Kabinett beschließt Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe
Berlin – das Bundeskabinett hat gestern das von Familienministerin Prien (CDU) entworfene Gesetz zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe beschlossen. Der Caritasverband für das Erzbistum Berlin begrüßt das Ziel, die Kinder- und Jugendhilfe inklusiv und zukunftsfest aufzustellen. Gleichzeitig warnt die Caritas davor, notwendige Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien aus Spargründen einzuschränken. Kinder, Jugendliche und ihre Familien dürfen nicht zum Sparobjekt werden. Die Caritas fordert stattdessen gezielte Investitionen in Familien und ihre Kinder: in Kitas, Schulen, Erziehungsberatung, Familienzentren, starke Jugendämter und rechtzeitig verfügbare, individuelle Hilfen.
„Dieses Gesetz setzt den Spardruck in den Vordergrund und nicht die Frage, was Familien und Kindern am besten helfen würde. Wenn das, was gebraucht wird, nicht ausreichend berücksichtigt wird oder Hilfen zu spät kommen, verschärfen sich Probleme und Krisen. Man greift erst ein, wenn es eigentlich schon zu spät ist“, erklärt Jens-Uwe Scharf, Caritas-Fachreferent für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe und Leiter der Abteilung Sozialpolitik.
Betroffen wären vor allem junge Menschen, die ohnehin besondere Unterstützung brauchen: Kinder und Jugendliche in belasteten Familiensituationen sowie diejenigen, die in einem Kinder- und Jugendhaus leben, statt zu Hause bei ihrer Familie. In den elf Einrichtungen der Caritas im Erzbistum Berlin werden derzeit rund 400 junge Menschen betreut. Viele von ihnen haben Gewalt, Missbrauch und Verwahrlosung in ihren Familien erlebt. Sie sind daher auf verlässliche Hilfen angewiesen. Auch Familien, die frühe Beratung, Begleitung und verlässliche Ansprechstellen brauchen, hätten es durch die Reform künftig schwerer.
Die im Gesetzentwurf ausgewiesenen Einsparpotenziale von jährlich bis zu 1,34 Milliarden Euro machen deutlich, dass finanzielle Erwägungen eine erhebliche Rolle spielen. Doch wer an Familien und Kindern spart, verschiebt Probleme in die Zukunft – mit gravierenden Folgen für die Betroffenen und mit höheren Folgekosten für die Gesellschaft, sei es für Gesundheit, Sozialleistungen oder öffentliche Sicherheit.
„Gerade eine alternde Gesellschaft braucht starke junge Menschen. Investitionen in Familien, Kinder und Jugendliche sind Investitionen in unsere Zukunft“, so Cornelia Piekarski, Geschäftsführerin der Caritas Familien- und Jugendhilfe gGmbH und Vorständin im Caritasverband. „Dazu gehört auch, die inklusive Kinder- und Jugendhilfe deutlich früher umzusetzen. Eine Verschiebung bis 2036 wäre ein fatales Signal an junge Menschen mit Behinderung und ihre Familien.“
Notwendig ist aus Sicht der Caritas ein konsequenter Ausbau von Angeboten, die leicht zugänglich sind und frühzeitig helfen: mehr verlässliche Unterstützung in Kitas und Schulen, gut erreichbare Erziehungsberatung, verlässlich finanzierte Familienzentren und Jugendämter, die rechtzeitig handeln können. So können Familien frühzeitig Unterstützung bekommen, Kinder und Jugendliche werden in ihrem Alltag gestärkt und Krisen können aufgefangen werden, bevor sie eskalieren.
„Aus unserer Erfahrung wissen wir: frühe Hilfen sind wirksamer und günstiger als zu späte Hilfen“, so Cornelia Piekarski. „Deshalb fordern wir die gesetzgebenden Verantwortlichen zu einem Kurswechsel auf: Die Reform muss Kinderrechte stärken, Jugendämter handlungsfähig halten und Familien rechtzeitig unterstützen – statt an ihnen zu sparen.“