Heute (2. August 2026) wird der Europäische Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma begangen. Aus diesem Anlass findet in der Staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau (Polen) eine Gedenkveranstaltung statt. Weihbischof Dr. Matthias Heinrich (Berlin), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge für Sinti, Roma und verwandte Gruppen, nimmt daran teil und vertritt dort die katholische Kirche in Deutschland.
„Die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs mahnt uns heute, sensibel zu sein für alle Formen von Antiziganismus und diesen entschieden entgegenzutreten“, erklärt Weihbischof Heinrich. „Unser Platz ist an der Seite der Opfer und ihrer Nachfahren. Es schmerzt zu sehen, dass auch die Kirche den Sinti und Roma vieles schuldig geblieben ist. Die geteilte Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit stärkt und ermutigt uns in unserem Bemühen, unsere heutigen Beziehungen solidarisch und wahrhaftig zu gestalten.“
Die Teilnahme an den Gedenkfeierlichkeiten ist Teil eines Prozesses, den die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begonnen hat, um die schwierige Geschichte der Kirche mit der Minderheit aufzuarbeiten. Im Jahr 2025 veranstalteten die Deutsche Bischofskonferenz und der Zentralrat gemeinsam das wissenschaftliche Symposium „Zwischen Fürsorge und Antiziganismus“ zum Verhältnis der katholischen Kirche in Deutschland zu den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit.
Auf Grundlage der im Rahmen des Symposiums gewonnenen Erkenntnisse bereitet die Deutsche Bischofskonferenz derzeit eine Erklärung zum Verhältnis zu den Sinti und Roma vor, die sich auch mit der Frage der Schuld der Kirche befassen wird. Die Erklärung soll 2027 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Hintergrund
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurde im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau das sogenannte „Zigeunerlager“ liquidiert. Hinter dieser verwaltungsmäßigen Sprache verbirgt sich der Massenmord an ca. 4.300 Sinti und Roma. Nur wenige als „Zigeuner“ nach Auschwitz Deportierte haben die Vernichtungspolitik der deutschen Nationalsozialisten überlebt. Insgesamt wurden während des Zweiten Weltkriegs in Europa ca. 500.000 Sinti und Roma ermordet – der Tiefpunkt einer an Diskriminierungen, Verfolgungen und Ausgrenzungen reichen Geschichte der Sinti und Roma.