Vor zehn Jahren hat Papst Franziskus mit dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris laetitia – Über die Liebe in der Familie ein Grundlagenpapier für die Ehe- und Familienpastoral der Weltkirche vorgelegt. „Die Weltsynoden zur Familie 2014 und 2015 und das daraus hervorgegangene Dokument Amoris laetitia haben die Ehe- und Familienpastoral neu ausgerichtet. Sie ermutigen uns als Kirche, Paare ein Leben lang zu begleiten, angefangen bei der Ehevorbereitung über die Feier des Sakraments bis zur Begleitung in den täglichen Herausforderungen des Zusammenlebens. Diese Begleitung gilt allen Paaren“, so Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz.
Amoris laetitia würdigt Ehe und Familie in großer sprachlicher Kraft als fundamentale Orte der Berufung und Teilhabe am Aufbau des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens: „Das Wohl der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt und der Kirche“ (AL, Nr. 31), betonte der damalige Papst Franziskus. Er rief die Kirche dazu auf, den sakramentalen Charakter der Ehe, ihre unauflösliche Bindung und die reiche spirituelle Dimension des ehelichen Lebens zu verkündigen und zugleich auf die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen zuzugehen. Den Weltbischofssynoden 2014 und 2015 war eine weltweite Umfrage zu Ehe und Familie vorangegangen, die in aller Ehrlichkeit die Lebensrealitäten offenlegte. Papst Franziskus hob hervor: „Die Gegenwart des Herrn wohnt in der realen, konkreten Familie mit all ihren Leiden, ihren Kämpfen, ihren Freuden und ihrem täglichen Ringen.“ (AL, Nr. 315)
Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Anschluss an Amoris laetitia im Jahr 2017 ein Dokument zur Erneuerung der Ehe- und Familienpastoral unter dem Titel Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche vorgelegt. Zudem wurden 2018 Eckpunkte zur Ehevorbereitung und 2021 Eckpunkte zur Ehebegleitung und zur Ehespiritualität veröffentlicht. In zahlreichen (Erz-)Bistümern wurden gemäß dem Dreischritt „Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern“ neue Wege der Pastoral, auch mit Paaren in sogenannten irregulären Situationen, eröffnet: „Diejenigen, die zur Kirche gehören, brauchen eine barmherzige und ermutigende seelsorgliche Zuwendung. Denn den Hirten obliegt nicht nur die Förderung der christlichen Ehe, sondern auch die pastorale Unterscheidung der Situationen vieler Menschen, die diese Wirklichkeit nicht mehr leben.“ (AL, Nr. 293) Dieser Ansatz, der die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten ernst nimmt, hat in den vergangenen zehn Jahren eine lebendige kirchliche und theologische Diskussion angestoßen und für die Pastoral fruchtbar gemacht.
Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Amoris laetitia gelte dem verstorbenen Papst Franziskus ein besonderer Dank für dieses richtungsweisende Schreiben. Es habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, Ehe und Familie in ihrer sakramentalen Bedeutung zu bekräftigen und Pastoral praxisorientiert und barmherzig zu gestalten. Erzbischof Koch hebt hervor: „Amoris laetitia zeigt, dass die Ehe als Sakrament nicht nur ein Moment der Feier am Hochzeitstag ist, sondern ein fortlaufender Weg des Wachstums in Liebe und Treue. Wir wollen Paare stärken und begleiten, diese Dimension im Alltag zu entdecken.“ Über die Ehe- und Familienpastoral hinaus waren die Weltsynoden 2014 und 2015 Ausgangspunkt für den neuen synodalen Stil der Kirche, der durch die Weltsynoden 2023 und 2024 bis hin zur geplanten Kirchenversammlung 2028 zur Erneuerung der Kirche beiträgt.