Die Ukrainische Griechisch-Katholische Gemeinde in Berlin ist heute weit mehr als ein Ort für Gottesdienste. Sie ist Heimat, Anlaufstelle und Gemeinschaft für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Zugleich ist sie auch ein lebendiger Teil der katholischen Kirche in Berlin und Potsdam.
Wer die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde in Berlin besucht, erlebt eine Kirche mit einer besonderen Tradition. Die Gemeinde feiert ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus und steht zugleich in voller Gemeinschaft mit dem Papst in Rom. Ihre Geschichte reicht fast hundert Jahre zurück: Am 8. November 1927 kam der junge Priester Petro Werhun nach Berlin, um die ukrainischen Katholikinnen und Katholiken im gesamten Deutschen Reich seelsorglich zu begleiten.
Werhun wurde zu einer prägenden Gestalt der Gemeinde. Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb er bei den Menschen in Berlin, obwohl die Stadt massiv bombardiert wurde. Sein unerschütterliches Credo lautete: „Solange in Berlin auch nur ein einziger meiner Gläubigen bleibt, bleibe auch ich hier.“ 1945 wurde er von sowjetischen Sicherheitskräften verhaftet und in die Sowjetunion verschleppt. Nach Jahren in Haft und Verbannung starb er 1957 in Sibirien. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 2001 selig.
Heute: eine Gemeinde, die wächst
Fast ein Jahrhundert später ist die Gemeinde wieder mit einer neuen historischen Herausforderung konfrontiert. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, insbesondere seit der Eskalation im Jahr 2022, ist die Zahl der Ukrainerinnen und Ukrainer in Berlin stark gestiegen. Für viele Geflüchtete wurde die Gemeinde zu einem wichtigen Ort, an dem sie nicht nur ihren Glauben leben, sondern auch Gemeinschaft und Unterstützung finden.
Heute ist die Ukrainische Griechisch-Katholische Gemeinde in Berlin als Personalpfarrei des Heiligen Nikolaus organisiert. Ihre Seelsorge erstreckt sich über mehrere Orte: Gottesdienste und Angebote gibt es in Berlin-Lichtenberg, Berlin-Westend und Potsdam. Damit ist die Gemeinde nicht nur räumlich gewachsen. Auch ihr Gemeindeleben ist vielfältiger und umfangreicher geworden.
Die Zahlen zeigen, wie lebendig die Gemeinde ist: Mehr als 350 Menschen nehmen jede Woche an den Sonntagsgottesdiensten teil. Rund 170 feiern in Berlin-Westend mit, etwa 80 in Lichtenberg und rund 100 in Potsdam. Darüber hinaus gibt es – mit Ausnahme des Montags – an jedem Tag Gottesdienste. Wöchentlich finden zudem etwa 40 bis 50 Beichten und seelsorgerische Gespräche statt.
Kirche, Seelsorge und konkrete Hilfe
Das Gemeindeleben erschöpft sich jedoch nicht im Gottesdienst. Gerade für Menschen, die durch Krieg, Flucht und den Verlust ihrer Heimat belastet sind, ist persönliche Begleitung wichtig.
Die Priester und Ehrenamtlichen bieten Gespräche, Beichte, Krankensalbung und Gebetsbegleitung an. Familien werden auf Taufen und Trauungen vorbereitet, Kinder auf Erstbeichte und Erstkommunion. Auch Jugendliche und Erwachsene können an Angeboten der Glaubensunterweisung teilnehmen.
Gleichzeitig ist die Gemeinde ein Ort der Begegnung. Beim Sonntagscafé kommen Menschen nach dem Gottesdienst zusammen, tauschen sich aus und lernen einander kennen. Kulturelle Veranstaltungen helfen dabei, ukrainische Identität und Tradition zu bewahren. Auch ökumenische Begegnungen und gemeinsame Gottesdienste mit anderen christlichen Gemeinden gehören zum Gemeindeleben.
Besonders wichtig ist die ganz konkrete Unterstützung im Alltag. Ehrenamtliche helfen beim Übersetzen, bei Formularen sowie bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Es gibt kostenlose Rechtsberatung. Menschen in Krankenhäusern, Palliativstationen und Hospizen werden besucht und begleitet; auch Familien, die einen Angehörigen verloren haben, erfahren Unterstützung.
Ein Ort der Hoffnung
Dabei ist die Gemeinde offen für Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Nicht alle Neuankömmlinge aus der Ukraine gehören ursprünglich der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche an. Was viele verbindet, sind die Erfahrungen von Krieg, Flucht und Verlust sowie die Hoffnung auf Frieden. So ist die Gemeinde heute ein Ort, an dem Glaube und konkrete Hilfe unmittelbar zusammengehören. Hier wird ukrainische Kultur bewahrt und zugleich Gemeinschaft mit den katholischen Gemeinden in Berlin und Potsdam gelebt.
Die Gemeinde blickt dabei mit großer Dankbarkeit auf die Unterstützung der Erzdiözese Berlin und vieler deutscher Kirchengemeinden zurück. Ihre Kirchen wurden für Gottesdienste geöffnet, Pfarrhäuser wurden zu Orten der Begegnung und Geflüchtete mit offenen Herzen aufgenommen. In jedem Gottesdienst wird für den Frieden und ein baldiges Ende des Krieges gebetet.
Die Geschichte von Petro Werhun zeigt, was es bedeuten kann, bei den Menschen zu bleiben. Die Gemeinde von heute führt dieses Zeugnis auf ihre Weise weiter. Sie ist für die Menschen da und als Kirche bietet sie Seelsorge, Gemeinschaft und auch ganz praktische Hilfe an. Gerade in Zeiten von Krieg und Unsicherheit wird Kirche so zu einem Ort, an dem Menschen Halt und Hoffnung finden.
Gottesdienste und Standorte
Berlin-Lichtenberg – Heilig-Kreuz-Kirche
Malchower Weg 22, 13053 Berlin
Sonntag: 11.00 Uhr
Priester: Pfr. Sergiy Dankiv
Tel.: +49 176 24645943
E-Mail: ugcc.berlin(ät)gmail.com / o.ser.dankiv73(ät)gmail.com
Berlin-Westend – Klosterkirche Mariä Verkündigung
Bayernallee 32 (Preußenallee 27), 14052 Berlin
Sonntag: 9.00 Uhr
Priester: Dekan Dr. Serhiy Oliynichuk
Tel.: +49 176 77522381
E-Mail: ugcc.berlin(ät)gmail.com / s.oliynichuk(ät)gmail.com
Potsdam – St. Peter und Paul Propsteikirche
Am Bassin 7, 14467 Potsdam
Sonntag: 12.30 Uhr
Priester: Dekan Dr. Serhiy Oliynichuk
Tel.: +49 176 77522381
E-Mail: ugcc.berlin(ät)gmail.com / s.oliynichuk(ät)gmail.com
Website: www.ugcc.berlin