Im Kino – wie lange ist das eigentlich schon wieder her? – geht es mir am Ende oft viel zu schnell: gerade eben konnte die Welt gerettet oder ein monströser Verbrecher überführt werden, gerade noch verloren Menschen – oft nächste Angehörige – ihr Leben und plötzlich scheint wieder die Sonne und die Überlebenden fallen sich lächelnd und zufrieden in die Arme, Happy End, Abgang in die untergehende Sonne!
Dass Kino nicht selten unrealistisch ist, weiß man; aber viel zu wenige kümmern sich um die, für die es gerade eben nicht gut ausgegangen ist, die ihre Liebsten verloren haben, Schrecken und Angst noch verarbeiten müssen oder in eine persönliche Katastrophe geraten sind. Von den Notfallseelsorgern weiß ich, dass es für viele eben nicht vorbei ist, wenn es vorbei ist.
Die Jünger Jesu brauchten ganze fünfzig Tage, um die Angst der Hinrichtung ihres Meisters, die Trauer um seinen Tod, aber auch die alles neu eröffnenden Begegnungen mit dem Auferstandenen, die Frohe Osterbotschaft, anzunehmen und zu verkraften. Fünfzig Tage, bis sie so offen und bereit sind, dass der Funke des Glaubens und der Hoffnung von Gott in ihre Herzen überspringt. Im Leben wie im Glauben braucht es oft viel Geduld und Ausdauer, damit Großes wachsen kann. Die Osterevangelien berichten davon: Statt zu jubeln über die Auferstehungsbotschaft, wachsen zunächst Zweifel und Unsicherheiten. Die Jünger gehen wieder nach Hause, 50 Tage Aushalten und Ausharren bis zum Pfingstfest.
Am Sonntag erfüllen sich diese 50 Tage seit Ostern, die Zeit der Geduld, des Wachsens und des Reifens im Glauben, der wechselseitigen Ermutigung, des Bestärkens in der Hoffnung, des Wartens auf den Heiligen Geist, in dem Gott auch heute seine Kraft und seine Begeisterung all denen schenken will und wird, die sich ihm öffnen, die Gott und seinem Geist in ihrem Leben viel zutrauen. Die Begeisterung von Pfingsten setzt sich durch: die unbefangene Freude über das Geschenk des Lebens, seine Buntheit und Vielfalt, seine Schönheit, Größe und Heiligkeit, größer als jede Leinwand es abbilden kann. „Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft!“ singen wir an Pfingsten, wir glauben daran, dass diese Begeisterung ansteckend ist, durch alle Türen und Masken hindurch, über alle Abstände hinweg.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und ein gesegnetes Pfingstfest.
