgeschätzt zu haben.

Kallistus (Callisto) Caravario wurde am 18. Juni 1903 in Cuorgnè (Turin) geboren. Als er Bischof Alois Versiglia im Jahr 1921 in Turin begegnete, sagte er zu ihm: „Herr Bischof, ich werde Sie in China wiedersehen." Kallistus hielt sein Wort und reiste zwei Jahre später nach Asien ab. Dort wurde er zum Priester geweiht, war ein treuer Ordensmann und von einer eifrigen Liebe beseelt.

Am 25. Februar 1930 gingen Bischof Aloisius Versiglia und Kallistus Caravario gemeinsam mit zwei Lehrern, zwei Katechetinnen und einer Schülerin auf einem Pastoralbesuch in das Gebiet von Lin Chow, als sie in einem abgelegenen Flussabschnitt von kommunistischen Piraten überfallen wurden. Beim Versuch, die jungen Frauen zu schützen, die entkommen konnten, wurden die beiden Missionare brutal geschlagen und später aus Hass gegenüber dem christlichen Glauben erschossen.

China ist weit weg, und Piraten begegnet man höchstens zu Fasching. Doch dass Menschen von anderen bedrängt oder überfallen werden, kann man leider in unserer Zeit häufig erleben. In solchen Fällen nicht wegzuschauen, sondern sich schützend vor andere zu stellen, erfordert viel Courage. Die beiden Salesianer haben ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt. Im Jahr 2000 wurden die beiden Märtyrer von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

P. Wilhelm Steenken, Salesianer Don Boscos SDB

15. Februar 2023

Hl. Valentin

Gedenktag: 14. Februar

Die Liebe ist etwas Großartige und Wunderbares. Sie ist das freie „Ja“ zweier Menschen zueinander und kann sich auf vielfältige Weise zeigen: zaghaft und tastend oder stürmisch und mitreißend. Die Liebe kann nicht erzwungen werden, sie ist immer ein Geschenk. Der Valentinstag am 14. Februar ist der Tag der Verliebten, der Love Day, an dem zwei Menschen ihre Liebe besonders zum Ausdruck bringen wollen. Es werden Blumen und Geschenke ausgetauscht oder man verwöhnt sich mit einem gemeinsamen Essen. Längst hat sich unsere Wirtschaft auf diesen Tag mit speziellen Angeboten eingestellt. Das Glücksgefühl der Liebe und die Sehnsucht danach lassen sich gut vermarkten.

Der Valentinstag geht wahrscheinlich zurück auf zwei Märtyrer des 3. Jahrhunderts: den Heiligen Valentin, Bischof von Terni, und den römischen Priester Valentin. Von Letzterem wird berichtet, dass er Paare christlich getraut und ihnen in Partnerschaftskrisen geholfen hat. Durch die Zeiten hindurch entwickelte sich der Valentinstag regional sehr unterschiedlich und hat heute seinen Platz am 14. Februar gefunden. Geblieben ist die Sehnsucht vieler Paare, ihre Liebe zu feiern und dieses zerbrechliche Gut unter Gottes Schutz und Segen zu stellen.

Hermann Fränkert-Fechter

 

08. Februar 2023

Sel. Petro Werhun

Gedenktag: 7. Februar

Jedes Jahr trafen wir uns im Josefsheim in der Pappelallee in Prenzlauer Berg, um gemeinsam mit dem Bischof die Kar- und Ostertage zu feiern. Wir, das waren die Theologiestudenten aus dem Ostteil und dem Westteil unseres Bistums. Das Haus der Karmelitinnen in der Pappelallee war damals eine Brücke zwischen Ost und West. Allerdings war der Weg für uns Westberliner oft mit vielen unangenehmen Kontrollen, Durchsuchungen und Verhören verbunden. Schon damals musste ich erfahren, dass „Brückenmenschen“ gefährlich leben.

Viel später habe ich erfahren, dass schon früher in der Pappelallee ein Brückenbauer lebte, der allerdings den wenigsten bekannt ist: Petro Werhun. Er ist 1890 in der Ukraine geboren. Im Jahr 1927 wurde er in Berlin Seelsorger für die ukrainischen Katholiken und lebte im Josefsheim. Sein Anliegen war nicht nur, den Ukrainern bei uns eine Heimat zu geben, sondern auch durch Vorträge über die byzantinische Liturgie den Dialog zwischen der Ostkirche und der Westkirche zu fördern.

Den Menschen, und hier besonders den Ukrainern, eine Heimat zu geben und den Dialog zwischen Völkern und Konfessionen zu fördern – wer hätte damals gedacht, wie aktuell das Bemühen von Petro Werhun wieder werden würde.

Wer Brücken bauen und somit Menschen zueinander bringen möchte, muss zunächst für sich selbst einen Standpunkt finden. Anscheinend hat sich Petro Werhun auf die falsche Seite gestellt. Von der Gestapo wurde er überwacht. Als dann die Rote Armee 1945 Berlin besetzte, wollte er seine Gemeinde nicht im Stich lassen. Im Juni 1945 wurde er verschleppt und zu 8 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Am 7. Februar 1957 starb er an den Folgen der Zwangsarbeit in sibirischer Verbannung.  

Entweder stehst Du auf meiner Seite, oder Du bist mein Feind. In einer Welt, die nur schwarz oder weiß kennt, scheint das Positionieren einfacher. Petro Werhun hat sich auf die Seite der Menschen gestellt und versucht, Menschen miteinander zu verbinden. Solche Brückenbauer leben gefährlich. Aber sie bringen Farbe in die Welt – und Wärme.
Prälat Stefan Dybowski