In guten und in schlechten Zeiten

Seit gut einem Jahr bin ich nun Erzbischof von Berlin und sehr dankbar über viele bereichernde Begegnungen in dieser Zeit. Als Familienbischof berühren mich besonders Themen rund um Ehe, Partnerschaft, Erziehung und ich habe hier in Berlin eine wunderbare Tradition vorgefunden, nämlich zwei Gottesdienste, die ich mit „Bestärkung auf dem Lebensweg“ überschreiben möchte.

Morgen feiern wir einen ökumenischen Gottesdienst für Getrenntlebende und Geschiedene in der katholischen Kirche St. Michael in Kreuzberg und am Sonntag darauf findet der Tag der Ehejubiläen in der St. Hedwigs-Kathedrale statt. Oft werde ich gefragt, wie denn das zusammenpasst, zwei so gegensätzliche Veranstaltungen so kurz nacheinander? Ganz hervorragend, finde ich, denn beiden Gottesdiensten gemeinsam ist die Wertschätzung des Sakramentes der Ehe und derer, die sich das Ja-Wort einmal gegeben haben.

Kirche begleitet Menschen, die ihre Ehe in guten und in schlechten Zeiten leben und sie begleitet Menschen, die in ihrer Ehe scheitern und sich aus unterschiedlichen Gründen trennen. Getrenntlebende erwarten den Segen der Kirche zur Bestärkung ihres Lebensweges genauso wie auch Paare den Segen Gottes brauchen.

Paare, die gemeinsam unterwegs sind, bringen in die Gemeinden ein lebendiges Zeugnis ein; genauso wie Geschiedene und Getrenntlebende und alle Menschen, die durch Krisen gegangen sind. Sie zeigen: Das Leben geht weiter, auch wenn etwas Schwerwiegendes anders verlaufen ist als gehofft. Paare, die ihren Weg schon lange miteinander gehen, können ermutigen, sich einem anderen Menschen ganz zu öffnen und sich auf ihn einzulassen. Sie können aber auch aus ihrem Leben erzählen, zum Beispiel, dass der gemeinsame Weg nicht immer gerade und eben verlaufen ist, sondern hin und wieder auch steinig war. Das kann gerade jüngeren Paaren ein Ansporn sein, schwierige Situationen gemeinsam zu meistern und nicht leicht aufzugeben.

So möchte ich allen danken, die das Wagnis Ehe eingegangen sind, die andere ermutigen und auf dem Weg begleiten, sei er gerade oder gabelt er sich. Deshalb lade ich Sie herzlich ein, die Gottesdienste mit zu feiern und sich für den weiteren Lebensweg unter den besonderen Segen Gottes zu stellen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, einen gesegneten Sonntag!